Stadt Naumburg will den Reußenplatz deutlich aufwerten

Autofreieres Schmuckstück

Neues Pflaster und neue Fußwege, dabei werden aber viele Parkplätze verloren gehen.

Von Harald Boltze
Mit neuem Straßenpflaster und neu angelegten Fußwegen soll der Naumburger Reußenplatz zum Schmuckstück werden.
Mit neuem Straßenpflaster und neu angelegten Fußwegen soll der Naumburger Reußenplatz zum Schmuckstück werden. (Foto: Torsten Biel)

Naumburg - Wenn Touristen vom Naumburger Markt aus zum Dom wollen und falsch abbiegen oder vielleicht einfach mal etwas anderes sehen möchten, landen sie auf dem Reußenplatz. Und sie werden sich fragen: Nanu? Die Bezeichnung „Schandfleck“ wäre sicher zu hart gewählt, aber mit seinen Schlaglöchern, Pfützen, Bretterzäunen, Baulücken und Unkrautecken wirkt er nicht so einladend, wie es sein könnte.

Die Stadt will dieses Thema nun angehen - zumindest die Teile, die ihr gehören. Mit Planung und Ausschreibung in diesem sowie Baustart im kommenden Jahr sollen Straßen und Fußwege wieder ein ordentliches Äußeres bekommen, und zwar inklusive der Durchführungen zur Engelgasse. Das stellte jüngst Bau-Fachbereichsleiterin Ute Freund in einem Pressegespräch vor.

Die genaue Zeitschiene könne man aber derzeit noch nicht vorhersehen. Diese nämlich werde stark davon abhängig sein, wie kaputt ein gemauerter, unter dem Reußenplatz entlangführender Kanal ist. Eine Kamera-Befahrung soll demnächst dazu Aufschlüsse bringen.

Gesamt-Baukosten: 672.000 Euro

Überhaupt nutzen diverse Versorgungsträger das Vorhaben der Stadt, um in dem einmal aufgebuddelten Erdreich neue Leitungen zu legen. Trinkwasser, Gas, Strom, Straßenbeleuchtung, Kommunikationstechnik: Alles soll auf einen modernen Stand gebracht werden. Auch das Landesamt für Archäologie wird die Baugrube im historischen Naumburger Altstadtkern sicherlich unter die Lupe nehmen.

Auf rund 672.000 Euro schätzt man im Rathaus derzeit die Gesamt-Baukosten. In die Finanzierung fließen überschüssige Mittel aus den Ausbaubeiträgen von Grundstückseigentümern im Sanierungebiet. Das hatte der Gemeinderat so beschlossen.

Doch neben all dem Positiven, das eine Aufwertung eines zentralen Platzes mit sich bringt, gibt es auch eine Schattenseite. Und diese betrifft das Parken. Denn die dann normgerechten Fußwegbreiten werden mehr Platz einfordern und das bisher praktizierte Querparken nach der Umgestaltung unmöglich machen.

Am Reußenplatz selbst werden viele Parkplätze verschwinden. Ob auch hier  in diesem Innenhof, kommt auf die Pläne der Investoren an.
Am Reußenplatz selbst werden viele Parkplätze verschwinden. Ob auch hier in diesem Innenhof, kommt auf die Pläne der Investoren an.
(Foto: Torsten Biel)

„Es werden am Ende der Maßnahme deutlich weniger Parkplätze am Reußenplatz existieren“, sagt Ute Freund und beziffert deren Anzahl in Längsrichtung zukünftig auf neun plus einen Behindertenstellplatz. Auf der Freifläche vor der Pension „Typisch Naumburg“ soll das Parken ganz verschwinden, um dort eine Außenbewirtschaftung zu ermöglichen. Unklar ist zudem, ob auch Parkplätze auf dem Hof hinter Reußenplatz 6 wegfallen werden. Dies kommt darauf an, ob dort eine Investorengruppe einsteigt und wie deren Vorhaben dann im Detail aussehen wird (siehe unten).

Eigentümerversammlung am 2. August

Für Touristen und Menschen, die in der Innenstadt etwas erledigen wollen, vor allem aber für Anwohner wird sich damit die Parksituation deutlich verschärfen, „auch wenn das im Vergleich zu anderen Städten bei uns nicht dramatisch ist“, so Oberbürgermeister Armin Müller (CDU). Als Stadt wolle man als Vermittler auftreten. Es gebe in weiteren, privaten Höfen an Reußenplatz und Lindenring noch verfügbare Stellplätze, dazu das Parkdeck im Citykaufhaus. Dass ein neues Parkhaus am Lindenring gebaut wird, hält Müller aufgrund der hohen Kosten für „eher unrealistisch“. Auf der Freifläche an der Ecke Lindenring/Othmarsweg, wo dies mal angedacht war, entsteht, so war zu erfahren, demnächst durch einen Privatinvestor ein Wohn- und Geschäftshaus mit einem Parkuntergeschoss, das sicherlich aber vor allem für die Bewohner gedacht ist.

Um die Sorgen und Anliegen der Eigentümer am Reußenplatz, auch in Bezug auf das Parken, anhören zu können, hat die Stadt für den 2. August zu einer Eigentümerversammlung in den „Ratskeller“ eingeladen. Zudem findet derzeit eine Befragung von Anwohnern per Handzetteln statt.

Neues Hotel und Weinrestaurant?

Neben neuen Wegen könnte sich am Reußenplatz auch in puncto Hochbau etwas tun. Wie zu erfahren war, sind die Vertragsverhandlungen der Stadt mit einer einheimischen Investorengruppe weit gediehen. Diese möchte durch Neu- und Umbau auf dem Areal Reußenplatz 6 bis 9 ein touristisches Angebot mit Hotel sowie Wein-Gastronomie entwickeln, dazu womöglich noch weitere Gewerbe- und Wohnflächen. Noch seien dazu aber nicht alle Vertragsdetails abschließend geklärt, heißt es derzeit.