Ergebnisse der Landtagswahl

Warum Sven Czekalla plötzlich zum Überflieger der CDU im Saalekreis wurde

Im Herbst musste Sven Czekalla noch hart um seine Nominierung kämpfen. Nun holt er das stärkste CDU-Ergebnis – und überzeugt gar die Konkurrenz.

Von Robert Briest
 Sven Czekalla legte einen fulminanten Start in die Landespolitik hin.
Sven Czekalla legte einen fulminanten Start in die Landespolitik hin. Foto: R. Briest

Merseburg - Sven Czekalla wollte sich nicht zu früh gratulieren lassen. Selbst als kurz nach 21 Uhr mehr als die Hälfte der Wahllokale in seinem Wahlkreis Merseburg ausgezählt waren und sein Vorsprung bei acht Prozentpunkte lag, traute er dem Braten offiziell noch nicht. Sein Gesicht erzählte da freilich schon eine andere Geschichte. Der 38-Jährige grinste wie ein Honigkuchenpferd. Das Lächeln hält auch am Morgen danach an.

Sven Czekalla musste für Nominierung kämpfen

Czekalla hat allen Grund dazu, denn er ist fast aus dem Stand zum Shootingstar der CDU im Saalekreis mutiert. In einem Wahlkreis, in dem vier Landtagsabgeordnete, darunter zwei Landesparteichefs, antraten, hat er als der unbekannteste Kandidat 41 Prozent erzielt. Fünf Prozentpunkte mehr als die CDU bei den Zweitstimmen und deutlich mehr als alle andere Unionskandidaten im Saalekreis.

Dabei musste der diplomierte Volkswirt kämpfen, um überhaupt die parteiinterne Nominierung zu schaffen. Erst in der Stichwahl setzte er sich im Herbst knapp gegen Vincent Grätsch durch. Czekalla spricht denn angesichts des klaren Ergebnisses am Sonntag von einer „totalen Überraschung“: „In Braunsbedra habe ich mit einem guten Ergebnis gerechnet, weil ich da schon eine gewisse Bekanntheit hatte, aber dass es in Merseburg und Leuna so gut ist, gibt mir Wind unter den Flügeln.“

Merseburgs Oberbürgermeister: „Hundertprozent Freude über das hervorragende Ergebnis.“

Der trägt ihn am Montag zum ersten Arbeitstreffen nach Magdeburg, Dienstag folgt die konstituierende Sitzung der Fraktion. Welche Rolle er dort einnimmt, ist noch offen. Mit seinem beruflichen Hintergrund könne er sich Finanzen oder Wirtschaft als Themen vorstellen. „Ich bin als Generalist flexibel, kann mich schnell in viele Bereiche einarbeiten.“

Das bestätigt sein bisheriger Arbeitgeber, Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen. Czekalla war als Grundsatzreferent bisher dessen rechte Hand. Nun muss der OB die Stelle neu ausschreiben. Dennoch empfindet Bühligen nach eigenen Worten: „Hundertprozent Freude über das hervorragende Ergebnis.“ In Magdeburg könne Czekalla auch von den Erfahrungen aus dem Rathaus profitieren. Er habe, anders als mancher Landtagskollege, die Probleme, die dort täglich zu lösen sind, selbst erlebt.

Einer, der das Gespräch sucht

Kommunale Erfahrung, aber auch die Verankerung vor Ort waren wohl zwei Pfunde, mit denen Czekalla im Wahlkampf punkten konnte. Er ist Stadtratsvorsitzender von Braunsbedra, Ortsbürgermeister von Krumpa. Beide Ämter will er fortführen. „Das ist wichtiger Input für die Arbeit in Magdeburg. Als Ortsbürgermeister haben Sie so eine Nähe zu Menschen, führen Gespräche. Das will ich nicht missen.“

Das Gespräch hat er auch im Wahlkampf gesucht, für den er nun viel Lob von Parteifreunden erhält. Mit Flyern zog er vor allem durch Merseburg, sprach Bürger an. Dass jemand vor Ort da sei, sei den Leuten sehr wichtig: „Sie wollen wissen, wer der Czekalla ist.“

„Er ist kein erzkonservativer CDUler, sondern eher der Typ christliche Nächstenliebe“

Einer, der offenbar sogar die politische Konkurrenz überzeugt. Grünen-Kreischefin Lisa Stöffgen, selbst Braunsbedraer Stadträtin, sagt, sie habe ihm ihre Erststimme gegeben: „Ich habe mir gewünscht, dass in der CDU-Blase ein Sven Czekalla sitzt.“ Er leiste gute Arbeit als Ortsbürgermeister, sei offen für Ideen, könne vermitteln. Sie setze viel Hoffnung in seine Stimme in der CDU-Fraktion. Ein Satz, der in ähnlich auch bei Bühligen, Braunsbedras Stadtchef Steffen Schmitz (CDU) oder Landrat Hartmut Handschak fällt.

Mit dem starken Wahlergebnis ist auch ein Anspruch an Czekalla erwachsen. Er soll sich in der Regierungsfraktion für die Region stark machen. Der Frischgewählte ist sich dessen bewusst. Drei Projekte hat er dabei besonders im Kopf: die Freigabe des restlichen Geiseltalsees, die zügige Umsetzung der S-Bahn-Kurve nach Leipzig und die Erweiterung des Chemiestandorts Leuna: „Da entstehen neue Arbeitsplätze. Damit holen wir vielleicht auch Abgewanderte zurück, die dann am Geiseltalsee wohnen können.“ Sein bisheriger Chef ist sich sicher, dass der Krumpaer hilft, die Region zu entwickeln. „Die 41 Prozent sind natürlich auch eine Verpflichtung, die aufgerufenen Themen zu Ende zu bringen.“ Aber Bühligen traut das Czekalla in Magdeburg zu: „Er hat die Ausdauer.“ (mz)