Thema Struktur- und Klimawandel

Theater aus dem Kohlezug gastiert in Merseburg

Ein Ensemble aus Niedersachsen widmet sich in ganz besonderer Kulisse dem Thema Struktur- und Klimawandel und gastiert mit dem Stück auch in Merseburg.

Von Diana Dünschel
Probe für das Theater im Kohlezug
Probe für das Theater im Kohlezug (Foto: Simon Haulleville )

Merseburg/MZ - Theater im Zug und ganz konkret im Kohlezug wird in Merseburg am 28. und 29. August an den Gleisanlagen in der Nulandtstraße hinter dem ehemaligen Möbelpavillon geboten. Im Stück geht es passend um den Bergbau und seine Hinterlassenschaften, den Struktur- und den Klimawandel. Für die beiden Aufführungen, die jeweils 19 Uhr beginnen, hat jetzt der Kartenvorverkauf begonnen.

Hinter dem Projekt steckt das in Niedersachsen beheimate-te Eisenbahntheater „Das letzte Kleinod“. Die Künstlertruppe hat ihr Domizil in einem ozeanblauen Zug. In ihm sind Werkstätten, Technik, Büro, Küche und natürlich Kabinen für die Schauspieler untergebracht. Auf dem Schienenweg tourt das Ensemble mit seinen Programmen durch Deutschland und Europa - und kommt demnächst mit seinem Dokumentarstück „Kohlezug“ eben auch nach Gräfenhainichen, Zeitz und Merseburg. Dafür werden an den Zug fünf originale Schüttgutwaggons angehängt, in denen gespielt wird, während sich die Theatergäste mittendrin im Geschehen befinden.

Inzwischen haben in Helmstedt die Proben begonnen

Als das Thema feststand, wurden seit Herbst 2019 Interviews mit Menschen geführt, die in den Braunkohletagebau auf unterschiedliche Art und Weise involviert waren, erzählt Dramaturgin Juliane Lenssen. Aus diesen Interviews seien dann die Texte für das Stück entstanden. Bergbaubetriebe und Traditionsvereine stellten Relikte zur Verfügung, die nun als Kulisse und Requisiten dienen. Damit die Darsteller sich besser in ihre Rollen als Lokführer oder Kraftwerksleiter hineinversetzen können, reisten sie letztlich selber in Braunkohlegebiete, ließen sich etwa erst vor wenigen Tagen von einer früheren Baggerführerin ihren Arbeitsplatz im Abbaugebiet Golpa-Nord - heute Ferropolis - zeigen.

Inzwischen haben in Helmstedt die Proben begonnen. Am 5. August wird dort auch Premiere gefeiert. Danach geht es über Frankfurt/Oder, Cottbus und Senftenberg nach Mitteldeutschland und schließlich für die letzten Vorstellungen bis 9. September nach Hause.

„Der Kohlezug sichert Geschichte“

„Der Kohlezug sichert Geschichte. Er setzt sich mit der Lebenssituation in der Region auseinander. Wir wollen den Menschen und langsam verschwindenden Berufen Achtung und Respekt zollen. Wir fragen aber auch nach den Perspektiven von jungen Leuten und möchten gern einen Dialog starten“, sagt Juliane Lenssen zu den Projektzielen.

Die Aufführung findet ihr zufolge unter freiem Himmel und bei jedem Wetter statt. Für die Zuschauer wird für den Einstieg eine Tribüne aufgebaut. Dann werden sie in Gruppen aufgeteilt und erleben in den offenen Schüttgutwaggons die weiteren Szenen. „Festes Schuhwerk ist neben wetterfester Bekleidung daher zu empfehlen“, so der Tipp der Dramaturgin.

Karten gibt es im Internet unter www.das-letzte-kleinod.de oder werktags von 10 bis 13 Uhr am Infotelefon 04749/1 03 00 60. Auf den Wegen gelten Maskenpflicht und Mindestabstände. Die von der Stadt Merseburg geförderte Veranstaltung ist nicht barrierefrei.