Lehrkräfte bereits immunisiert

Sind Schüler in Merseburg bereit für die Impfung?

Der Großteil der Lehrkräfte ist bereits immunisiert, nun können sich auch Jugendliche schützen lassen. Die Bereitschaft am Domgymnasium ist hoch.

Von Jakob Milzner
Moritz Eichelmann, 16 Jahre, Domgymnasium Merseburg
Moritz Eichelmann, 16 Jahre, Domgymnasium Merseburg (Foto: Jakob Milzner)

Merseburg/MZ - Eine knappe Woche vor Beginn der Sommerferien erinnert am Domgymnasium nur noch wenig an die Ausnahmesituation der letzten eineinhalb Jahre. Zwar werden auf den Gängen noch Masken getragen, doch blickt man in die Klassenzimmer, sitzen die Schüler dort wie gewohnt an ihren Tischen - zumindest fast. Denn die letzten Tage des Schuljahres findet eine Projektwoche statt, weswegen an den Tafeln keine Formeln stehen und auf den Tischen keine aufgeschlagenen Bücher liegen. Stattdessen beschäftigen sich die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte kreativ, gestalten eine Zeitung, betätigen sich künstlerisch. Doch wie es nach den Sommerferien weitergeht, steht auf einem anderen Blatt - und hängt wohl maßgeblich auch davon ab, wie viele Menschen bis dahin bereits über den vollen Impfschutz verfügen.

Von den Lehrern habe der Großteil bereits eine Impfung erhalten, berichtet Schulleiter Steffen Rauhaus: „Es gab eine große Impfbereitschaft bei uns im Hause und das hat mich sehr gefreut, weil ich persönlich der Meinung bin, dass das ein guter und richtiger Weg ist, uns zu schützen.“ Wichtig sei ihm die Impfung auch deshalb, weil die immunisierten Lehrkräfte beruhigter in den Unterricht gehen könnten. Einer Impfpflicht stehe er trotzdem skeptisch gegenüber; „Das würde, denke ich, eher unsere Gesellschaft noch weiter spalten“, sagt Rahaus.

Evelyn Havatov, 17 Jahre, Domgymnasium Merseburg
Evelyn Havatov, 17 Jahre, Domgymnasium Merseburg
(Foto: Jakob Milzner)

„Ich sehe da keine Nachteile“

Unter den Schülern am Domgymnasium ist die Stimmung gemischt, doch viele von ihnen möchten sich bald immunisieren lassen. „Ich sehe da keine Nachteile“, sagt etwa der 16-jährige Jonathan Dürrbeck. Bislang habe er aufgrund des Mangels an Impfstoff zwar noch keinen Termin gemacht, damit ältere Menschen und Risikogruppen zuerst geschützt werden könnten. „Lassen wir denen die Zeit, die sie brauchen - wenn ich dann nach den Sommerferien eine Impfung bekomme, reicht das auch aus. Bei uns Jugendlichen sind die Verläufe ja meistens nicht so schlimm wie bei den 80-Jährigen“, meint der Schüler.

Ähnlich sieht es Moritz Eichelmann, auch er ist 16 Jahre alt. Er wolle sich impfen lassen, sobald das für ihn möglich sei. Aktuell habe er den Status eines Genesenen, da er noch im Februar an Corona erkrankt sei - „wie ein vorbildlicher Schüler“, scherzt er, „dann ist man wenigstens in den Ferien krank und nicht in der Schulzeit.“ Angst habe er vor der Impfung keine: „Ich wüsste nicht, wovor ich Angst haben sollte. Klar hört man immer wieder von schockierenden Fällen, wo Leute verstorben sind. Aber da ist immer die Frage, wie das alles zusammenhängt, welche Vorerkrankungen es gibt, welche Unverträglichkeiten. Wenn man sich impfen lässt, geht man ein gewisses Risiko ein, dass der Körper es abstößt oder dass irgendwas nicht gut geht, aber damit hat man sich ja vorher auseinandergesetzt.“

Jonathan Dürrbeck, 16 Jahre, Domgymnasium Merseburg
Jonathan Dürrbeck, 16 Jahre, Domgymnasium Merseburg
(Foto: Jakob Milzner)

„Manche haben Angst vor Bill Gates“

Doch nicht alle sind so überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Impfung wie die beiden 16-Jährigen. Zwar habe sie keine konkrete Angst vor einer Impfung, erzählt etwa Evelyn Havatov, 17 Jahre, „aber ich vertraue auch nicht so sehr darauf, dass es etwas bringt.“ Geimpft zu werden habe für sie daher keine hohe Priorität, zumal sie vor der Krankheit selbst keine so große Angst habe. Dennoch würde auch sie sich eventuell immunisieren lassen: „Wenn ich zum Beispiel nie wieder in ein anderes Land reisen könnte, dann würde ich das schon machen“, meint die Schülerin.

Steffen Rahaus, Leiter der Merseburger Domgymnasiums
Steffen Rahaus, Leiter der Merseburger Domgymnasiums
(Foto: Jakob Milzner)

Dass es auch andere Positionen unter den Schülern gebe, erzählt Jonathan Dürrbeck. So seien in seiner Klasse einige Querdenker: „Die verstehe ich nicht ganz“, sagt der 16-Jährige. „Manche haben Angst vor Bill Gates. Ich frage da immer nach, weil mich das interessiert, aber da kommen dann keine weiteren Aussagen.“ Gleichwohl seien die meisten seiner Mitschüler vernünftig - und zum Teil bereits geimpft.