„Synergieeffekte“

Samariterherberge übernimmt Sozialstation Merseburg - Aber das Logo bleibt

Samariterherberge übernimmt die Sozialstation Merseburg. Die Stiftung für Menschen mit Behinderung will so ihr Angebot vergrößern – aus gutem Grund.

Von Robert Briest
Pflegekraft in einer Diakonie - Symbolbild
Pflegekraft in einer Diakonie - Symbolbild (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Merseburg/MZ - Die Sozialstation Merseburg hat seit Jahresbeginn einen neuen Betreiber. Im Erscheinungsbild des Hauptsitzes in der Lauchstädter Straße und der Dienstwagen hat sich allerdings nichts verändert. An beiden prangt weiterhin das Logo der Diakonie. Denn die Verantwortung für die Sozialstation, einen Pflegedienst, der in und um Merseburg knapp 170 Patienten betreut, ist nur innerhalb des Kosmoses des evangelischen Wohlfahrtsverbandes gewechselt.

Bisher war der Träger der Diakonieverein Saalekreis, der von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt wird. Für den seien die wachsenden Anforderungen, die an ein Pflegeunternehmen bestehen, nur noch schwer zu leisten gewesen, erklärt Burkhard Weichsel. Er gehört selbst dem Vorstand an, ist aber vor allem hauptberuflich Geschäftsführer der Stiftung Samariterherberge in Horburg, die dort sowie in Merseburg und Bad Dürrenberg Werkstätten und Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung betreibt. Und die nun die Sozialstation in Merseburg übernommen hat.

Das Wort „Synergieeffekte“ fällt häufiger, wenn Weichsel die Gründe für diesen Schritt erklärt. „Wir als Stiftung mit 125 Mitarbeitern haben andere Strukturen.“ Professionellere, die es brauche, um den Pflegedienst weiterzuentwickeln. Im Gegenzug wollte aber auch die Stiftung das Pflege-Know-how im Haus haben. „Wir wollen als Träger alle Bereiche des Pflegebedarfs abdecken“, sagt der Geschäftsführer.

„Vor 20 bis 30 Jahren war es die Ausnahme, dass Menschen mit Behinderungen das Rentenalter erreichten.“

Der Bedarf nach Pflegeleistungen wächst auch in der Kernzielgruppe der Stiftung als Folge einer positiven Entwicklung, die der Geschäftsführer beschreibt: „Vor 20 bis 30 Jahren war es die Ausnahme, dass Menschen mit Behinderungen das Rentenalter erreichten.“ Heute wird es zunehmend zur Normalität. Hinzu kommt laut Weichsel das Ziel, dass mehr Betreute zu Hause leben können und nicht im Heim.

„Das heißt, man hat künftig ein Klientel mit anderen Hilfebedarfen“, gibt Christoph Neumann die Sicht der Sozialstation wieder. Er ist seit dem Frühjahr Einrichtungsleiter für den Pflegedienst, der sich zudem weiterhin um seine bisherigen Kunden kümmern will. Auch für die zwei Dutzend Mitarbeiter der Sozialstation habe sich durch den Betreiberwechsel nichts geändert, erklärt Weichsel. Da bei Alt- und Neubesitzer der Tarifvertrag der Diakonie gilt.

Der Geschäftsführer sieht allerdings den Bedarf, das Angebot der Sozialstation perspektivisch zu erweitern. „Wir haben bisher noch keine Tagespflege, da werden wir in Zukunft vielleicht was machen“, nennt er eine Möglichkeit. Sorge um mangelnde Nachfrage im bisherigen Kerngeschäft des Pflegedienstes machen sich die Verantwortlichen allerdings nicht. Einrichtungsleiter Neumann prophezeit: „Die Nachfrage nach Pflegeleistungen wird steigen.“ In den kommenden Jahren kämen vielen Menschen ins Rentenalter. Weichsel nennt noch einen anderen Grund wieso: „Statistisch können sich immer weniger Menschen privat pflegen lassen. Das wird die Nachfrage erhöhen.“