Saalekreis

Saalekreis: Kopf über dem Schatz aus der Bronzezeit

Halle (Saale)/WÜNSCH/MZ. - Ein abgetrennter Kopf und eine Hand über einem äußerst wertvollen Bronzehort, das war 2009 einer der außergewöhnlichsten Funde des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie im Vorfeld des Neubaus der ICE-Strecke Erfurt / Halle-Leipzig. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in der Restaurierungswerkstatt des Landesamts in Halle sowie im Institut für Anthropologie der Universität Mainz liegen jetzt Forschungsergebnisse ...

Von CLAUDIA CRODEL

Ein abgetrennter Kopf und eine Hand über einem äußerst wertvollen Bronzehort, das war 2009 einer der außergewöhnlichsten Funde des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie im Vorfeld des Neubaus der ICE-Strecke Erfurt / Halle-Leipzig. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in der Restaurierungswerkstatt des Landesamts in Halle sowie im Institut für Anthropologie der Universität Mainz liegen jetzt Forschungsergebnisse vor.

Kleine Siedlung am Stöbnitz-Bach

Geborgen wurde der Fund in der Gemarkung Oberwünsch unweit des Geiseltalsees, im Tal des Baches Stöbnitz. Er führt in die späte Bronzezeit, datiert wird er auf das späte 10. Jahrhundert vor Christus.

Zunächst hatte das Grabungsteam auf dem Gelände einer relativ kleinen Siedlung aus dieser Zeit auf der Sohle einer zylindrischen ehemaligen Vorratsgrube den Schädel mit der Hand gefunden. Diese sollten im Block geborgen werden. Dabei entdeckten die Archäologen mehr durch Zufall den mindestens 120 Teile umfassenden Bronzeschatz in einem Schacht neben den Skelettteilen. Es wurde ein größerer Block angefertigt, um beide Funde gemeinsam zu bergen.

"Ich glaube nicht, dass Kopf und Hand zufällig da liegen", sagt Landesarchäologe Harald Meller. Vielmehr vermutet er, dass es sich um ein Opfer über dem Bronzehort handelt. Die Grube mit dem Schatz sei offenbar nur kurz offen gewesen und schnell verschlossen worden. Der Bronzehort gehört durch die Menge und Qualität zu den größten Funden dieser Kategorie.

Er umfasst Halsringe, Plattenfibeln zum Verschließen von Gewändern, Hakenspiralen, Arm- und Fußreifen, Gehänge aus Spiralscheiben, Spiralrollen und Ringe. Zur Untersuchung wurde Computertomographie eingesetzt, um die Bronzen in ihrer ursprünglichen Lage zu belassen und dennoch die Einzelteile analysieren zu können. Offensichtlich gehört der Hort nicht einem einzelnen Menschen, sondern einer ganzen Gruppe, wie die Halsreifen in verschiedenen Größen und Schmuckstücke sowohl für Männer als auch Frauen belegen.

Auch die Untersuchung der Skelettteile brachte spektakuläre Ergebnisse: Nach den Angaben des Anthropologen Kurt Alt von der Uni Mainz müssen der Schädel mit den drei oberen Halswirbeln sowie die Hand etwa zum Zeitpunkt des Todes gewaltsam vom Körper abgetrennt worden sein. Sie gehörten einem Mann im Alter zwischen 45 und 60 Jahren. Kopf und Hand stammen laut der genetischen Analyse vom selben Individuum. Offenbar hat sich das Opfer gewehrt, wie Verletzungen am Zeigefinger zeigen. Auch Alt stützt die These, dass es sich wahrscheinlich um ein Opfer ritueller Handlungen handelt, möglicherweise stamme es nicht aus der Region. Dazu laufen noch Untersuchungen.

Block kommt in die Ausstellung

Der Block mit den Funden soll in der neuen Dauerausstellung des Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte einen Platz finden. "In der Schau geht es uns darum, mit den Funden ganze Geschichten zu erzählen", betont Meller.