OB widersetzt sich Ministerium

Magdeburg weist Impf-Touristen ab

Magdeburg - Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) will in der Corona-Pandemie weiter ausschließlich Ortsansässige gegen das Virus impfen lassen. Er wolle verhindern, dass zahlreiche Impftermine an Personen aus anderen Bundesländern vergeben werden, sagte er der MZ. „Das kann nicht der Sinn sein.“

Magdeburgs OB Trümper gegen Impf-Tourismus

Seit Tagen fährt die Landeshauptstadt deshalb einen eigenen, strikten Kurs: Termine im Impfzentrum gibt es nur noch für Personen mit Wohnsitz in Magdeburg. Mit seinem Sonderweg legt sich Trümper ganz offen mit dem Landesgesundheitsministerium unter seiner Parteifreundin Petra Grimm-Benne an. Denn laut Ministerium verstößt Trümper gegen die Bundesimpfverordnung - die sehe kein Regionalprinzip für die Impfterminvergabe vor. Die Debatte ist nicht neu: Schon zum Start der Immunisierungskampagne im Dezember hatten Landräte über Impftouristen geklagt.

Grimm-Benne: Trümper nur „Dienstleister“

Aber: In Magdeburg will Grimm-Benne jetzt durchgreifen. „Wir werden den Oberbürgermeister morgen anweisen, jeden zu impfen, der sich anmeldet“, sagte sie der MZ am Dienstag. „Es ist nicht sein Impfstoff, sondern Bundesimpfstoff. Er ist nur Dienstleister.“ Die Ministerin betonte zudem: „Wir wollen, dass nichts auf Halde liegen bleibt. Umgekehrt könnten sich ja auch Magdeburger in Braunschweig impfen lassen.“

40 Prozent der Termine an Auswärtige vergeben

Trümper sieht sich derweil im Recht mit seinem strikten Kurs. Er argumentiert: Magdeburg sei seit Tagen besonders interessant für Auswärtige, weil die Stadt bereits Über-60-Jährige gegen das neuartige Virus impfe - sie ist damit schneller als viele andere Kommunen. „Das Resultat war, dass wir nach Ostern 40 Prozent der Termine an Auswärtige vergeben haben, etwa 2.500 Impfungen“, so Trümper. Die Leute seien aus Hamburg, München und Niedersachsen angereist. Er betont: „Der Impfstoff wird ja auch lokal nach Einwohnerzahl verteilt.“ Nach seiner Lesart verstoße er nicht gegen die Impfverordnung. (mz/Jan Schumann und Hagen Eichler)