Klinikchef-Sohn liefert Masken

Klinikchef-Sohn liefert Masken: Lukratives Geschäft? Großeinkauf wirft Fragen auf

Magdeburg - Wie wertvoll Masken im Kampf gegen die Corona-Pandemie sind, war Hans-Jochen Heinze früh klar. Schon vor einem Jahr setzte der Chef der Magdeburger Uniklinik einen Appell an die Politik ab. „Ich bin dafür, diese Schutzmasken flächendeckend an die Bevölkerung zu verteilen“, forderte er. Mittlerweile muss sich Heinze die Frage stellen lassen, ob seine Familie möglicherweise auch ein anderes Potenzial der Maske frühzeitig erkannte: das für besonders lukrative ...

Von Hagen Eichler

Wie wertvoll Masken im Kampf gegen die Corona-Pandemie sind, war Hans-Jochen Heinze früh klar. Schon vor einem Jahr setzte der Chef der Magdeburger Uniklinik einen Appell an die Politik ab. „Ich bin dafür, diese Schutzmasken flächendeckend an die Bevölkerung zu verteilen“, forderte er. Mittlerweile muss sich Heinze die Frage stellen lassen, ob seine Familie möglicherweise auch ein anderes Potenzial der Maske frühzeitig erkannte: das für besonders lukrative Geschäfte.

Denn wenige Monate nach dem Appell zum flächendeckenden Einsatz von Mund-Nase-Bedeckungen, im Juli 2020, gründete Heinzes Sohn Nicolai mit drei Geschäftspartnern ein Unternehmen, das die heiß begehrte Ware herbeizuschaffen versprach. Ob einfache OP-Maske oder der besonders sichere Typ FFP 2 - die Firma BBE Solutions mit Sitz im rheinischen Ratingen hat es im Angebot. Eine Institution, die zugriff, war die Uniklinik Magdeburg.

Es geht um 500.000 Masken

Die von Heinze senior geleitete Landeseinrichtung bestellte, das von Heinze junior mitgeführte Unternehmen lieferte - diese Konstellation sorgt nun für Diskussionen. Der Klinikumschef weist jede Kritik zurück. „BBE war günstiger als Mitanbieter und hat die qualitativen Voraussetzungen erfüllt“, sagte Heinze zuletzt bei einer Pressekonferenz auf Nachfrage. Wie viel die Uniklinik zahlte, ließ er offen - aus rechtlichen Gründen, wie seine Kaufmännische Direktorin Kerstin Stachel sagte. Heinze spricht von 500.000 FFP-2-Masken. Laut Branchenkennern dürfte der Wert des Auftrags bei mehreren 100.000 Euro liegen.

Mittlerweile hat sich der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD), eingeschaltet. Er bringt eine externe Prüfung des Vorgangs ins Spiel. In der nächsten Aufsichtsratssitzung am 12. April will er das ansprechen. Zugleich stellt er die für die Uniklinik geltenden Compliance-Regeln, also die Vorschriften gegen Korruption, in Frage. Nach den vom Innenministerium vorgegebenen Regeln ist ein Vertragsabschluss mit Verwandten nicht untersagt. Gegebenenfalls müssten die Compliance-Regeln angepasst werden, sagte ein Sprecher von Willingmanns Ministerium.

CDU kritisiert Masken-Geschäft

Kritik am Magdeburger Masken-Geschäft kommt aus der CDU. Die Unions-Bundestagsfraktion steht seit Tagen selbst heftig in der Kritik, weil sich Mandatsträger bei der Vermittlung von Aufträgen bereichert haben sollen. Der Wittenberger Abgeordnete Sepp Müller, der das hart kritisiert, sieht auch den Vertrag der Uniklinik kritisch. „Nicht alles, was rechtlich erlaubt ist, ist auch moralisch vertretbar“, sagte er. „Ich würde es mir überlegen, ob ich der Uniklinik, die von meinem Vater geleitet wird, ein Angebot schicke.“

Laut Uniklinik wurden insgesamt drei Firmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Ein Konkurrent der Ratinger Firma BBE Solutions soll fünf Prozent teurer gewesen sein und zudem keine kontinuierliche Belieferung gewährleistet haben können. Der dritte Anbieter sei sogar 60 Prozent teurer als der erfolgreiche Bieter gewesen - so steht es in einem Bericht, den die Uniklinik auf Anforderung von Aufsichtsratschef Willingmann vorgelegt hat.

Die Uniklinik beteuert, ihr Vorstandschef habe keinerlei Einfluss auf das Verfahren genommen. Zuständig sei allein die Abteilung Einkauf gewesen, die der Kaufmännischen Direktorin unterstehe. Warum wurde ausgerechnet BBE zur Abgabe eines Angebots aufgefordert? „Der Vorschlag kam von unserem Hygieniker, der verschiedenen Masken getestet hat“, sagte Heinze auf Nachfrage.

Konkurrent wittert Korruption

Ein unterlegener Mitbewerber hat Zweifel an den Darstellungen. Der Magdeburger Unternehmer Oliver Franke sagte der MZ, auf sein Angebot habe die Uniklinik am 17. oder 18. November mit einer telefonischen Absage reagiert. Die letztlich erfolgreiche Firma BBE wurde jedoch erst am 25. November zur Abgabe eines Angebots aufgefordert - das berichtete der MDR, der das Maskengeschäft als erstes thematisierte. Franke vermutet Korruption und will die Staatsanwaltschaft einschalten.

BBE Solutions beteuert, alles sei sauber abgelaufen. Zu keinem Zeitpunkt habe Nicolai Heinze über seinen Vater Informationen erhalten. Der Einkaufsprozess sei „nach den üblichen Regularien öffentlicher Träger“ erfolgt, sagte Co-Geschäftsführer Jens Budzik der MZ. „Der Verkauf der Masken an das Magdeburger Klinikum wirft deshalb aus unserer Sicht keine Fragen auf.“

Die Magdeburger Uniklinik ließ eine MZ-Anfrage unter Verweis auf Personalengpässe unbeantwortet. (mz)