Zwei Traditionen vereint Wurzeln in Körnitz: Hochzeit in anhaltischer Tracht mitten in Südafrika

körnitz - Die passende Anhalt-Tracht zu finden, das scheint gar nicht so einfach zu sein. Auch Detlev Lindes Recherche blieb erfolglos. Erst seine Großcousine Gitta Linde aus Körnitz wurde fündig. Beim Trachtenverein Radegast konnte sie tatsächlich eine Anhaltische Festtagstracht aus dem 17. Jahrhundert auftreiben.
Der Grund für dieses Interesse ist ungewöhnlich und durchaus interessant. Detlev Linde nämlich war auf der Suche nach einer solchen Tracht für seine bevorstehende Hochzeit. Die alles andere als nach typisch deutschem Zeremoniell vollzogen werden soll.
Linde und seine Auserwählte werden im Januar im südafrikanischen Kapstadt heiraten und das in jeweils landestypischer Tracht, so sieht es der Brauch vor. Denn seine junge Südafrikanerin gehört dem Stamm der Swazi an und stammt aus dem südlichen Stadtteil Warkerville.
Es wurde ein Brautpreis von 60 Kühen ausgehandelt
„Im Grunde genommen sind wir bereits verheiratet, zumindest zum Teil“, erklärt der Bräutigam die etwas verwirrenden Umstände. Bevor nämlich überhaupt an eine Hochzeit zu denken sei, müsse der sogenannte Lobola (Brautpreis) zwischen beiden Familien ausgehandelt werden.
Detlev Linde, als nicht Stammesmitglied, musste dafür einen Vertreter stellen. Ein Bekannter der Brautmutter, der auch noch zufällig Eric van Linde hieß, übernahm die Aufgabe. „Es wurde am Ende ein Preis von 60 Kühen ausgehandelt“, erzählt Linde das Verhandlungsergebnis.
Wobei diese Zusammenkunft bereits mit einem ausgiebigen ersten Fest verbunden ist. Zur Information - eine Kuh hat einen Wert von 1.000 Rand Landeswährung. Der Kurs beträgt etwa ein Euro zu 13 Rand. „Ich habe natürlich nicht in Kühen bezahlt“, erklärt Linde mit einem Augenzwinkern. Sondern nach einer ersten Anzahlung wird er den Rest dann bei der Übergabe der Braut am 5. Januar begleichen.
Das Paar feiert vier völlig verschiedene Hochzeiten
Und hier kommt dann auch die anhaltische Tracht ins Spiel. Denn bei der traditionellen Hochzeitszeremonie wird das Brautpaar zuerst in der Tracht der Swazi heiraten und anschließend in der Tracht des Bräutigams.
Einen Tag später dann findet quasi Hochzeitsfeier Nummer vier statt - christlich katholisch, in weißem Kleid und schwarzem Anzug und mit etwa 500 Leuten. Denn bereits im September hat das Paar vor dem deutschen Gesetz in seinem derzeitigen Wohnort Kerpen bei Köln geheiratet.
Am vergangenen Wochenende nun besuchten Detlev Linde und Tokoloho Chabalala seine Familie in Körnitz im Südlichen Anhalt. „Ich habe mich gleich wie Zuhause gefühlt“, schwärmt die Südafrikanerin, die in Englisch kommuniziert. Obwohl Körnitz eigentlich nie das Zuhause von Detlev Linde war, bekennt sich der Kölner gern zu seinen anhaltischen Wurzeln. Denn sein Vater und Großvater stammen aus Körnitz. So sollte es auch eine wirklich anhaltische Tracht sein.
In der Heimat der Braut wird sehr viel Wert auf Kultur und Tradition gelegt
„Wir hätten auch schummeln und eine bayerische Tracht nehmen können, das hätte keiner gemerkt“, erklärt Linde. „Aber ich wollte es richtig machen, schon aus Respekt vor ihrer Familie“, so der Kerpener weiter.
Während der Anprobe am Samstag jedoch stellte sich heraus, weder die Braut mit ihren gerade mal 1,50 Metern Körpergröße noch der Bräutigam mit seinen etwas zu großen Abmaßen passen in die Sachen hinein.
Gitta Linde jedoch regelt auch dass und lässt nun nach dem vorhandenen Muster eine neue Tracht für beide fertigen. „Ich finde es toll, dass so unsere wenig vorhandenen Traditionen gewahrt werden.“ In der Heimat der zukünftigen Braut dagegen werde sehr viel Wert auf Kultur und Tradition und auf Familienzugehörigkeit gelegt. Nicht umsonst nennt man es auch die Regenbogennation.
Kennenlernen hat sich das Paar über das Internet
Dabei lief ihr Kennenlernen dagegen ganz modern per Internetchat ab. Später dann kam die junge Südafrikanerin als Au-pair nach Deutschland und blieb bei ihrer Schwester in Limburg.
Vor einem Jahr trafen sich die Südafrikanerin und der Deutsche dann zum ersten Mal in Limburg. „Es hat sofort Klick gemacht“, erzählt Linde mit strahlendem Gesicht. Inzwischen wohnen die beiden zusammen bei ihm in Kerpen. Aber irgendwann in den nächsten Jahren, plant das Paar in ihrer Heimat Südafrika zu leben.
„Ich kann mir das durchaus vorstellen“, sagt der Kerpener entschlossen, der als Fremdenführer in Köln arbeitet. Linde kennt sich mit geschichtlichen Hintergründen aus, schließlich hat er einst ein Studium für Geschichte absolviert, aber nicht ganz beendet. Zudem ist er als Autor von verschiedenen Kinderbüchern, Science-Fiction- und Fantasybüchern tätig. Darunter „Azors Vermächtnis“, welches auch bei Amazon erhältlich ist.
Über 500 Gäste bei der Hochzeit in Südafrika
Gitta Linde selbst jedoch wird, zum Bedauern aller, aus privaten Gründen nicht an der Hochzeit in Kapstadt teilnehmen. Neben einer Verwandten seinerseits werden so etwa 500 Gäste ihrerseits bei der Hochzeit sein, was für eine südafrikanische Hochzeit ganz normal sei, wie sie sagt.
Per Fotos und Internet jedoch werden auch die Körnitzer an der besonderen Zeremonie teilhaben können. (mz)