Grün ist die Hoffnung

Wald bei Quellendorf wird aufgeforstet - Warum die Traubenkirsche für Probleme sorgt

Von Doreen Hoyer 17.10.2021, 12:00 • Aktualisiert: 18.10.2021, 13:44
Andreas Mai in einem wiederaufgeforsteten Areal, in dem auch Esskastanien stehen.
Andreas Mai in einem wiederaufgeforsteten Areal, in dem auch Esskastanien stehen. Fotos: Ute Nicklisch

Diesdorf/MZ - Ein junger Baum, sattgrün und gut angewachsen - so ein Anblick macht Andreas Mai froh. Wie sollte es auch anders sein, der 64-Jährige ist Revierförster im Landesforstbetrieb. An diesem Tag Ende September zeigt er bei einer kleinen Begehung, wie es um den Wald in der Region bestellt ist. Welche Arten entwickeln sich gut, welche haben zu kämpfen? Und: Hat der feuchte Sommer in diesem Jahr gereicht, um die Trockenheit zuvor auszugleichen?

Mais Revier heißt „Mosigkauer Heide“ und umfasst eben diese Heide, aber auch andere Gebiete. Der Kleinzerbster Busch und Wald bei Quellendorf gehören zum Beispiel dazu. 3.000 Hektar sind es insgesamt. Durchtrennt wird das Gebiet zum Beispiel von der A9 und der B184. Vor ungefähr 15 Jahren, erzählt Andreas Mai, seien die Reviere Brambach, Lingenau und Törten zu seinem jetzigen Aufgabenbereich zusammengeschlossen worden.

Zustand des Waldes hat sich in den vergangenen 15 Jahren deutlich verschlechtert

Wie fällt seine Bilanz nach diesen 15 Jahren aus? „Der Zustand hat sich verschlechtert“, sagt er. Da gebe es nichts zu deuteln. Das liege zum einen an vielen Schadereignissen wie dem Orkan „Kyrill“ 2007 und seiner stürmischen Schwester „Friederike“ 2018. Und nach „Friederike“ begann die extreme Trockenheit mit drei sehr heißen Sommern. „2016 ist außerdem der Diplodia-Pilz eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Andreas Mai. Der Pilz befällt Kiefern und schädigt sie.

Dieses Jahr nun hat es immerhin wieder mehr geregnet. Bis auf 20, 30 Zentimeter Tiefe sei der Boden nun gut durchfeuchtet, sagt der Förster. Aber danach werde es schon wieder extrem trocken - wünschenswert wäre eine Durchfeuchtung bis auf 1,50 oder zwei Meter. Gerade Tiefwurzler und ältere Bäume hätten also weiterhin Probleme, ihren Feuchtigkeitsbedarf zu decken. Durch die Trockenschäden kam in den vergangenen Jahren ein Teufelskreis in Gang, denn geschwächte Bäume sind anfälliger für Schädlinge.

Diese Douglasien sind schon älter und machen sich gut.
Diese Douglasien sind schon älter und machen sich gut.
Foto: Ute Nicklisch

Und auch so bedeutet mehr Regen in diesem Jahr nicht, dass schon alle Trockenheitsschäden ausgestanden wären. Die Eichen machen dem Förster zum Beispiel Sorgen, bei ihnen zeigten sich die Auswirkungen der Trockenheit manchmal erst jetzt. Auch bei den Rotbuchen sehe man das - das Thema sei jedenfalls noch nicht erledigt. Wie die Entwicklung aussehen wird, ist kaum vorher zu sagen. „Wir werden sehen, was die Zeit bringt“, sagt Mai.

Förster setzen auf einen vielfältigen Wald der Zukunft - und pflanzen viele verschiedene Arten

Was er und seine Kollegen aber doch tun können: Gegensteuern, so gut es geht. Zum Beispiel durch das Pflanzen anderer Baumarten wie Linde, Traubeneiche, Roteiche. Bei den Nadelbäumen ruhen Hoffnungen auf Douglasie und Küstentanne. „Wir wollen ja einen vielfältigen Wald, um das Risiko zu minimieren“, sagt der 64-Jährige. Beratend zur Seite steht ihm die norddeutsche forstliche Versuchsanstalt, die wissenschaftliche Empfehlungen gibt.

Bei der Tour durch einen Teil des Reviers zeigt Mai immer wieder Areale, auf denen aufgeforstet wurde: kleine Douglasien und größere, die schon etwas älter sind. Dazu am Rand auch mal Esskastanien. Auch Wildobstbäume wie Wildapfel oder Wildkirsche kommen zum Einsatz.

Diesen Kiefern sieht man die Probleme deutlich an.
Diesen Kiefern sieht man die Probleme deutlich an.
Foto: Ute Nicklisch

Wenn er Erfolg bei den aufgeforsteten Flächen sieht, freut das den Förster. Seine Miene verfinstert sich aber, als er einen Baum zeigt, der sich in der Gegend deutlich zu wohl fühlt: die Spätblühende Traubenkirsche. Einst aus Nordamerika mitgebracht, verdrängt sie nun heimische Arten. „Sie wächst unheimlich dicht, dazwischen haben es andere dann schwer“, weiß Mai. „Die werden Sie nie wieder los.“ Wenn die Traubenkirsche nicht wäre, wäre bei der Verjüngung des Waldes einiges leichter.

Müll wird immer mehr zu Problem in den Wäldern der Region

Vier Waldarbeiter hat Andreas Mai für sein Revier. Die haben viel mit Verkehrssicherung zu tun, mit der Wegepflege oder der Kontrolle von Zäunen. Auch illegal abgelagerter Müll ist ein Problem. Neulich habe er im Bereich Dessau neun Flachbildschirme im Wald gefunden. Auch Autoteile, Asbest oder Möbel tauchen häufig im Grünen auf. Das werde dann notiert und dem Landkreis gemeldet, der sich dann um die Abholung kümmere. Die Holzernte, erzählt er, werde meist ausgeschrieben und an Fachfirmen vergeben. Wegen der Schäden sei zuletzt deutlich mehr Holz geerntet worden als sonst, aber meist war es von minderwertiger Qualität.

Bei allen schlechten Nachrichten gibt es im Revier aber auch Positives: Zum Beispiel eine Abteilung, in der der Hirschkäfer, der Eichenbock und der Eremit in großer Zahl vorkommen. Das sind geschützte Käferarten - teilweise mit politischer Sprengkraft. Der Eremit, auch Juchtenkäfer genannt, ist jener Käfer, der das Bauprojekt Stuttgart 21 ins Wanken brachte. In zwei Bäumen über dem geplanten unterirdischen Bahnhof waren just solche Käfer gefunden worden, die Arbeiten wurden vorerst gestoppt. Im Revier von Andreas Mai wird bestimmt kein unterirdischer Superbahnhof gebaut. Da haben die Käfer ihre Ruhe.