Aufforstung gestartet

Über 65.000 kleine Kiefern wurden im Diebziger Ochsenbusch gepflanzt - Doch die Sorgen bleiben

Von Doreen Hoyer
Revierförster Peter Fritzsching zeigt die neu aufgeforsteten Kiefern im Ochsenbusch.
Revierförster Peter Fritzsching zeigt die neu aufgeforsteten Kiefern im Ochsenbusch. (Foto: Ute Nicklisch)

Diebzig/MZ - Peter Fritzsching biegt ein paar hohe Gräser zur Seite. Dazwischen kommen junge Kiefern zum Vorschein. Die zarten Bäumchen sollen die Zukunft des Ochsenbusches sein. 65.200 Stück wurden im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 in diesem Teil des Diebziger Busches gepflanzt auf einer Fläche von knapp 13 Hektar. Sie sollen die vielen abgestorbenen Bäume ersetzen, die hier in den vergangenen Jahren verschwunden sind.

Fritzsching ist Revierförster für das Gebiet Mittlere Elbe im Forstbetrieb Anhalt. Seit den 1990er Jahren ist er auch für den Diebziger Busch verantwortlich. Eigentlich, erzählt er, fahre man eher eine Strategie, nach der mit fünf verschiedenen Baumarten aufgeforstet werde. Aber im Ochsenbusch sei der Boden eben sehr sandig, darum die Kiefern. „Andere Baumarten haben hier kaum eine Chance.“

Aufforstung ist mit viel Aufwand und einigen Kosten verbunden

Die Aufforstung ist dabei durchaus mit Aufwand und Kosten verbunden: So werden für Räumen und Pflügen pro Hektar 700 Euro fällig. Die Pflanzen selbst kosten pro Hektar 700 Euro, dazu 900 Euro für den Vorgang des Pflanzens. Und damit besagte Gräser die Mini-Kiefern nicht überwuchern, muss die Fläche auch gepflegt und gemäht werden - weitere 500 Euro pro Hektar.

Etwas weiter, am Waldrand, gibt es auch einen Streifen mit jungen Eichen. Die wurden vor etwa zehn Jahren gepflanzt - auch hier als Ersatz für den alten Eichenstreifen, in dem viele Bäume abgestorben sind. Um die Bäume vor Verbiss durch Rehwild zu schützen, sind sie ummantelt. Das gebe gleich noch eine Art Gewächshauseffekt, so Fritzsching: Durch den Schutzmantel wird es wärmer und es wird mehr Feuchtigkeit gehalten.

Apropos Feuchtigkeit: Im Vergleich zu den Vorjahren gab es in diesem Frühjahr und bislang auch in diesem Sommer mehr Niederschläge. Das freut natürlich Wald und Förster. „Trotzdem ist der Grundwasserspiegel noch lange nicht wieder auf dem Niveau wie vor der Trockenheit ab 2018“, sagt Fritzsching. Auch da wieder spielt der sandige Boden eine Rolle, der das Wasser schlecht halten kann.

Am Rand des Ochsenbusches gibt es einen Eichengürtel.
Am Rand des Ochsenbusches gibt es einen Eichengürtel.
(Foto: Nicklisch)

Und natürlich sind von Trockenheit geschwächte Bäume anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. So hatte speziell bei den Kiefern im Ochsenbusch der Pilz Diplodia zugeschlagen (die MZ berichtete). Den werde man auch nicht so schnell wieder los, sagt Fritzsching. „Der Pilz ist noch da, aber die Ausbreitung hat sich verlangsamt. Das liegt aber auch daran, dass viele Bäume, die anfällig waren, inzwischen einfach schon weg sind.“

In anderen Gegenden des Diebziger Busches verursacht ein anderer Pilz das sogenannte Eschentriebsterben, dessen Namen ziemlich selbsterklärend ist. Ahornbäume sind von der Rußrindenkrankheit geplagt. Und so kommt es, dass es nicht nur im Ochsenbusch, sondern auch in anderen Teilen des 370 Hektar großen Diebziger Busches immer mehr lichte Stellen gibt. Und je mehr lichte Stellen es gibt, desto schneller trocknet der Wald aus.

„Das Bild des Waldes ist inzwischen ein ganz anderes“, sagt der 55-Jährige. Ihm falle aus dem Stehgreif keine heimische Baumart ein, der es unter den klimatischen Bedingungen der vergangenen Jahre so richtig gut gehe.

Der derzeitige Zustand mache eigentlich intensivere Eingriffe nötig. Um den früheren Zustand wieder herzustellen, müsste totes Holz in größerem Rahmen entfernt werden, um dann aufzuforsten. Aber Naturschutzverordnung und Bürokratie setzen da Grenzen. So findet alle zehn Jahre die sogenannte Forsteinrichtung statt - eine Art Waldinventur. Die letzte für den Diebziger Busch war 2014, also noch vor der akuten Trockenheit. Deren Ergebnisse sind aber noch heute gültig, aktualisiert werden sie erst 2024.

Auch sonst kann man im Busch natürlich nicht einfach schalten und walten, wie man will: Holzeinschlag zum Beispiel ist aus Naturschutzgründen erst wieder ab September möglich und muss mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Biosphärenreservatsverwaltung abgestimmt werden.

Auch viele große Laubbäume sind abgestorben.
Auch viele große Laubbäume sind abgestorben.
(Foto: Nicklisch)

Und mancher Pfad mag aktuell ziemlich zugewuchert sein. Aber das liege nicht daran, dass man sich nicht kümmere, so Fritzsching, sondern sei der Schutzgebietsverordnung geschuldet, nach der die Wege frühestens ab September gemulcht werden können. Für diesen Herbst und das kommende Frühjahr ist übrigens auch geplant, in Ortsnähe einen neuen Waldaußenrand mit einer Kraut- und Strauchschicht anzulegen.

Trendwende nicht in Sicht - Schäden sind nicht so schnell wieder wettzumachen

Insgesamt, sagt der Revierförster, sehe der Diebziger Busch heute ganz anders aus als in den 1990ern, als er ihn als Förster übernahm. Leider. Er sei wohl Teil der ersten Förstergeneration seit langem, die ihre Reviere in schlechterem Zustand abgeben werden, als sie sie damals bekommen haben. Das ist ihm erkennbar nicht einerlei. „Man trägt ja schließlich Verantwortung“, sagt der 55-Jährige. Er hat zwar noch einige Jahre bis zum Ruhestand. Aber die werden nicht reichen, um die Schäden wieder wett zu machen, sagt Peter Fritzsching.