Kamera zu verschenken

Technik-Wettbewerb: Kann 19-Jährige aus Aken mit ihren Bildern und Ideen auch einen Profi überzeugen?

Die 19-jährige Akenerin Luisa Höppner will eine Dokumentation über die Wiederansiedlung der Großtrappe filmen - und eine Profiausstattung gewinnen.

Von Sylke Hermann Aktualisiert: 27.01.2022, 17:37
Luisa Höppner begeistert sich für Naturfotografie. Mit ihrer Idee, den schwersten flugfähigen Vogel der Welt zu filmen, könnte sie durchstarten.
Luisa Höppner begeistert sich für Naturfotografie. Mit ihrer Idee, den schwersten flugfähigen Vogel der Welt zu filmen, könnte sie durchstarten. (Foto: Ute Nicklisch)

Aken/MZ - Wenn Luisa Höppner von ihrem aktuellen Herzensprojekt erzählt, leuchten ihre Augen. Sie würde diesen Preis so gern gewinnen, diese fantastische Kamera, die sich die 19-Jährige vermutlich niemals leisten könnte – und mit der so vieles möglich wäre.

Wie gesagt: Sie will gewinnen. Aber die angehende Lehrerin für Sport und Biologie aus Aken an der Elbe ist viel zu bescheiden, um diese Chance tatsächlich als realistisch einzuschätzen. Obwohl: Noch ist nichts entschieden. Noch ist Robert Marc Lehmann dabei, die Bewerbungsvideos zu sichten.

Wettbewerb für jungen Menschen, „die die Welt verändern wollen“

Robert Marc Lehmann ist Meeresbiologe, Forschungstaucher, Umweltschützer, Abenteurer – und Fotograf. Im Herbst vergangenen Jahres kommt er auf die Idee, seine exklusive Kameraausrüstung zu verschenken. Ursprünglich will er sie verkaufen, doch als das nicht von Erfolg gekrönt ist, weil ihn potenzielle Interessenten mit Fünf-Euro-Angeboten für die mehrere Tausend Euro teure Technik offensichtlich veralbern wollen, macht er daraus einen Wettbewerb. Er macht daraus „Die Chance Eures Lebens“.

Luisa Höppner, die sich erst seit gut einem Jahr intensiv mit Naturfotografie beschäftigt, sieht den Aufruf im Netz und sagt sich: „Man kann’s ja mal probieren.“ Denn: „Das ist eine richtig, richtig geile Kamera.“ Fehlt nur noch ein Projekt, das sich als Bewerbungsvideo eignet und Robert Marc Lehmann „im Herzen berührt“. Das ist seine Bedingung. Neben der Altersbegrenzung von 25 Jahren. Er will jungen Menschen, „die die Welt verändern wollen“, eine Chance bieten, weil er in dem Alter auch nur davon träumen konnte, mit einer solchen Ausstattung unterwegs zu sein.

Der Wiedehopf hat Beute gemacht: eine Spitzmaus.
Der Wiedehopf hat Beute gemacht: eine Spitzmaus.
(Foto: Luisa Höppner)

Luisa Hopper will eine mehrteilige Dokumentation über die Wiederansiedlung der Großtrappe im Zerbster Raum drehen

Tatsächlich findet Luisa Höppner, die Mitglied im Ornithologischen Verein Aken ist, ein Projekt, das nicht nur sie selbst, sondern hoffentlich auch Robert Marc Lehmann begeistert. Sie will eine mehrteilige Dokumentation über die Wiederansiedlung der Großtrappe im Zerbster Raum drehen.

Mit bis zu 16 Kilo ist die Großtrappe der schwerste flugfähige Vogel weltweit. Bei jüngsten Bestandsaufnahmen sind in der gesamten Bundesrepublik lediglich 347 Tiere gezählt worden. Die Art ist vom Aussterben bedroht. „1973 hat die Großtrappe das letzte Mal im Altkreis Köthen gebrütet und Mitte der 1980er Jahre ist sie dann auch in Zerbst verschwunden“, hat Ingolf Todte recherchiert. Als Mitarbeiter der Vogelschutzwarte in Steckby begleitet er das geplante Wiederansiedlungsprojekt und ist stolz, dass sich Luisa Höppner für das Thema interessiert.

Wiedehopf mit Spitzmaus oder Bienenfresser mit Libelle – „das ist der Hammer“

Die Großtrappe könnte die junge Naturfotografin in mehrfacher Hinsicht herausfordern. Denn der Vogel sei extrem scheu. Ihn mit der Kamera einzufangen, eine echte Meisterleistung, weiß sie. Aber mit einer Top-Kamera könnte es gelingen, kokettiert sie. Außerdem ist ihr bekannt, dass Robert Marc Lehmann die Großtrappe cool findet. Den Eisvogel oder Wiedehopf ins Zentrum ihrer Reportage zu stellen, „das wäre zu einfach“. Einfach nicht spektakulär genug, glaubt sie.

Ein Bienenfresser mit Libelle
Ein Bienenfresser mit Libelle
(Foto: Luisa Höppner)

Kein Vergleich zur Großtrappe, deren Wiederansiedlung in Anhalt-Bitterfeld für eine immense Aufmerksamkeit sorgen werde und dazu beitragen könne, die Art zu erhalten. Dass sie mit ihrem knapp fünfminütigen Bewerbungsvideo ins Schwarze getroffen hat, zeigt die Reaktion des Youtubers, der von ihrem Vorhaben ziemlich angetan ist („richtig toll“). Und von ihren Fotografien: Wiedehopf mit Spitzmaus oder Bienenfresser mit Libelle – „das ist der Hammer“, kommentiert er die Bilder und sagt: „Ich bin ultraneidisch – im positiven Sinne.“

Luisa Höppner hofft nun, dass sie Robert Marc Lehmann mit ihrem Großtrappen-Projekt berührt hat

Luisa Höppner hofft nun, dass sie Robert Marc Lehmann mit ihrem Großtrappen-Projekt berührt hat. Das ist schließlich seine Bedingung gewesen. Nur diese Ideen schaffen es in die engere Auswahl.

Der schwerste flugfähige Vogel der Welt: die Großtrappe
Der schwerste flugfähige Vogel der Welt: die Großtrappe
(Foto: Peter Ibe)

Rund 130 Bewerbungen sind eingegangen. Starke Konkurrenz für die neugierige Naturfotografin, die sich erst nach dem Abitur ihre erste richtige Kamera gekauft hat. Nicht vorstellbar, welche Qualität sie mit dem Profigerät liefern könnte. Doch sie versichert, das Projekt in Zerbst auf jeden Fall zu begleiten – zur Not mit ihrer eigenen, bescheidenen Kameraausrüstung. Aber noch hat sie den Sieg nicht abgeschrieben.