Rundgang durch Merzien

Rundgang durch Merzien: Das Dorf hat sich über Jahre eine Frischzellenkur verordnet

Merzien - Ein Rundgang durch Merzien zeigt: Das Dorf hat sich über Jahre hinweg eine Frischzellenkur verordnet und arbeitet weiter an seiner Attraktivität.

Von Matthias Bartl 03.08.2019, 12:00

„Ein paar Minuten können wir noch warten“, sagt Adolf Tauer. Warten auf Einwohner des Ortes, die sich mit Ortsbürgermeister Tauer und der MZ auf den Weg durch den Ort machen könnten, um einen Blick darauf zu werfen, wo sich Merzien gut entwickelt hat und wo nicht. Zum Termin hat sich lediglich Petra Wolfram am Treffpunkt Gemeindehaus eingefunden.

„Das deute ich mal so, dass die Leute insgesamt zufrieden damit sind, wie Merzien aussieht“, sagt Adolf Tauer. Die Zahl der Stimmen, die er bei der Wahl zum Ortschaftsrat erhalten hat, stützt diese These.

Und tatsächlich kann man in Merzien mehr Licht als Schatten finden - und die Mängel, die Tauer sieht, sind oft von der Art, die kein Ortsbürgermeister beseitigen kann. Merzien hat keinen eigenen Haushalt, immerhin aber dank eines klug ausgehandelten Eingemeindungsvertrages mit Köthen mehr Mittel zur Verfügung als andere Ortsteile der Kreisstadt.

Der Kirchturm von Merzien hatte vor der Wende seine Turmspitze verloren

Merzien hat seine Chancen gut genutzt. Vor 29 Jahren - so lange ist Adolf Tauer im Ortschaftsrat, seit 20 Jahren ist er Ortsbürgermeister - hatte das Dorf kaum vernünftige Fußwege, „sondern jede Menge Schotter“. Und auch eine Straßenentwässerung gab es nicht, inzwischen schon. Der Kirchturm hatte vor der Wende seine Turmspitze verloren.

Nach der Wende hat man sie wieder aufsetzen lassen. Nicht weit entfernt vom Gemeindehaus findet sich ein hübsch gestalteter kleiner Platz - „früher war hier ein Jaucheloch“, erinnert sich Adolf Tauer, der als gebürtiger Merziener Vergleiche ziehen kann zwischen einst und jetzt.

Und der besonders würdigt, wie das Engagement der Bürger dazu beigetragen hat, das Dorf immer ansehnlicher werden zu lassen. Da könne der Ortschaftsrat und dessen Chef nur Hilfe leisten, „und das machen wir dann auch, wenn sie benötigt wird“. Ein nachhaltiges Beispiel für die Dorfentwicklung durch privates Engagement zeigt sich an der Alten Schäferei. Das einst heruntergekommene Terrain ist von einem Ortsansässigen gekauft worden und wird nach und nach mit Einfamilienhäusern bebaut, von denen die ersten schon stehen. Die Konturen der neuen Erschließungsstraße deuten schon jetzt an, wo es mit dem Wohnungsbau weitergehen wird.

Petra Wolfram vermisst einen kleinen Tante-Emma-Laden für den keinen Einkauf im Ort

Freilich gibt es genug Punkte, mit denen sich Adolf Tauer noch herumschlagen muss. Die Fassade des Gemeindehauses müsste in Angriff genommen werden. Ärgerlich ist, dass man mit der Hausruine direkt an der Ortsdurchfahrt nicht weiterkommt, weil der Eigentümer sich hartleibig zeigt. Und ärgerlich ist auch der Zustand des Teiches in der Wasserstadt. „Den haben wir 2001 total saniert, alles rausgeholt, die Ufer neu gemacht. Jetzt bekommt er vom Landgraben kein Wasser mehr.“ Dagegen ist freilich wenig zu tun, aber Tauer will wenigstens, dass das Totholz im Teich entfernt wird.

Manche änderungswürdigen Dinge kommen einem erst mit der Zeit zu Bewusstsein. So will der Ortschaftsrat wieder dazu übergehen, dass die Straßen im Dorf künftig wieder per Maschine gereinigt werden und nicht mehr von Hand der Hausbewohner. Mittlerweile haben viele Merziener ein Alter erreicht, wo es schwerfällt per Hand zu fegen, „da ist eine Kehrmaschine, die regelmäßig durchfährt, für das Aussehen des Dorfes sinnvoller“, sagt Tauer.

Petra Wolfram ist da skeptisch. Vor zehn Jahren, als schon einmal per Maschine gereinigt wurde, sei das teilweise nur nachlässig geschehen. „Anders, als wenn wir selbst fegen“, sagt sie. Außerdem vermisst sie einen kleinen Tante-Emma-Laden im Ort, wo man schnell mal einen kleinen Einkauf erledigen kann. Das hatte man schon, sagt der Ortsbürgermeister, aber es habe sich für den Betreiber eben nicht rentiert.

Ein Schmuckstück von Merzien ist der Sportplatz

Ein Schmuckstück des Ortes ist auch der Sportplatz. Was nicht zuletzt an Gerald Trenner liegt, dem Platzwart. Trenner, 69 Jahre alt, ist seit 13 Jahren für den Zustand der Sportstätte zuständig. „Ich bin jeden Tag hier draußen. Rasenmähen, Düngerstreuen, Sprenger anstellen.“ 2020 will Trenner aufhören. Das solle er sich noch mal überlegen, sagt Tauer. Er habe schließlich auch nicht aufgehört.

Tauer ist überzeugt davon, dass der neue Ortschaftsrat, in dem Merziener und ein Hohsdorfer sitzen, gute Arbeit leisten wird. Einen Wermutstropfen gibt es aber schon: „Es ist schade, dass diesmal niemand aus Zehringen im Ortschaftsrat ist.“ Dass die Ortsteile des Ortsteils ihre kommunalen Ansprechpartner haben, hält Adolf Tauer, der auch einige Legislaturperioden im Köthener Stadtrat saß, für wichtig. „Nur so erfährt man, wo die Bürger wirklich der Schuh drückt.“ (mz)