Diebe brechen bei Stadtverwaltung ein

Diebe brechen bei Stadtverwaltung ein: Hunderte Ausweise in Köthen gestohlen

Köthen - Es ist ein Verbrechen, das einzigartig sein dürfte in der Geschichte der Kreisstadt Köthen. „Eine sehr, sehr traurige Geschichte“, wie Oberbürgermeister Bernd Hauschild am Dienstagnachmittag sagte. Am Wochenende sind Unbekannte in die Räume der Stadtverwaltung in der Wallstraße ...

Von Doreen Hoyer
Aufgang 3 führt zur Einwohnermeldestelle: Hier schlugen am vergangenen Wochenende Diebe zu.

Es ist ein Verbrechen, das einzigartig sein dürfte in der Geschichte der Kreisstadt Köthen. „Eine sehr, sehr traurige Geschichte“, wie Oberbürgermeister Bernd Hauschild am Dienstagnachmittag sagte. Am Wochenende sind Unbekannte in die Räume der Stadtverwaltung in der Wallstraße eingebrochen.

Sie erbeuteten einen Panzerschrank, in dem laut der stellvertretenden Bürgermeisterin Stephanie Behrendt „mehrere hundert“ neue Ausweise und Pässe lagen. Die Einbrecher ließen auch technische Geräte mitgehen, darunter einen Drucker und zwei Fingerabdruckscanner.

Die braucht man, um neue Dokumente zu erstellen. Es sei „nicht auszuschließen“, so Behrendt, dass die Täter die Geräte nutzen, um nun selbst Papiere herzustellen. Zumindest bei vorläufigen Ausweisen wäre das wohl möglich.

Aus der Tiefgarage stahlen die Täter zudem ein Auto der Stadt

Aus der Tiefgarage stahlen die Täter zudem ein Auto der Stadt: einen schwarzen Nissan Tiida, Kennzeichen ABI - VE 80. Dienstbekleidung des Ordnungsamtes fehlt ebenfalls. Die Diebe hätten „vom ersten Stock bis unter das Dach“ alles durchsucht, so Behrendt - sogar Kaffee der Mitarbeiter ließen sie mitgehen.

Er könne nicht sagen, ob es den Tätern gelungen sei, den 730 Kilo schweren Panzerschrank aufzubrechen, so Hauschild. „Wir wissen nur, dass er weg ist.“ Und dass die Täter einen Griff des Safes entfernt haben - wohl, weil er im Weg war. Ein Behälter mit abgelaufenen Ausweisdokumenten war für die Diebe wohl nicht von Wert. Er wurde später in der Bärteichpromenade gefunden.

Den Besitzern der gestohlenen Ausweise und Pässe habe er einen Brief geschrieben, so der OB. In diesem Brief entschuldigt sich Hauschild persönlich und warnt die Betroffenen. „Seien Sie vorsichtig und aufmerksam.“ Wer Anzeichen für Identitätsdiebstahl bemerke - etwa neu abgeschlossene, unbekannte Verträge - solle die Polizei informieren.

Mit der Lagerung im Panzerschrank seien die Sicherheitsvorschriften erfüllt gewesen

Die Polizei habe den Sachverhalt aufgenommen, so Hauschild. Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes und die Bundesdruckerei seien im Bilde. Beim Bundesverwaltungsamt hätten die entwendeten Papiere inzwischen den Status „gestohlen“, so Behrendt. Damit werde automatisch die Ausschreibung zur Fahndung veranlasst.

Details, wie die Täter ins Haus kamen, wollte Hauschild mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen. Nur so viel: Eine Alarmanlage gibt es nicht. Auch keine Überwachungskameras, die etwa auf den Tresor gerichtet wären. „Das war bisher nicht nötig“, so der Oberbürgermeister.

Mit der Lagerung im Panzerschrank seien die Sicherheitsvorschriften erfüllt gewesen. Eine Überwachungskamera in der Nähe sei auf einen Einzahlautomaten gerichtet. „Zu dem hat sich aber niemand vorgewagt.“

Derzeit könne die Einwohnermeldeabteilung keine neuen Ausweisunterlagen ausstellen

Eine Gesamtsumme des Sachschadens konnte am Dienstagnachmittag noch niemand nennen.

Derzeit könne die Einwohnermeldeabteilung keine neuen Ausweisunterlagen ausstellen, so der OB weiter. Es fehlt die Technik. Wann die neue Hardware da sei, könne er noch nicht sagen.

Sobald die Technik ersetzt ist, werden sich die Betroffenen, deren Papiere gestohlen wurden, einen neuen Ausweis oder Pass ausstellen lassen müssen. Dafür sollen keine neuen Gebühren erhoben werden. In besonders dringenden Fällen wolle man jetzt versuchen, in Zusammenarbeit mit anderen Behörden vorläufige Dokumente auszustellen. Führungszeugnisse, Meldebescheinigungen und Auskünfte können weiter erteilt werden.

Wegen der gestohlenen Ordnungsamtsbekleidung warnt die Stadt: Bürger sollten misstrauisch sein, wenn Ordnungsamtsmitarbeiter zum Beispiel an ihren Türen klingeln. „Verlangen Sie auf jeden Fall einen Ausweis“, so Hauschild. Bürger, die in der Wallstraße etwas Verdächtiges beobachtet haben oder die vielleicht das gestohlene Auto gesehen haben, werden gebeten, dies der Polizei zu melden.

››Wer dringend vorläufige Dokumente braucht, kann eine Mail schreiben an meldebehoerde@koethen-stadt.de. (mz)