Millionen-Projekt in Köthen

Deutliches Votum für einen Neubau der Ratke-Schule - Welche Änderungsanträge es gibt

Von Karl Ebert
Der Sozial- und Kulturausschuss hat für einen Neubau der Grundschule „Wolfgang Ratke“ gestimmt.
Der Sozial- und Kulturausschuss hat für einen Neubau der Grundschule „Wolfgang Ratke“ gestimmt. (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ - Die Debatte im Sozial- und Kulturausschuss der Stadt Köthen zog sich, alle Fraktionen beteiligten sich und selbst für die Leitung der Grundschule „Wolfgang Ratke“ war klar: Auf Dauer hilft uns nur ein Neubau. Und dieses Votum fiel mit acht Ja-Stimmen bei einer Enthaltung und null Gegenstimmen auch deutlich aus.

Aber am eingebrachten Vorschlag der Verwaltung zu einer Grundsatzentscheidung zwischen Sanierung oder Neubau hatten die Mitglieder des Sozial- und Kulturausschusses doch noch einiges anzumerken. Und das fand dann in zwei Anträgen auch die entsprechende Zustimmung.

Stadtrat muss entscheiden - Änderungsantrag hatte Erfolg

Ursprünglich sah die Vorlage den am Donnerstag tagenden Bau-, Sanierungs- und Umweltausschuss (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) vor. Doch der Fraktion SPD/Wählerliste Sport war die Investitionssumme sowohl für Neubau (16,7 Millionen Euro) als auch für eine Sanierung (18,2 Millionen Euro) so hoch, dass sie eine Beratungsfolge bis hin zum Stadtrat beantragte und damit auch Erfolg hatte.

„Das sind jetzt schon enorme Summen. Und bis es zur Umsetzung kommt, müssen wir aufgrund der explodierenden Baupreise wahrscheinlich fast noch einmal die Hälfte der geplanten Kosten hinzurechnen. Das ist für mich eine Größenordnung, über die eindeutig eine Entscheidung im Stadtrat fallen muss“, begründete Steffen Reisbach seinen Antrag. Mit sieben Mal Ja bei zwei Enthaltungen liegt die Entscheidung nun beim Stadtrat, der das nächste Mal am 21. September zusammen kommen wird.

Fakt ist schon jetzt: „Weder Sanierung noch Neubau können wir ohne Fördermittel finanzieren. Schon gar nicht aus dem laufenden Haushalt“, erklärte Baudezernentin Ina Rauer. Als dann auch der Antrag der CDU-Fraktion, nach Standort-Alternativen im nahe liegenden Bereich zum aktuellen Standort zu suchen, mit sechs Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen eine deutliche Mehrheit fand, war klar, dass beim Punkt Finanzen noch erheblicher Gesprächsbedarf besteht.

Denn die Abstimmung zum Standort hatte tiefere Gründe. So bemängelte beispielsweise Stadtrat Steffen Reisbach, dass die geplante Errichtung einer Einfeld-Sporthalle nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen würde. „Warum bauen wir nicht eine barrierefreie Zweifeldhalle? Wenn wir einmal viel Geld in die Hand nehmen müssen, dann auch richtig“, sagte er. Fällt eine Entscheidung für eine Zweifeldhalle, wird es zum einen mit dem vorhandenen Platz echt eng. Und, wie Ina Rauer einwendete: „Für eine Zweifeldhalle müssten wir sehr viel Geld in die Hand nehmen, denn die wird nicht gefördert.“

Neuer Standort für die Schule muss groß sein

CDU-Stadtrat Georg Heeg monierte, dass vier Parkplätze für 20 Lehrkräfte entschieden zu wenig seien, war ebenfalls für eine größere Sporthalle und stellte die Frage nach dem Zeitplan, an die sich logischerweise jene nach einem alternativen Standort anschloss. Bernd Thürmer vom IGA Ingenieurbüro Köthen, der die Varianten Neubau und Sanierung für die Verwaltung erarbeitet und durchgerechnet hatte, machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass ein neuer Standort mindestens 8.000 Quadratmeter groß sein müsste, und eine Zweifeldhalle aus einer Sicht „unverhältnismäßig“ sei.

Zum Zeitplan - und da rechnete auch die MZ in ihrem ersten Beitrag über dieses Projekt viel zu optimistisch - gab Oberbürgermeister Bernd Hauschild Aufschluss. „Wir werden auf keinen Fall 2022 mit dem Neubau beginnen. Fachleute berechnen die Vorbereitungszeit mit neun Monaten, den Abriss mit dem gleichen Zeitraum und dann eine Bauzeit von zwei bis zweieinhalb Jahren“, sagte Hauschild.

In dieser Zeit müssten die Grundschüler in das ehemalige Gymnasium Rüsternbreite umziehen, welches derzeit noch von den Schülern der Sekundarschule „Völkerfreundschaft“ belegt ist.