„Blankoscheck“ für Bachfesttage

„Blankoscheck“ für Bachfesttage : Stadtratsfraktionen äußern sich zum Vorgehen des OB

Köthen - Die Stadt hat dem Landkreis einen „Blankoscheck“ ausgestellt, falls die Veranstaltung Minus macht. Was die Stadtratsfraktionen dazu sagen.

Von Karl Ebert 22.06.2018, 14:54

Die Bachfesttage vom 26. August bis 2. September haben einen ausgeglichenen Etat und können somit stattfinden. Dennoch hat der „Blankoscheck“, den OB Bernd Hauschild dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld ausgestellt hat, damit auch der seinen finanziellen Beitrag leistet, für Diskussionen gesorgt. Hauschild hatte dem Landkreis versichert, dass die Stadt als einziger Gesellschafter der Bach-Gesellschaft für alle Defizite der Festtage gerade stehen würde - und dazu auch verpflichtet ist.

In den Fraktionen des Stadtrates wurde dieses Thema im übertragenen Sinne „ein heißer Renner kurz vor der Sommerpause“ - sprich umfassend diskutiert. Mit einer Ausnahme waren sich alle einig: Die Bachfesttage gehören zu und nach Köthen, aber nicht um jeden Preis. Nahezu euphorisch ist Kerstin Beutler (SPD), die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

„Folkert Uhde ist das Beste, was der Stadt Köthen passieren konnte“, sagt Beutler, die zugleich im Vorstand der Bach-Gesellschaft sitzt. „Er zieht ein neues Publikum an, bietet neue Formate an und bringt die Bachfesttage damit in die Neuzeit. Man muss neuen Leuten auch einmal Luft gönnen und nicht alles schlecht reden. Ich bin sicher, dass wir die 60.000 Euro Eigenmittel dieses Mal schaffen werden.“

FDP-Fraktionschef Uwe Schönemann: „Erst einmal muss der Fakt eines Defizits eintreten, dann wird der Stadtrat dazu einen Beschluss fassen“

Auch FDP-Fraktionschef Uwe Schönemann betont, dass man daran interessiert sei, die Bachfesttage zu erhalten und man habe deshalb auch schon überfraktionell Kontakt aufgenommen. Dennoch müssten sich einige Dinge ändern. „Erst einmal muss der Fakt eines Defizits eintreten, dann wird der Stadtrat dazu einen Beschluss fassen“, sagt Schönemann. Vielmehr müsse es doch darum gehen, dass sich 2016 nicht wiederholt.

„Die Stadt als Gesellschafter muss in der Bach-Gesellschaft so aktiv werden, dass gar nicht erst ein Defizit entsteht. Köthen ist klamm und in der Konsolidierung. Die Finanzierung der Bachfesttage ist eine freiwillige Aufgabe.“ Zudem sollte der Gesellschafter Stadt auch dem Intendanten auf die Finger schauen, wenn es um die Programm-Auswahl geht. „Folkert Uhde hat das Stammpublikum mit neuen Konzepten verprellt. Wenn ich behutsam rangehe und zwei von 15 Konzerten modifiziere, ist das in Ordnung. Aber umgekehrt nicht“, erklärt Schönemann.

Ronald Maaß (Linke) findet, dass es Uhde „doppelt schwer hat“. „Er war neu, er hat das Programm verändert, aber die Zahlen stimmen nicht. Wie geht er damit um“, fragt Maaß. Wenn die Stadt Köthen sich als Bachstadt verstehe, dann dürfe sie die Bachfesttage auch nicht gleich schnell den Bach runtergehen lassen. „Die Stadt hat die verdammte Pflicht, für das Bach-Erbe etwas zu tun. Ich hoffe, dass wir mit der KKM und einem aufgemöbelten Schloss wieder eine bessere Ausstrahlung hinbekommen“, so Maaß. „Vielleicht ist es auch eine Überlegung, mit kleinerem Haushalt anzutreten und dafür noch woanders Mittel zu akquirieren.“

Bürgerinitiative Anhalt-Köthen / Freie Wähler sowie die AfD kritisieren Vorgehen der Stadt

Für die Bürgerinitiative Anhalt-Köthen / Freie Wähler stimmt die Struktur nicht. „Wir haben eine KKM. Da brauchen wir keine Bach GmbH und keinen Intendanten. Ich bin dafür, alles in die KKM zu integrieren“, sagt der Fraktionschef Steffen Reisbach. Die Stadt sei Gesellschafter und ziehe die Bachfesttage gnadenlos für billiges Entertainment durch. „Ich weiß nicht, wie der Oberbürgermeister ein Defizit mit einem nicht genehmigten Haushalt ausgleichen will. Er ist ja letztes Mal im Stadtrat schon fast Amok gelaufen. Sollte er es ohne genehmigten Haushalt wieder durchziehen wollen, werden wir uns nicht scheuen, die Kommunalaufsicht einzuschalten“, erklärt Reisbach.

In das gleiche Horn stösst die AfD, die allerdings nicht im Stadtrat vertreten ist. Es müsse in Köthen an allen Ecken und Enden gespart werden. Selbst das stille Örtchen an der Bärteichpromenade sei wegen 6.500 Euro dem Sparzwang zum Opfer gefallen. Es gebe keine Mittel für Kitas, Schulen oder ähnliches, behauptet eine Pressemitteilung der Partei. „Wir freuen uns auf den Tag, an dem Köthen in das goldene Licht des Geldes gehüllt ist, das unser Hauptverwaltungsbeamter bereits zu sehen scheint.“

Bedauerlicherweise gelang es der MZ nicht, mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU, Roland Schulte Varendorf, über das Thema zu sprechen. Schulte Varendorf wollte sich dazu nach der Sitzung des Hauptausschusses äußern, war aber nicht mehr erreichbar. (mz)

Köthens OB Bernd Hauschild hat sich auf der Hauptausschusssitzung des Stadtrates hinter Uhde und die Bachfesttage gestellt. Die Inhalte in dem MZ-Beitrag zur Finanzierung der Festtage gingen an der Realität vorbei.

Hauschild bezifferte das Defizit 2016 nicht auf 68.000 Euro, sondern auf 45.000 Euro. Den Fehlbetrag habe man bis auf 5.000 Euro abschmelzen können - durch Zahlungen der Stadt und weil Uhde weitere Sponsorengelder geworben habe. Hinsichtlich des Blankoschecks verwies der OB auf die Nachschusspflicht der Stadt als einziger Gesellschafterin. (mz/mb)