Zum Verwechseln ähnlich

Zum Verwechseln ähnlich: Pilzexperte aus Hohndorf warnt vor giftigen Karbol-Champignons

Hohndorf - Bernhard Klepel war lange Zeit Pilzberatet und hat Tipps für Sammler im Altkreis Jessen.

Von Detlef Mayer

„Es soll Pilze geben“, sagt Bernhard Klepel mit abwägendem Blick. Er habe das von verschiedenen Seiten gehört. „Im Norden und Osten vom Altkreis Jessen vor allem, also im Raum Seyda, Linda, Mügeln und Holzdorf, in der Glücksburger Heide auch, ebenso in der Annaburger Heide.“ Dorthin zu fahren zum Pilze sammeln, konnte er sich bis jetzt noch nicht aufraffen.

„Vielleicht sollte ich das mal tun. Bei Linda und Mügeln sollen gerade viele Pfifferlinge wachsen. Doch in unserer Ecke, in Hohndorf, Prettin und Axien, sieht es bisher schlecht aus.“ Das sei schon im vorigen Jahr so gewesen, berichtet der 62-Jährige im Gespräch mit der MZ.

Was natürlich nicht bedeutet, dass er als profunder Pilz-Kenner leer ausgeht, wenn er durch die nahen Wälder streift. Und das tut der ausgewiesene Naturfreund regelmäßig, oft auch mit seiner Kamera. Aber Pilze in Mengen gebe es in seinem Heimatrevier gerade nicht. Schon wieder nicht. Die Ursachen dafür vermag der Hohndorfer, der vom Ende der 1970er Jahre bis zur Wende als Pilzberater fungierte und in Zweifelsfällen immer noch ein gefragter Ansprechpartner für hiesige Pilzsammler ist, nicht genau auszumachen.

Es könnte, so formuliert er vorsichtig, mit dem Grundwasserspiegel zusammenhängen. „Der ist vielleicht zu niedrig. Es regnet zwar, aber es folgen sofort trockene Phasen mit reichlich Wind. Der nimmt die Feuchtigkeit weg.“

Wehmütig denkt er da an den Spätsommer beziehungsweise Herbst 2001 zurück. Das Jahr vor der Elbeflut 2002 ist ihm wegen seiner Rekord-„Pilzernte“ in Erinnerung geblieben. „Da habe nicht nur ich die Steinpilze - bildlich gesprochen - körbeweise aus dem Wald geholt.“

Pilzexperte rät: Vorsichtig sein und nur Pilze mitnehmen, die der Sammler kennt

Welche Hinweise hat Bernhard Klepel aktuell für die Pilzsammler-Gemeinde parat? Der Mann, der sich vor vier oder fünf Jahren noch mal um eine damals wohl auf kreislicher Ebene ausgeschriebene Pilzberater-Stelle beworben hatte, darauf aber nie eine Antwort erhielt, lächelt: „Die Lieder, die wir immer singen - die Leute sollen vorsichtig sein und nur die Pilze mitnehmen, die sie wirklich kennen.“

Die anderen mögen sie bitte stehen lassen und keinesfalls zertreten, auch keine Fliegen- oder anderen ausgemachten Giftpilze. „Die haben alle ihre Bedeutung in den komplexen Zusammenhängen der Natur, auch wenn man diese nicht immer und nicht ohne weiteres zu erkennen vermag.“

Giftige Karbol-Champignons werden körbeweise gesammelt

Derzeit schleppen Pilzsammler dem Hohndorfer zum Teil körbeweise giftige Karbol-Champignons an. „Dabei sage ich den Leuten immer: Wenn ihr nicht sicher seid, bringt doch erst mal zwei oder drei zum Bestimmen mit und nicht gleich solche Mengen. Sie wollen einfach nicht glauben, dass sie falsche Champignons gesammelt haben.“ Die Verwechslung zwischen dem Karbol-Champignon und seinem genießbaren Pendant, dem Anis-Champignon, nennt Bernhard Klepel die gegenwärtig häufigste Pilz-Verwechslung in der hiesigen Gegend.

Beim Karbol-Egerling oder Karbol-Champignon werden Druck- beziehungsweise Schabestellen zitronengelb, die Farbe verblasst aber nach einiger Zeit, erklärt der Fachmann. Beim Anis-Champignon hingegen färben sich Druck- oder Kratzstellen ockergelb. Diese Farbe bleibt erhalten und der Pilz riecht schön nach Anis. Ganz anders der Gift-Champignon, der riecht einfach unangenehm. „Das kann man nicht miteinander vergleichen.“ Wenn sich jemand dennoch unsicher sei, sollte er ein Stück Pilz in der Hand zerdrücken. „Dann sieht man sehr genau, ob er hellgelb wird oder ocker.“

Eine Vergiftung mit Karbol-Champignons ende nicht unbedingt tödlich, weiß Bernhard Klepel. Doch Durchfall und Erbrechen seien ganz sicher die Folgen. „Auf alle Fälle also eine sehr unangenehme Sache.“ (mz)