Weihnachten in Familie

Weihnachten in Familie: So halten es die Störche mit der Familienidylle

Jessen - Die Weißstörche gelten schon durch ihre Größe als stolze Vögel. Warum sie auch als sehr familiär angesehen werden und dennoch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Von Klaus Adam

Warum nun gerade der Storch der Inbegriff für das Familienglück sein soll - dafür lassen sich teils kuriose Erklärungen finden. Da die Großvögel jährlich mit dem Frühling aus ihren Winterquartieren zurückkehren, werden sie in der Vergangenheit oft als Symbol für das wiedererwachende Leben in der Natur angesehen.

Der Schritt, ihnen auch die „Zustellung“ der Kinder unterzuschieben, ist da wohl nicht sehr groß. Und auch der Fabelname Adebar leite sich aus dem germanischen „auda“ (Glück) und „bera“ (tragen, gebären) ab. Er ist also der Sage nach ein Träger des Glücks.

Für den Geschäftsführer des Storchenhofes in Loburg, Dr. Michael Kaatz, ist die Heimat des imposanten Vogels „dort, wo er sein Brutgeschäft hält“, also in hiesigen Breiten. Und da sind die Störche, bei uns in aller Regel die Weißstörche, durchaus konservativ.

Zwar wollen sie „generell nicht an ihr Schlüpfnest zurück, wohl aber an das, wo sie als erwachsene Tiere schon zu Hause waren“, berichtet der erfahrene „Storchenkundler“. Das heißt auch, wo sie also schon einmal gebrütet haben, erfolgreich oder nicht so erfolgreich, spielt dabei nicht die große Rolle, so Kaatz.

Der Erste wartet

Und - Pluspunkt fürs Familienleben! - „der Storch, der zuerst da ist, wartet auf den Partner“. Nun ist aber so ein Storch halt ein Tier und also instinktgeleitet. Er steht unter dem Druck, sein Brutgeschäft zu erledigen und den Nachwuchs aufzuziehen. Das bringt den Vogel zuweilen dennoch durchaus in eine menschliche Zwickmühle.

Was tun, wenn der Verflossene aus dem letzten Jahr zu lange trödelt? Und ein anderer sich anbietet? Da wird ein Vogel, der sich häuslich niedergelassen hat, einen Partner, der sich anbietet, erstmal nicht zulassen, berichtet Michael Kaatz aus dem Familienleben im wahrsten Wortsinn.

Aber - wir erinnern uns, die biologische Uhr tickt -, „wenn das längere Warten erfolglos ist, dann lässt sich der Storch auch auf einen neuen Partner ein“.

Alles nicht so einfach

Nun ist es aber auch in hiesiger Region schon beobachtet worden, dass der erwartete Partner dann doch noch erscheint und Anspruch auf den „Vollzug der Ehe“ erhebt. Dann kann das durchaus tragisch enden, weiß Michael Kaatz. Denn dann kann es auch zu Rangkämpfen kommen. „Da ist es eher so, dass das Paar, das sich neu gebildet hat, das Nest verteidigt“, so Kaatz.

Und dies umso heftiger, wenn schon Eier oder gar geschlüpfter Nachwuchs darin sind. „Dann kämpfen sie auch sehr energisch.“ Unterm Strich ist es aber so, wie überall: Der Stärkere siegt. Kommt es dann zur „feindlichen“ Übernahme, ist es nicht selten, dass der Sieger die Eier oder gar die Jungen des geschassten Rivalen aus dem Nest wirft.

Ist das geregelt, setzt sich wieder das idyllische Familienleben durch. Beide Partner wechseln sich ab sowohl beim Brüten als auch bei der Futtersuche. „Deshalb ist nie so einfach auszumachen, wer das Männchen ist und wer das Weibchen“, meint der Chef des Storchenhofes. Und auch, wenn Gefahr droht, schützen sie ihr „Haus“ arbeitsteilig.

Es wird aber im Volksmund dabei bleiben: Klappert der Storch auf dem Dach, kommen die Kinder. Eine Internetseite berichtet gar, dass mit dem Sinken der Geburtenzahlen in Niedersachsen zwischen 1970 und 1985 sich auch die Storchenpopulation verringerte. Man verweist aber auch gleich darauf, dass solche Vergleiche wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen sind. Besser, man verlässt sich wohl doch eher auf die althergebrachte Methode. Es sei denn, es klappert auf dem Dach. Wer weiß...? (mz)