Eine Hilfe mit Nebeneffekt

Schüler pflanzen Bäume in Annaburger Heide - Warum sich dies positiv auf ihre Klassenkasse auswirkt

Schüler unterstützen in der Annaburger Heide den Bundesforstbetrieb. Das hat auch positive Auswirkungen auf ihre Klassenkasse und ihre Vorhaben.

Von Sven Gückel 25.11.2021, 10:14
Vor der Pflanzaktion in der Annaburger Heide erklärte Revierförster Thomas Schimmel  Jugendlichen den Aufbau der winzigen Pflanzen, aus denen mal starke Eichen werden sollen.
Vor der Pflanzaktion in der Annaburger Heide erklärte Revierförster Thomas Schimmel Jugendlichen den Aufbau der winzigen Pflanzen, aus denen mal starke Eichen werden sollen. Foto: Sven Gückel

Annaburg/MZ - Um einen wertvollen Dienst an der Natur zu leisten, bedarf es nicht viel. Diese Erfahrung machten unlängst Schüler einer zehnten Klasse. Sie lernen im Philipp-Melanchthon-Gymnasium Herzberg. Auf Anregung der Eltern eines Schülers kontaktierten die Jugendlichen den Bundesforstbetrieb Mittelelbe, der seinen Sitz in Züllsdorf hat, und vereinbarten, im Revier Züllsdorf in der Annaburger Heide eine Pflanzaktion zu leisten.

Klassenleiterin Karla Ratzke war fasziniert von der Idee. Aus zweierlei Hinsicht. Sie bietet den Jungen und Mädchen Gelegenheit, aktiv etwas zur Erholung des Waldbestandes zu tun. Darüber hinaus fließt durch diese Arbeit etwas Geld in die Klassenkasse, was der geplanten Klassenfahrt an den Weissenhäuser Strand nahe Hamburg im nächsten Jahr zugute kommt“, betonte die Biologielehrerin.

Schäden durch Borkenkäfer

Ansprechpartner vor Ort für die Klasse war Thomas Schimmel, der Leiter des für die Pflanzung auserwählten Reviers Züllsdorf. Dessen Fläche umfasst im gesamten 1.700 Hektar, wovon sich die Jugendlichen etwa 2.500 Quadratmeter annahmen. „Der Baumbestand dieses Bereiches musste wegen starker Schädigung durch den Borkenkäfer komplett gefällt werden. Schon im Vorjahr hatten wir die nötigen Voraussetzungen für die Wiederaufforstung geschaffen, was wegen Corona aber nicht umgesetzt werden konnte“, erläuterte Thomas Schimmel. Um so mehr freute er sich, dass die 14 Jugendlichen während ihres Einsatzes schneller vorankamen als gedacht. Insgesamt 3.500 Roteichen brachten sie nach kurzer Lehrunterweisung ins Erdreich. Die noch jungen Bäume sind im Boden kaum zu sehen, sollten sich bei günstigen Wetterbedingungen aber wie geplant entwickeln.

Hilfe dieser Art würde das Forstamt gern öfter in Anspruch nehmen. „Dadurch ergibt sich für uns die Gelegenheit, die Jugendlichen an die Natur heranzuführen und nebenher auch für die Berufsbilder zu werben, die wir ihnen bieten können“, sagte er. Zudem schätze man die praktische Hilfe. Fachkräfte sind rar, auch im Bereich der Forst.

Eine junge Roteiche
Eine junge Roteiche
Foto: Gückel

Fremdfirmen, die vielfach das Aufforsten von Waldflächen übernehmen, sind für kleinere Areale nur noch schwer zu begeistern. „Für sie lohnt sich diese geringe Größe nicht. Um so mehr aber für Schulklassen, zumal die ihre Arbeit nicht umsonst leisten“, verwies er nochmals auf den Geldfluss in die Klassenkasse.

Trotz der für einige ungewohnten körperlichen Arbeit waren die Jugendlichen von ihrem Tun überzeugt. „Das Waldsterben der vergangenen Jahre war hin und wieder auch ein Thema im Unterricht. Ich finde es gut, wenn wir aktiv etwas leisten können, um die entstandenen Schäden zu beheben“, sagte Anna Grey. Auch Neele Böhme ist von dem Projekt restlos überzeugt. „Abgesehen von der Notwendigkeit war es doch mal eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag, den gegenwärtig viele Klausuren bestimmen“, fügte sie an.

Großer Bedarf an Pflanzen

Stürme, starke Trockenheit und Schädlinge haben im Bereich der Annaburger Heide etwa 300 Hektar Wald stark in Mitleidenschaft gezogen, verdeutlichte René Bruschke, Betriebsleiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe. „Etwa die Hälfte davon konnten wir bereits wieder bepflanzen. Für weitere Flächen laufen aktuell die Ausschreibungen“, betonte er. Mancherorts schaffe es die Natur aber auch selbst, sich zu helfen. Dem dient unter anderem eine straffe Bejagung der Heide, so dass auch an den Rändern des Areals neues Pflanzenleben seine Chance erhält.

Angesichts der Probleme des Waldes, die deutschlandweit auszumachen sind, sei es immer schwerer, entsprechende Jungpflanzen zu ordern, berichtete Bruschke. „Der Bedarf ist riesig. Wegen der trockenen Sommer in den letzten drei Jahren fehlt den Baumschulen auch das nötige Saatgut, was sich letztendlich auch auf den Preis niederschlägt“, ergänzte er.