Schülerfirmen in Jessen und Annaburg

Mehr als Ton und Stifte

„Wie können wir den Bekanntheitsgrad unserer Schülerfirma erhöhen? Wie behalten wir den Überblick über unsere Ein- und Ausgaben?“ Diese und weitere Fragen stellten sich die Schüler und Schülerinnen der Sekundarschulen Annaburg und Jessen-Nord, die sich in den Schülerfirmen „Annaburger Töpferbude“ und „FlummyKids“ engagieren. Die Antworten darauf entwickelten sie gemeinsam in zwei verschiedenen Workshops, die in der Jessener Sekundarschule stattfanden.

Von Saskia Hotek

Jessen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Aufgabe der Buchhaltung. Hannes König, der Leiter des Projektes „Junggründerzentrum Sachsen-Anhalt 2.0“, brachte den Schülern die Anwendung der Buchhaltungssoftware „SF-Soft“ bei, die eigens für dieses Projekt entwickelt wurde. Damit haben die Mitarbeiter der Schülerfirmen beispielsweise die Möglichkeit, eine Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen. So können sie am Ende eines Geschäftsjahres den Erfolg ihrer Firma beurteilen.

Die Software wird im Rahmen des Projektes, welches vom Schüler-Institut für Technik und angewandte Informatik SITI e.V. initiiert wurde, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Carola Lindner, pädagogische Mitarbeiterin der Sekundarschule Jessen-Nord, ist mit der Betreuung durch die Projektmitarbeiter des SITI sehr zufrieden. Seit zwei Jahren wird die Software in Jessen verwendet.

Zwei Berater stehen zur Seite

Tatkräftige Unterstützung erhalten die jungen Unternehmer auch vom Projekt „Gründerkids - Schülerfirmen Sachsen-Anhalt“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Magdeburg. Zusammen mit den Schülern befasste sich Victoria Witte, Beraterin dieses Projektes, mit dem Thema der Öffentlichkeitsarbeit. Sie vermittelte ihnen zunächst die theoretischen Grundlagen. In der Gruppe überlegten sie gemeinsam, zu welchen Anlässen die Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtig ist und wie man diese umsetzen kann.

Dazu zeigte Victoria Witte, wie Flyer und Poster designt werden. Nach einer kurzen Einweisung in die kostenlose Anwendung „Canva“ ging es für die Jugendlichen nach der Learning-by-Doing-Methode an die Umsetzung ihrer Ideen. Die Resultate dienen als Werbemittel für die Firmen.

Außerdem lernten die Schüler, wie man das Unternehmen wirkungsvoll in der Öffentlichkeit vertritt. Dies sollten die Mitarbeiter der Schülerfirmen sofort unter Beweis stellen, indem sie den Anwesenden die Geschäftsidee und Arbeitsweise ihrer Firma präsentieren. Josi Rataj (8. Klasse), die bei den „FlummyKids“ mitarbeitet, machte den Anfang. Ihre Firma handelt mit Schulmaterialien. Im Verkaufsraum der Schule können Mitschüler in den großen Pausen preisgünstig alles kaufen, was in der Federmappe noch fehlt und für den Unterricht notwendig ist.

Außerdem besteht die Möglichkeit, gegen eine Pfandgebühr, Taschenrechner und Tafelwerk auszuleihen. Die Schülerfirma wurde am 26. Oktober 2010 ins Leben gerufen. Aus deren Gewinn werden gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel in den Kletterpark, finanziert, die zur Teambildung beitragen. Neben Carola Lindner unterstützt auch die Schulsozialarbeiterin Silvia Rick die Jugendlichen.

Vielfältige Kooperationen

Lisa-Marie Schenk (9. Klasse) präsentierte die „Annaburger Töpferbude“ überaus professionell. Zusammen mit Nathanael Reich und Lisa-Marie Wagner (beide Klasse 9) übernimmt sie derzeit die Geschäftsleitung der Firma, welche am 9. Juni 2016 gegründet wurde. Die „Töpferbude “ produziert handgemachte oder aus Gussformen hergestellte Töpferprodukte, aber auch Postkarten. Der Bürgermeister der Stadt Annaburg und der Annaburger Schützenverein beauftragten die Jungunternehmer, ihre Wappen zu töpfern.

Für diese Produktionen benötigten die Schüler ungefähr vier Wochen, da der Ton nach dem Formen und Bemalen lange Zeit trocknen muss, bevor er gebrannt werden darf. 20 Schüler arbeiten nach einem Einsatzplan im Wechsel an den Keramiken. Neben den Auftragsarbeiten bieten die Schüler ihre Töpferwaren für verschiedene Anlässe auch auf Märkten, wie dem des Annaburger Heimatsfestes, des Festes der Vereine oder dem Weihnachtsmarkt, an.

Gelegentlich bauen die Schüler einen kleinen Verkaufsstand bei Edeka Höhne auf. Lisa-Marie Schenk hebt besonders die handwerkliche Hilfe von der Jessener Töpferin Anett Schemmel hervor: „Sie hat uns alles beigebracht, was wir können.“

Die „Annaburger Töpferbude“ wird von der Schulsozialarbeiterin Susann Engelhardt und Marion Vetter begleitet. Die Lehrerin für Wirtschaft und Deutsch betont, bezogen auf die Organisation solcher Workshops: „Die Schulen arbeiten sehr gut zusammen.“

Carola Lindner lobt ebenfalls die Kooperation. Schließlich wird dadurch eine große Teilnehmerzahl erreicht und es wird ermöglicht, solche Veranstaltungen vor Ort durchzuführen. Für die Zukunft ist geplant, solche Weiterbildungen einmal pro Halbjahr zu organisieren. So sollen die Schüler lernen, was zu einem Unternehmen dazugehört.