Fußball

Konflikt-Manager in Jessen in Aktion

Fussball Harald Hecht kümmert sich im Auftrag des Kreisfachverbands um das Fairplay. Warum der Mann Spielberichte gründlich auswertet.

Von Boris Canje
Harald Hecht Foto: Tominski

Jessen/MZ

- Fair soll es im Sport eigentlich immer zugehen, auch im Fußball. Und das nicht nur auf dem Rasen, sondern ebenso am Spielfeldrand. Möglichst beginnend bei den Jüngsten, den Bambini. Und mit dafür sorgen soll ein Beauftragter für Fairplay und Verantwortlicher für Freizeit- und Breitensport beim Kreisfachverband Fußball (KFV). Sein Name: Harald Hecht.

Torhüterin bei RB Leipzig

So mancher wird sich bei diesem Namen sagen: Den kenne ich doch vom Tischtennis. Richtig. Er leitet Arbeitsgemeinschaften Tischtennis an den Grundschulen der Jessener Region: Jessen, Seyda, Schweinitz und Holzdorf, organisiert dort auch Wettkämpfe. Irgendwann kam dann eine Stadtmeisterschaft für Mädchen und später auch der Jungen im Fußball dazu. Bei einer solchen wurde auch Stella Busse entdeckt. Sie spielt heute bei RB Leipzig, ist Torhüterin der Nachwuchs-Nationalmannschaft und dritte Torfrau bei der deutschen Frauenauswahl, berichtet Harald Hecht stolz. So entwickelte sich auch der Kontakt zum KFV.

Später wurde er dann gefragt, ob er im Vorstand mitarbeiten würde und er sagte zu. Geradezu prädestiniert für diese Aufgabe war er zudem, weil er sich im Rahmen der Aktion „Mut, Menschlichkeit und Toleranz“ des Landessportbundes zum Demokratie-Konflikt-Manager ausbilden ließ.

Manchmal, so weiß Harald Hecht zu berichten, liegt das Problem nicht bei den Kindern auf dem Rasen, sondern bei deren Eltern am Spielfeldrand. Dabei bleibt es wohl nicht immer bei einer verbalen Auseinandersetzung, sondern es hat auch schon Handgreiflichkeiten gegeben. Hier gilt deshalb seit einiger Zeit: Eltern und andere Zuschauer bei den Bambini müssen einen Mindestabstand von 15 Metern zum Spielfeldrand einhalten. So können sich die Jungen und Mädchen viel besser auf ihren Sport konzentrieren.

Besondere Aktionen gesucht

Aber Harald Hecht wertet auch die Spielberichte aus, vor allem jene, in denen die Unparteiischen ein Kästchen, unter dem Fairplay steht, ankreuzen. Hier bei geht es nicht um Verstöße, sondern um das Gegenteil, besonders faire Aktionen. Harald Hecht nennt da als ein mögliches Beispiel einen Strafstoßpfiff. Der vermeintlich Gefoulte erklärt aber, dass es keinen Elfer geben dürfe, denn eigentlich habe er regelwidrig gehandelt.

Reise ins ZDF-Sportstudio

Aus all den Vermerken schlägt der Jessener dann jene jungen Kicker vor, die als fairster Spieler des Monats ausgezeichnet werden sollen. Als Preis winkt diesem neben einer Urkunde und einem Fußball auch ein entsprechendes Trikot. Sogar ganze Teams können geehrt werden. So wurden die Bambini von Allemannia Jessen zu einer Sendung des „Aktuellen Sportstudios“ nach Mainz eingeladen, verbunden mit dem Besuch eines Bundesligaspiels.

Doch in seiner Funktion hat es Harald Hecht nicht nur mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Ebenso ist er gefragt, wenn es zu verbalen Konflikten (zum Beispiel Homophobie oder Ausländerfeindlichkeit) bei Fußballspielen auf dem Platz oder aus dem Publikum kommt. Auch dann setzt er sich damit auseinander. Ist er erfolgreich, kann der Gang vor ein Sportgericht vermieden werden.