Schicksalsschlag

Plötzlich Witwer: Überwältigende Hilfe für Feuerwehrmann in Zahna-Elster

Nachdem Chris Herrmann plötzlich seine Ehefrau verliert, erfährt der frischgebackene Vater viel Unterstützung von seinen Feuerwehrkameraden.

Von Aline Gorldt
Chris Herrmann aus Zahna-Elster muss nun seinen Sohn alleine groß ziehen. (Foto: Aline Gorldt)

Zahna-Elster - Es war ein ganz normaler Abend für Chris Herrmann und seine Ehefrau. Sie planten die kommende Woche und während sie nach oben ging, bereitete Chris Herrmann noch einiges für den nächsten Tag vor. Dann änderte sich plötzlich alles für die Familie.

Chris Herrmann berichtet relativ gefasst von der Nacht, die sein Leben und das der Kinder komplett auf den Kopf stellte. Der junge Vater fand in dieser Nacht seine 32-jährige Ehefrau bewusstlos auf. Er und die wenig später eintreffenden Rettungssanitäter versuchten die junge Frau zu reanimieren, doch der Notarzt musste trotz aller Bemühungen den Tod feststellen.

Die genaue Todesursache ist laut Herrmann noch nicht bekannt. Zwei Wochen sind seit dem vergangen und der 29-Jährige kümmert sich nun nicht nur als alleinerziehender Vater um seinen Neugeborenen, sondern auch um zwei weitere Jungen im Alter von elf und acht Jahren, die seine Frau mit in die Ehe gebracht hatte.

„Um die beiden dreht sich momentan alles“, sagt er. Denn da die Jungen nicht seine leiblichen Kinder sind, hat nun das Jugendamt die Vormundschaft für die Brüder. Seitens der leiblichen Väter bestehe keinerlei Interesse, sich um die Kinder zu kümmern, so Herrmann.

Ihn wiederum kennen die Kinder schon seit zehn Jahren, nennen ihn, seitdem er vor einem Jahr mit deren Mutter zusammengekommen ist, Papa. „Ich wünsche mir, dass die Jungs bei mir bleiben können... und dass meine Frau zurückkommt.“

Weiteren Verlust ersparen

Herrmann hat große Angst, dass ihm die beiden Jungen weggenommen werden. „Das wäre nach dem Verlust ihrer Mutter traumatisch für sie, wenn sie von mir weg müssten“, ist er sich sicher. Das Jugendamt gebe als Grund für solche Überlegungen die momentanen Verhältnisse im Haus und die schwierige finanzielle Lage an.

Im Mai letzten Jahres sind seine Frau und die beiden Kinder in das Haus von ihm und seiner Großmutter eingezogen. Chris Herrmann begann sofort, es auf Vordermann zu bringen und drei Zimmer zu Kinderzimmern aus- bzw. umzubauen. Im August 2020 krönte das junge Paar seine Liebe mit einer Hochzeit. Ende März 2021 kam der gemeinsame Sohn zur Welt. „Jetzt sollte es eigentlich so richtig losgehen mit dem Familienleben.“ Nun liegt die Baustelle brach.

Schließlich muss sich der 29-Jährige zuerst um die drei Kinder kümmern. Und die finanzielle Lage sei natürlich jetzt eine ganz andere, wo er nun plötzlich und völlig unerwartet allein mit allem steht. Ganz allein ist er zum Glück nicht. In den vergangenen Tagen gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft, ausgelöst von Zahna-Elsters Stadtwehrleiter Heiko Plewa. „Das ist der Wahnsinn. Mit so etwas hätte ich nicht gerechnet“, sagt Chris Herrmann, der selbst seit 18 Jahren Mitglied in der Feuerwehr Bülzig ist.

Nachdem Plewas Anfrage nach finanzieller Unterstützung für Herrmann beim Sonderfonds der Feuerwehrunfallkasse abgelehnt wurde, startete er einen Aufruf in den Feuerwehren der Region. „Die enorme Verbreitung war dann ein Selbstläufer“, so Plewa. Innerhalb weniger Tage landete sein Aufruf zu Sach- und Geldspenden in den Sozialen Netzwerken und wurde zig-mal geteilt.

„Da merkt man, was Kameradschaft bei den Feuerwehren bedeutet“, sagt der Stadtwehrleiter. Bei Juliane Diekmann von der Bülziger Feuerwehr sind so in den vergangenen Tagen zahlreiche Sachspenden eingegangen. Von Windeln über Babynahrung und Kleidung war alles dabei. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so eine große Resonanz gibt“, sagt die Frau, die sich kurzerhand entschloss die Sachspenden einzusammeln.

Sie startete auch noch einen weiteren Aufruf und bittet nun um handwerkliche Hilfe von Firmen oder Privatpersonen bei der Fertigstellung des Hauses. Dies beinhaltet unter anderem die Trockenlegung. So soll ermöglicht werden, dass die beiden großen Jungen bei Chris Herrmann wohnen bleiben dürfen.

Spenden über Vereine

Weil die erste Hilfe so groß ausfiel, erklärt Diekmann, dass nun erst einmal keine weiteren Sachspenden benötigt werden. Wer Chris Herrmann und den Kindern weiterhin unter die Arme greifen will, der könne dies gerne mit einer Geldspende tun, welche über den Feuerwehrverein Zahna oder den Verein Strahlende Kinderaugen Elster getätigt werden kann.

Heiko Plewa bittet ausdrücklich darum, dass die Unterstützer diesen Weg zum Spenden nehmen, und sich nicht direkt an Herrmann wenden sollen. Schließlich brauche der junge Vater nun Ruhe und viel Zeit für die Kinder.

Bei weiteren Fragen, auch bezüglich der Fertigstellung der Baustelle, ist Plewa selbst der Ansprechpartner. Chris Herrmann freut sich über so viel Hilfe für seine Familie. „Ich bin eigentlich ein Mensch, der lieber Hilfe gibt, als sie annimmt. Meine Frau war genauso. Wir haben immer gerne anderen Menschen geholfen“, sagt er und erklärt, dass er zutiefst dankbar für den Einsatz, insbesondere von Juliane Diekmann und Heiko Plewa ist. Und auch die emotionale Unterstützung von Freunden und Bekannten sei enorm.

Den Kindern gehe es den Umständen entsprechend „halbwegs“ gut. Sie alle bräuchten nun vor allem Zeit, mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Deshalb bittet Chris Herrmann ebenfalls darum, die Jungen nicht auf ihre Situation anzusprechen und bei Unterstützungsangeboten die Spendenkontakte zu nutzen.

Er ist nun erleichtert, dass er mit Hilfe der bereits gesammelten Spenden die Beerdigung finanzieren und seiner Frau „einen würdevollen Abschied“ ermöglichen kann.

Geldspenden können an folgende Bankverbindungen getätigt werden: Feuerwehrverein Zahna e.V., IBAN DE23 8055 0101 0101 0067 99, Verwendungszweck: Chris Herrmann, Strahlende Kinderaugen Elster e.V.,IBAN DE41 8055 0101 0101 0322 77, Verwendungszweck: Chris Herrmann

Bei weiteren Fragen oder Hilfsangebote kann man sich an den Stadtwehrleiter Heiko Plewa wenden. Telefon: 0177/3 78 52 00

Der Kombi war voll.
(Foto: Klitzsch)