Der Waldpädagoge

Detlef Schulze aus Holzdorf verabschiedet sich in den Ruhestand - Was er jetzt noch so vorhat

Nach 49 Jahren in der Forstwirtschaft wird Detlef Schulze aus Holzdorf in den Ruhestand verabschiedet. Dennoch hat er noch viel vor.

Von Frank Grommisch 11.10.2021, 09:11
So kennen ihn viele. Detlef Schulze erklärt Kindern, was es in der Natur  zu entdecken gibt, hier Annaburger Grundschülern. Das Foto stammt aus dem Jahre 2016.
So kennen ihn viele. Detlef Schulze erklärt Kindern, was es in der Natur zu entdecken gibt, hier Annaburger Grundschülern. Das Foto stammt aus dem Jahre 2016. Foto: Sven Gückel

Jessen/Wittenberg/MZ - „Als kleiner Junge wollte ich immer Förster werden“, sagt Detlef Schulze. Diesen Traum hat er sich erfüllt. Jetzt ist seine Dienstzeit in seinem Lieblingsberuf vorüber, nach 49 Jahren. Am Freitag wurde er im Betreuungsforstamt Annaburg im Kreise seiner Kollegen und weiterer Gäste verabschiedet. Ab 1. November ist er Pensionär, lässt er wissen.

Viele Spuren hinterlässt Detlef Schulze. Besonders öffentlichkeitswirksam war seine Arbeit als Waldpädagoge. Da habe er herausragende Leistungen vollbracht, würdigt Forstamtsleiter Philipp Nahrstedt. In den vergangenen 15 Jahren habe er etwa 5.000 Kinder für die Belange des Waldes sensibilisiert. „Nur wer das Ökosystem Wald kennt, kann sich dafür einsetzen.“

Die Zahl 5.000 sei wahrscheinlich noch untertrieben, sagt der ehemalige Forstamtsleiter Frank Ackermann. Er räumt ein, dass er es anfangs gar nicht so erwartet hatte, dass Detlef Schulze sich derart für die Bildungsarbeit einsetzt. „Er hat da viel Herzblut reingesteckt“, sagte er anerkennend. Obwohl gerade der Übergang vom Revierförster in den neuen Verantwortungsbereich nicht einfach und einer Strukturreform in der Forstwirtschaft geschuldet war. Von denen haben Detlef Schulze und seine Kollegen einige erlebt. Frank Ackermann erinnert sich noch gut daran, dass eine der ersten Aufgaben von Detlef Schulze im damaligen Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb die Aufforstung einer Fläche an der Züllsdorfer Straße war. Diese Aufgabe habe er in guter Qualität gemeistert. „Das war ein guter Einstand.“

Der beste Lehrling im Land

Detlef Schulze wurde 1955 in Wittenberg geboren, ist in Battin aufgewachsen und in Klöden zur Schule gegangen. Anschließend hat er direkt Kurs Richtung Traumberuf genommen und eine Lehre als Forstarbeiter in Söllichau begonnen. Dies hat er so konsequent durchgezogen, dass er als bester Forstarbeiterlehrling der DDR ausgezeichnet wurde. Die Urkunde geht während seiner Verabschiedung im Betreuungsforstamt von Hand zu Hand. Bilder aus seinem Berufsleben werden gezeigt.

Verschiedene Anekdoten machen die Runde. Detlef Schulze erwähnt einige Eigenarten, Besonderheiten und Vorzüge von Betriebsleitern, Revierförstern und Forstamtsleitern. 1974 begann er als Waldarbeiter im Revier Arnsdorf bei Wilfried Hentschel. Dieser habe in ihm neben anderem die Liebe zu Freilandazaleen ausgelöst, die seitdem mit für die Einzigartigkeit seines Waldgartens in Holzdorf sorgen. Der einstige Oberförster Wolfgang Jonscher habe dann in ihm das Interesse an einem Studium geweckt, das er als Diplom-Forstingenieur an der Fachhochschule Schwarzburg abschloss.

Erinnerungen geweckt

Viele Erinnerungen werden in dieser Feierstunde geweckt, so auch jene an schwere Zeiten, zweimal große Waldbrände im Jessener Stadtwald sowie bei Seyda, die Hochwasserlagen und die bereits erwähnten Strukturveränderungen, die Umdenken und Neuorientierung erfordern. Dass Ackeraufforstungen im Bereich Holzdorf und Premsendorf, an denen er wesentlichen Anteil hatte, aufgrund der Dürrejahre jetzt absterben, bedauert Detlef Schulze sehr. Aber er ist zuversichtlich. Die Bäume, die jetzt gepflanzt werden, „kommen mit den Extremen besser klar“. Trotz mancher Widrigkeiten, so lobt Philipp Nahrstedt, hatte er „immer ein offenes Ohr und war nie schlecht gelaunt“.

Er kenne Detlef Schulze bereits seit 25 Jahren, sagt Jessens Bürgermeister Michael Jahn (SPD). Er schätze den bekennenden Wolfsfreund sehr und mag an ihm auch, dass er sich mal selbst auf die Schippe nimmt. Deshalb fielen wohl einige Geschenke am Freitag etwas ungewöhnlich aus, wie die „Doppelflinte mit Zielfernrohr“ (vier Bierbüchsen mit aufgebundenem Glas), die Philipp Nahrstedt überreichte. Ein Nachfolger ist angekündigt. Doch die Lücke, die Detlef Schulze hinterlasse, könne nicht so einfach geschlossen werden.

Jetzt wolle er erst mal zur Ruhe kommen und sich auf seinen Garten konzentrieren. „Da habe ich viele Sachen vor.“ Aber in der Naturbildung wolle er sich weiter engagieren, kündigt Detlef Schulze an. Schulen und Kindertagesstätten hätten schon angefragt. Es sei ihm sehr wichtig, Kindern die Natur näher zu bringen.