Quenstedter schwitzte im Trainingslager

Militärischer Mehrkampf: Henry Spura erinnert sich an seine Zeit in DDR-Nationalmannschaft

Von Ralf Kandel
Die drei Goldmedaillen von den DDR-Meisterschaften hat Henry Spura sorgsam aufgehoben.
Die drei Goldmedaillen von den DDR-Meisterschaften hat Henry Spura sorgsam aufgehoben. (Foto: Ralf Kandel)

Quenstedt - Auf dem Tisch liegen Medaillen, auch eine Berufungsurkunde und ein Zeitungsausschnitt. Henry Spura hält ein Foto in der Hand. Darauf zu sehen sind einige junge Leute mit Jacken, auf denen das DDR-Emblem zu entdecken ist. Spura, er ist derjenige, der alles aufgehoben und nun herausgekramt hat, zeigt auf einen jungen Mann mit langen blonden Locken, der auf den ersten Blick heraussticht. „Das bin ich. Lange ist es her, fast 40 Jahre. Da waren wir mit der DDR-Nationalmannschaft in Brno in Tschechien“, sagt er. Dann fängt der 64-Jährige aus Quenstedt an zu erzählen. Von der Zeit, in der er dreimal Meister in der DDR wurde, von seinen Erfolgen, seinen Freunden.

Henry Spura wurde dreimal DDR-Meister

1973 war es, als der jetzige Quenstedter in Blankenburg dreimal DDR-Meister wurde. Er siegte im Einzel, mit der Mannschaft sowie im Schützenduell. Apropos Mannschaft. „Wir waren fünf Mann, alle aus Hettstedt, alle von der Betriebsschule der Saigerhütte Hettstedt“, sagt er und zählt die Namen der Mitstreiter auf. „Frank Otte, Jürgen Tennstedt, Thomas Vogel, Rüdiger Baumann und ich waren dabei, Trainer war Wolfgang Otte. Das war eine dufte Truppe.“ Im vergilbten Zeitungsausschnitt ist zu lesen, dass „...sich das Hettstedter Kollektiv schon vor dem Wettkampf hohe Ziele stellte. Und mit 34 Sekunden Vorsprung vor Vorjahressieger Leipzig gewann. Der Einzeltitel von Spura gab außerdem Anlass für Stimmung und Freude in der Bezirksauswahl.“

Henry Spura war einer der Besten aus der Truppe und schaffte schließlich sogar den Sprung aus dem beschaulichen Hettstedt ins Nationaltrikot. Das alles eben im Militärischen Mehrkampf, einer Disziplin, die es in dieser Art vorrangig in den damals sozialistischen Ländern gab. Spura, geboren in Aschersleben und aufgewachsen in Hettstedt, erinnert sich noch genau daran, wie es war, als 16-Jähriger plötzlich zur DDR-Nationalmannschaft zu gehören. „Wir haben in Hettstedt in der BBS der Saigerhütte bei Wolfgang Otto trainiert. Da wurde ich schon militärischer Meister der Jugend B. Dann bin ich DDR-Meister geworden und in die Nationalmannschaft berufen worden. Klar war ich da stolz. Ich war in der Nationalmannschaft der DDR, das war schon was!“, blickt er zurück.

Erinnerungen an das Trainingslager in Berlin Neuenhagen

Auch an das Trainingslager in Berlin Neuenhagen hat er seine speziellen Erinnerungen. „Das war eine Sandwüste, da haben wir ganz schön gerackert. Da war eine richtige Wemme, Junge haben wir da geschwitzt.“ Für Spura lohnte sich die Schinderei, er erhielt am 19. August 1974 die Berufungsurkunde zur DDR-Nationalmannschaft und war schließlich bei Wettkämpfen der sozialistischen Länder im militärischen Mehrkampf dabei. „Da waren wir in Brno in Tschechien. Das war schon beeindruckend. Mehr als 10.000 Zuschauer waren dabei. Ich bin Zehnter oder Elfter geworden, das weiß ich gar nicht mehr so genau.“

Henry Spura (rechts) mit Mitgliedern der Nationalmannschaft.
Henry Spura (rechts) mit Mitgliedern der Nationalmannschaft.
(Repro: Kandel)

An seine Stärken allerdings kann sich Spura noch heute gut erinnern. „Ich war immer schnell. Ich konnte laufen wie ein Hase.“ Mitte der 70-er Jahre war dann Schluss für den Hettstedter mit seinen Starts im militärischen Mehrkampf. „Da habe ich dann aufgehört und habe irgendwann mit dem Fußball angefangen“, erzählt er. Natürlich kickte er für seine Heimatstadt Hettstedt.

Zwei Aufstiege in Serie

Später dann wurde Henry Spura Trainer. Und feierte mit Michael Stock, den er schon seit Kinderzeiten gut kennt, auch im Fußball bemerkenswerte Erfolge. „2005 ist Quenstedt mit uns als Trainern in die Landesklasse aufgestiegen. Ein Jahr später ist uns das Kunststück aufzusteigen noch einmal gelungen. Diesmal aber mit dem FSV Hettstedt“, erinnert er sich an andere sportliche Glücksmoment zurück.

Und heute? Nach einigen gesundheitlichen Problemen steht der Sport bei Henry Spura nicht an erster Stelle. „Aber wenn ich einen Ball sehe, juckt es mir noch in den Füßen“, sagt er. Und freut sich, wenn er in Quenstedt bei Michael Stock vorbeischauen kann und mit ihm und alten Freunden über die vergangen Zeiten reden kann. Auch wenn wohl die wenigsten Menschen in seinem Heimatort wissen, dass er vor gut vier Jahrzehnten mal das Trikot der DDR-Nationalmannschaft trug und im militärischen Mehrkampf zu den Besten zählte. (mz)