Denkmalhürde geschafft Gerbstedt / Freist: Industriemühle erhält Denkmalstatus

Gerbstedt - Es ist geschafft: Die Industriemühle in der Gerbstedter Kaplanstraße ist nun offiziell ein Kulturdenkmal, teilt Dirk Jangel, Besitzer des historischen Gebäudes, zufrieden mit. Nachdem Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie aus Halle im Frühjahr die Mühle besichtigt hatten, gab es nun die endgültige Zusage. Dabei handle es sich um eine „Mühle mit Wohnhaus als bedeutendes geschichtliches Zeugnis der Industriegeschichte“, heißt es in dem Begründungsschreiben. Hervorgehoben wird darin auch, dass sich in der Mühle „ungewöhnlich gut und im hohen Maße authentisch erhaltene Einbauten“ finden lassen, die die alte Funktionsweise und den damaligen Mühlenbetrieb veranschaulichen.
„Das war ein doch recht langer Weg, aber es hat sich gelohnt. Die Würdigung des Ganzen ist meiner Meinung nach bedeutend“, sagt Jangel, der die Mühle 1999 kaufte und seitdem nach und nach instand setzt. Diese Würdigung sei aber auch für die nächsten Schritte und Arbeiten wichtig.
Gerbstedt: Denkmalstatus der Mühle
Denn Jangel plant die alte, historische Fassade wieder herzurichten. In klassischer Ziegelsteinoptik, mit einem großen Holztor versehen, präsentierte sich die Mühle in ihren besten Jahren und soll so wieder aussehen. „Das ist zumindest das Ziel. Auch die Fenster wollen wir erneuern“, sagt Jangel. Denn an Stelle derer sind bisher nur provisorische Scheiben eingesetzt. Mehrere Zehntausend Euro - so eine grobe Schätzung Jangels - werden die Arbeiten kosten.
„Einnahmen haben wir hier aber keine“, sagt der Mühlenbesitzer. Deswegen sei der neue Denkmalstatus so wichtig. „Damit können wir uns nun um Fördermittel bewerben“, fügt Jangel an. Dabei hofft er auch auf Unterstützung seitens der Stadt Gerbstedt, die „sicherlich mehr Ahnung bei solchen Anträgen hat, als ich“.
Aufbau der Ölmühle in Freist
Aber nicht nur in der Gerbstedter Mühle tut sich einiges. Die Ölmühle in Freist, die ebenfalls zu Jangels Besitz gehört, wird seit einem großen Brand vor etwa zwei Jahren Stück für Stück wiederaufgebaut. Die Arbeiten dienen auch dazu, das Gebäude historisch zu rekonstruieren. Dafür konnte bereits ein Teil der alten Mühlentechnik, die sich bisher unter dem Fußboden verbarg, freigelegt werden. „Sogar der Wellenbaum aus Eiche ist nach über 70 Jahren noch teilweise erhalten“, berichtet Jangel.
Mittlerweile ist die alte Ölmühle sogar im Verzeichnis des Arbeitskreises Mühlen Sachsen-Anhalt e.V. aufgenommen worden. Ebenso wie die Industriemühle aus Gerbstedt, die Mühle in Elben, in der Jangel wohnt und eine weitere in Holleben, die seine Tochter derzeit aus- und umbaut, teilt Jangel mit.
Öffnung der Dampfmühle in Gerbstedt für Besucher
Als Mitglied des Mühlenvereins soll vor allem die Dampfmühle in Gerbstedt an den offiziellen Mühlentagen geöffnet und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hat der Mühlenbesitzer das historische Gebäude für Besucher geöffnet. Denn im Inneren des Denkmals befindet sich eine kleine Ausstellung, die anhand von Bild- und Textmaterial die Geschichte der Mühle und ihrer Bewohner wiedergibt. (mz)
