Kamera, Licht und Stream!

Wie „Women in Jazz“ trotz Corona-Regeln Festival-Atmosphäre schafft

Mit drei Kameras, Ton- und Lichttechnik wird in der Pauluskirche das erste hallesche Konzert von „Women in Jazz“ aufgenommen und als Livestream übertragen.

Von Katja Pausch
Tontechniker Christoph Behling (Foto) sorgt gemeinsam mit Benjamin Mühlmann dafür, dass das Konzert im Livestream übertragen wird. Foto: Katja Pausch

Halle (Saale) - Beklemmend leer ist es am Samstagabend in der Pauluskirche. Und das wird es auch im Laufe des Abends bleiben, obwohl sich mit Uschi Brüning eine der großartigsten Vertreterinnen des Jazz angekündigt hat. „Normalerweise wäre hier kein einziger Platz mehr frei“, sagt Ulf Herden. Normalerweise.

„Women in Jazz“ wegen Corona-Auflagen erstmals vor den Bildschirmen als Livestream

Doch derzeit ist nichts normal: Corona und die Absage durch die Stadt haben dem halleschen Konzertveranstalter die bis zur letzten Minute erhoffte Chance genommen, das internationale Festival „Women in Jazz“ als Live-Veranstaltung über die Bühne gehen zu lassen - trotz ausgefeilter Hygienekonzepte, eigener Teststation und einer Indoor- ebenso wie einer Open-Air-Variante.

Nun also wagt Herden das Experiment, die meisten der angekündigten Konzerte der 16. Festival-Ausgabe einem interessierten Publikum daheim vor den Bildschirmen als Livestream zu präsentieren. „Zum Glück“, so Herden, „haben fast alle Künstlerinnen zugesagt, an ihrem jeweiligen Spielort auch ohne Zuschauer aufzutreten“. So wie Uschi Brüning. Die DDR-Jazz-Ikone bestreitet an diesem Abend nach ihrem Auftritt in Merseburg ein zweites Festivalkonzert in Halle - und damit auch das zweite ohne Publikum.

Live-Stream vor leerehn Reihen nicht dasselbe wie ein Live-Konzert vor Menschen

„Es ist schon trostlos, so vor leeren Reihen zu stehen“, gesteht die Jazzerin, die an diesem Abend nicht nur singen, sondern auch aus ihrem autobiografischen Buch „So wie ich“ vorlesen wird. Doch sie und ihr junger musikalischer Begleiter an Piano und Gitarre, der 26-jährige Lukas Natschinski, nehmen die Situation dennoch gelassen.

„Klingt sehr gut hier in der Kirche“, lobt die berühmte Jazzerin beim Soundcheck die Akustik, und Pauluskantor Andreas Mücksch, Hausherr an diesem Abend, freut sich. Am liebsten würde sie den Sound mitnehmen, scherzt die Sängerin, die später, nach einem kurzen Einspieler mit Begrüßungsworten von Festivalchef Herden an die imaginären Zuschauer „daheim an den Bildschirmen“, pünktlich ihr Konzert samt Lesung beginnt.

Kamera, Ton und Bild: Ohne die Experten wäre das ehrgeizige Streaming-Vorhaben nicht umzusetzen

Sechs Stunden zuvor haben die Veranstaltungstechniker der halleschen Firma „Fruchthaus Production“ ihre Technik in der Kirche aufgebaut, Kabel verlegt, Kameras und Scheinwerfer installiert. Ohne die Experten wäre das ehrgeizige Streaming-Vorhaben nicht umzusetzen. Drei Kamera- Einstellungen im Zusammenspiel von Ton und Bild muss Tontechniker Christoph Behling während des rund zweistündigen Abends im Blick haben, um dem live zugeschalteten Publikum das beste Konzerterlebnis bieten zu können.

Und auch sein „Fruchthaus“-Kollege Benjamin Mühlmann, an einem Pult mit zahllosen Reglern neben Behling sitzend, arbeitet mit voller Konzentration. Welches Bild indes der Zuschauer wann zu sehen bekommt, entscheidet Behling, die Hand am Joystick und Kopfhörer auf den Ohren, spontan. Knapp 100 Zuschauer haben am Ende den grandiosen Auftritt Brünings vor leeren Stühlen im Streaming erlebt. Wer ihn verpasst hat, für den hat Cultour-Chef Ulf Herden noch eine gute Nachricht: Bis Dienstag, 24 Uhr, ist das Konzert auf der Webseite des Festivals abrufbar. Festivalprogramm, Infos und Live-stream auf www.womeninjazz.de. (mz)