Bange Blicke zum Himmel

Wie Sternengucker in Halle die partielle Sonnenfinsternis erlebten

Halles Sternengucker am Holzplatz sind glücklich: Die partielle Sonnenfinsternis war trotz Regenwolken auch in der Saalestadt bestens zu beobachten.

Von Katja Pausch
Holger Verch, Pädagoge am Planetarium am Holzplatz, hat  für den gefahrlosen Blick zur Sonne ein Fernglas mit Spezialfolie ausgestattet.
Holger Verch, Pädagoge am Planetarium am Holzplatz, hat für den gefahrlosen Blick zur Sonne ein Fernglas mit Spezialfolie ausgestattet. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale) - Der Wetterbericht hatte etwas anderes prophezeit - zum Glück. Denn eigentlich hätte es an diesem Donnerstag gegen Mittag regnen sollen. Stattdessen schaut die Sonne immer wieder durch die Wolken am Himmel. Unten auf der Erde, am Holzplatz, ist die Freude über das Wetter-Geschenk riesig. Denn dem glühend heißen Stern am Firmament gilt an jenem Vormittag die ganze Aufmerksamkeit - nicht nur der halleschen Astronomiefreunde, sondern weltweit. „Partielle Sonnenfinsternis“ heißt das Phänomen, das vom Laien über Hobby-Astronomen bis zu Wissenschaftlern mal wieder zahllose Sternengucker in den Bann schlägt. Sechs Jahre ist es her, dass die letzte Sonnenfinsternis über Mitteleuropa stattgefunden hat.

Über einen Monitor ist gut zu erkennen, wie der Mond sich vor die Sonne schiebt.
Über einen Monitor ist gut zu erkennen, wie der Mond sich vor die Sonne schiebt.
(Foto: Silvio Kison)

Lange bevor sich Punkt 11.34 Uhr der Mond auf seiner elliptischen Bahn erstmals zwischen Erde und Sonne schiebt, schaut Dirk Schlesier immer wieder durch eines der Teleskope, die alle in die gleiche Richtung gen Himmel zeigen. Umringt ist der Leiter des neuen Planetariums von zahlreichen Neugierigen - und von den Kollegen des MDR, die mit Übertragungstechnik vor Ort sind und nicht nur einen Live-Ticker mit „So-Fi“-Bildern aus Halle bestücken, sondern Schlesier auch ab und zu mit Redebeiträgen zuschalten. Denn Halle beteiligt sich an der Direktübertragung des Himmelsschauspiels durch die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien, an der 17 Planetarien, Sternwarten und Science-Center teilnehmen und die live auf dem YouTube-Kanal der Stiftung Planetarium Berlin gestreamt wird.

„Auf der Nordhalbkugel ist das Spektakel besser zu beobachten“

Gerade tauchen auf dem Bildschirm Fotos einer glühend roten „Sonnen-Sichel“ auf - aufgenommen von Astro-Freunden in Kanada. „Da können wir nicht ganz mithalten“, sagt Schlesier und lacht. Dennoch: Auch die Hallenser brauchen sich mit ihren superscharfen Aufnahmen vom Mond, der einen kleinen Teil der Sonne verdeckt, nicht zu verstecken. „Auf der Nordhalbkugel ist das Spektakel besser zu beobachten“, erklärt Schlesier. Knapp zwei Stunden währt die Sonnenfinsternis, deren Maximum 12.34 Uhr erreicht ist - genug Zeit, sich über Wissenswertes auszutauschen.

Inga Schlesier justiert das Spiegelteleskop und nimmt die Sonne in den Fokus.
Inga Schlesier justiert das Spiegelteleskop und nimmt die Sonne in den Fokus.
(Foto: Silvio Kison)

So hat Inga Schlesier, Dozentin an der halleschen Uni im Fachbereich Grundschulpädagogik, einige ihrer Studierenden um sich geschart, um Didaktik und Wissensvermittlung hautnah und praktisch zu erläutern. Lilly Wedler, wissenschaftliche Hilfskraft, und Dinah-Elies Witzel, Studentin im zweiten Semester, betrachten dies als Gewinn fürs Studium. In Isayah, der mit seinen Eltern zum Holzplatz gekommen ist, haben die angehenden Pädagoginnen nicht nur einen neugierigen Zuhörer, sondern auch einen interessierten Gesprächspartner: Der Sechsjährige ist Mitglied bei den Astrolinos, den jüngsten Sternenguckern am Planetarium Halle. (mz)