Wenn der Putz bröckelt

Wenn der Putz bröckelt: Uni Halle beklagt hohen Investitionsstau

Halle (Saale) - In vielen Gebäuden der Martin-Luther-Universität  Halle bröckelt der Putz, Fenster müssen  erneuert werden, einige Räume sind aus baulichen Gründen  gesperrt.

Von Hartmut Augustin und Walter Zöller • 5.4.2021, 13:46
Uniplatz in Halle
Uniplatz in Halle imago stock&people

In vielen Gebäuden der Martin-Luther-Universität  Halle bröckelt der Putz, Fenster müssen  erneuert werden, einige Räume sind aus baulichen Gründen  gesperrt.

„Wir haben einen riesigen Sanierungsbedarf“, sagt der Rektor der Universität, Christian Tietje, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. „Wir brauchen alleine zwischen 50 und 100 Millionen Euro, um Gebäude zu renovieren“, schätzt er. Hinzu kämen notwendige Investitionen für neue Projekte.

Lehr- und Lernbedingungen auf Dauer nicht mehr akzeptabel

Als Beispiele für den Sanierungsstau nennt Tietje das in der Nähe des Opernhauses gelegene Gebäude (Große Steinstraße 73), in dem die Wirtschaftswissenschaften untergebracht sind, und die Biochemie auf dem Gelände des Weinberg-Campus (Kurt-Mothes-Straße 3).

In beiden Fällen seien die Lehr- und Lernbedingungen auf Dauer nicht mehr akzeptabel. Ganz oben auf der Sanierungsliste stünden auch mehrere Verwaltungsgebäude sowie die oberste Etage des Rektorats am Uniplatz. Diese könne seit längerem nicht genutzt werden.   

Die Gründe für den Sanierungsstau sind laut Tietje klar: „Das ist eine Folge der jahrelangen Sparpolitik des Landes.“ Die Landesregierung hatte bis vor wenigen Jahren die Universitäten und Fachhochschulen finanziell äußerst kurz gehalten. Sichtbarstes Zeichen waren die heftigen Proteste, an denen sich 2012 und 2013 in Halle tausende Menschen beteiligten.

Die finanzielle Lage der Hochschulen hat sich nach übereinstimmender Ansicht zwar mittlerweile deutlich gebessert, nun aber werden die Altlasten - unter anderem im baulichen Bereich - immer drückender. 

Auch Wissenschaftsministerium weiß von Sanierungsbedarf

Hinzu kommt, dass neue Sanierungsfälle entstehen werden. Denn auch viele der Hochschulgebäude, die in den ersten Jahren  nach der Wende saniert oder gebaut wurden und stark genutzt werden, kommen in die Jahre.

Die Probleme sind nach Angaben von Uni-Rektor Tietje in Magdeburg bekannt. Dass es einen großen Sanierungsbedarf gebe, werde auch im Wissenschaftsministerium so gesehen. „Eine andere Frage ist, ob das im Kabinett auch offensiv vertreten wird“, sagt Tietje.

Er spielt mit dieser Bemerkung auf die Rolle von Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) an. An der Universität Halle, aber auch in Kreisen der Stadtpolitik wächst der Argwohn, der Minister könne bei wichtigen Weichenstellungen die Universität Magdeburg und die vier Fachhochschulen in Sachsen-Anhalt bevorzugen. 

Sammlungen von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung

Die Fachhochschulen sind deutlich praxisorientierter ausgerichtet als die Universitäten, an denen stärker Grundlagenforschung betrieben wird. Willingmann war vor seiner Ernennung zunächst zum Staatssekretär und dann zum Minister für Wirtschaft und Wissenschaft viele Jahre lang Rektor  der Hochschule Harz.   

Nach Ansicht von Tietje muss an der Universität Halle in den kommenden Jahren nicht nur Geld in Sanierungen, sondern auch in  neue Projekte gesteckt werden. So will die Hochschule wesentliche Teile ihrer noch über das Stadtgebiet verteilten Naturwissenschaftlichen Sammlungen zentral in zwei Gebäuden zwischen dem Domplatz und der Straße Mühlpforte  unterbringen.   

Die Sammlungen, zu denen fast sechs Millionen Gegenstände gehören, sind von international herausragender wissenschaftlicher Bedeutung. Sie sollen auch stärker als bisher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Tietje hofft, dass das Land die Investitionen in Höhe von neun Millionen Euro im Doppelhaushalt 2020/21 einplant. (mz)