Das Spiel mit Formen, Medien, Inhalten und Humor

Warum ein Künstler in Halle will, dass sich Besucher die Zeit zum Fläzen vor seinen Bildern nehmen

Manuel Wagner hat einen hundegerechten Raum für vielschichtige Bilder schafft.

Von Phillip Kampert
Manuel Wagner verwandelt mit Bildern und Fototapeten an Wänden und Boden den ganzen Ausstellungsraum zum Kunstwerk.
Manuel Wagner verwandelt mit Bildern und Fototapeten an Wänden und Boden den ganzen Ausstellungsraum zum Kunstwerk. Foto: Silvio Kison

Halle (Saale)/MZ - „Was würde mein Hund wohl dabei von mir halten? Diese Frage schwingt immer mit“, sagt Manuel Wagner, bildender Künstler. Die Meinung des Vierbeiners ist nur eine von vielen Ebenen, die Wagner bei der Kreation seiner Werke im Kopf hat: In seiner Ausstellung „Barking at the Wind“ (zu deutsch: Den Wind anbellen), die an diesem Freitag in der Galerie Paul Scherzer eröffnet wird, begegnen einem Bilder mit vielen Schichten - im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Bild durchläuft mehrere Arbeitsschritte

„Mir geht es um das Spiel mit Formen, Medien und Inhalten - und Humor“, sagt Wagner. Das äußert sich in den Werken so, dass jedes Bild mehrere Arbeitsschritte durchläuft. Zu Grunde liegt eine analoge Alltagsfotografie Wagners - zum Beispiel ein Spielzeugdino in einem pfälzischem Brauhaus. Die Abzüge verfremdet Wagner etwa durch Verzerrungen, legt weitere Motive darüber, malt schließlich noch Teile des finalen Abzugs händisch über.

Es entstehen geschichtete, verdichtete Bilder, die zum Entschlüsseln der Motive, der Handlungen, der verfremdeten Formen einladen. Der kitschige Dino wird zum Beispiel zur sofort erkenntlichen Hauptfigur des Bildes, während um die leicht verlaufenen Köpfe einiger pfälzischer Passanten geisterhafte Farbformen schweben.

Besucher sollen sich Zeit zum Fläzen vor den Bildern nehmen

All diese Schichten denkt Wagner bei der Produktion mit, eine Fähigkeit, die sich der 31-Jährige durch jahrelange Übung erarbeitet hat. „Ich produziere meine Bilder mittlerweile so, wie Musiker ihre Alben“, sagt er und spielt damit sowohl auf eine gewisse Professionalität als auch den Blick über alle Produktionsschritte der einzelnen Teile an. Nach seinem abgeschlossenem Malerei-Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein ist „Barking at the Wind“ seine erste große, eigene Ausstellung. Dafür hat er sich etwas ganz besonderes ausgedacht.

„Ich gestalte die Ausstellung raumgreifend - beziehe alle Wände und den Boden mit ein“, sagt er. Wenn man die Galerie betritt ist es, als würde man in den Raum fallen: Die flüssigen Farbverläufe auf dem Boden erzeugen eine verspielte Ruhe. Das ist ganz im Sinne des Erfinders: „Ich wünsche mir, dass sich die Besucher Zeit zum Fläzen vor den Bildern nehmen. Ich mag es nicht, wenn man bei Ausstellungen zum Stehen gezwungen wird oder ständig das Gefühl hat, weitergehen zu müssen“, sagt Wagner. Um dieses Verweilen zu ermöglichen, hat er aus Leinwandstoff große Kissen gefertigt - Kunst, auf die man sich gerne setzen darf.

Bilder hängen auf Augenhöhe des Hundes

All diese Aspekte - die Vielschichtigkeit, das Raumgreifende, das Verweilen - hängen in Wagners künstlerischem Kalkül zusammen. „Es ist wie beim Denken oder Erinnern: Bei diesen immer mitlaufenden menschlichen Aktivitäten spielen so viele Ebenen eine Rolle - es passiert so vieles gleichzeitig“, sagt er. Ebenso wie man sich im Alltag manchmal Zeit nimmt, um mental einen Schritt zurück zu machen, soll die Ausstellung dazu einladen, sich dieser Vielschichtigkeit einmal vermittelt von Kunst zu nähern.

Dabei ist es Wagner wichtig, dass seine Bilder zugänglich sind: „Es sind wirklich alle eingeladen, auch Leute, die vielleicht nicht so viel mit Kunst zu tun haben.“ Und Wagners Hund? „Einige Bilder in der Ausstellung habe ich auf seine Augenhöhe gehängt“, lacht er, „es ist wichtig, dass es auch den Hunden gefällt.“ Die Ausstellungseröffnung findet an diesem Freitag um 18 Uhr in der Galerie Paul Scherzer, Julius-Ebeling-Str. 1a, statt. Musikalische Begleitung von Leonard Siegl. Eintritt frei.