Vom Industriebahnhof zum Kleinod

Vom Industriebahnhof zum Kleinod: Der Thüringer Bahnhof im Wandel

Halle (Saale) - Einst für den Güterverkehr erbaut, hat der Industriestandort sein Gesicht heute gänzlich gewandelt und ist zu einem beliebten Naherholungs- und Ausflugsziel in der Stadt geworden.

Von Silvio Kison 25.11.2017, 11:00

Der Stadtteil Lutherplatz/Thüringer Bahnhof ist geprägt durch seine Industrie. Der optisch hier wahrscheinlich prägendste Bau ist der Thüringer Bahnhof: Die in Halle produzierten Waren wurden seit seiner Eröffnung im Jahr 1871 von hier aus übers Land transportiert. Er wurde während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit als Erweiterung der Güterbahnhofsanlagen südlich des damaligen Thüringer Personenbahnhofs errichtet und zum Ausgangspunkt des Gütertransports der Bahnstrecke Halle–Bebra.

Um 1890 wurden die Gleisanlagen in Halle mit dem Bau des Hauptbahnhofs grundsätzlich umgestaltet. Der Thüringer Güterbahnhof verlor damit seine direkte Verbindung zur Thüringer Bahn.

Im Jahr 1895 gewann der Thüringer Bahnhof wieder an Bedeutung

Im Jahr 1895 gewann der Thüringer Bahnhof allerdings wieder an Bedeutung: Als die Hafenbahn Halle vom Sophienhafen und im Jahr 1896 die Bahnstrecke Halle Klaustor–Hettstedt der Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft, zu der die Hafenbahn gehörte, ihren Betrieb aufnahmen, entwickelte er sich zum großen Güterbahnhof für diese neue Eisenbahnstrecke sowie die 1895 eröffnete Industriebahn, die viele Fabriken und Betriebe im südlichen Halle anschloss.

Nach der Wende verlor der Bahnhof durch die Schließung vieler Betriebe seine Funktion. Zur Jahrtausendwende wurde der Bahnhof, der bis dahin in einer Art Dornröschenschlaf lag, wieder zu neuem Leben erweckt: Heute ist er dank massiver Umbauarbeiten zu einem beliebten Ausflugsziel für Anwohner und Hallenser aus dem gesamten Stadtgebiet geworden: Spazierengehen, Spielen oder Radfahren stehen nun auf dem Programm.

Erholungsgebiet mit Kirschbaum-Allee, Kletterfelsen, Beachvolleyballplatz und Skateranlage

Das grüne Erholungsgebiet mit Kirschbaum-Allee, Kletterfelsen, Beachvolleyballplatz und Skateranlage ist nun zu einer wahren Wohlfühloase geworden. Besonders die „blühenden Gleise“ sind eine Attraktion. Denn die historische Bahntrasse, die sich im Original vom Thüringer Bahnhof bis zum Sophienhafen auf der Saline-Insel erstreckt, ist erhalten worden und nun ein beliebter Rad- und Fußweg.

Auf der grünen Piste sind die noch vorhandenen Schienen erhalten geblieben. Zudem stehen entlang der Strecke Bänke sowie neu gepflanzte Bäume. Auch alte Signaltechnik steht noch überall.

Alte Hafenbahntrasse vom Bahnhof bis zur Saline-Insel zu einem Radweg umgebaut

Acht Jahre hat es gedauert, bis die alte Hafenbahntrasse vom Bahnhof bis zur Saline-Insel zu einem Radweg umgebaut wurde. In sechs Abschnitten wurde die seit 1996 unter Denkmalschutz stehende Bahntrasse zu einem heute 4,4 Kilometer langen Radweg umgestaltet. Je nach vorhandenem Geld - kommunale Mittel waren immer dabei - hat die Stadt seit 2007 die Schienen-Reste der Hafenbahn zu einem besonderen Radweg umgestaltet.

Im Dezember 2015 wurde der letzte Abschnitt - und zwar die knapp 500 Meter lange Strecke zwischen der Ernst-Kamieth-Straße und dem Thüringer Bahnhof - abgeschlossen. Dieser Teil zählt zwar nicht zur historischen Hafenbahn, stellt aber (über ehemaliges Bahngelände führend) die historische Fußweg-Verbindung zum Hauptbahnhof her.