Klasse2.0

Video-Nachrichten sind Schülern wichtig

Statt Schulbüchern und Heften liegen auf den Tischen der Schülerinnen und Schüler der 8c des Gymnasiums Südstadt am Mittwochmorgen zahlreiche Ausgaben der aktuellen Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung. Die Schüler blättern sorgsam jede Seite um, bis sie die Seiten des Saalekuriers gefunden haben - also die Seiten der halleschen Lokalausgabe der MZ. Die Schulklasse nimmt derzeit am MZ-Medienprojekt „Klasse 2.0“ teil, das von der Commerzbank und Mitgas unterstützt wird. Täglich bekommen die Schüler nun die MZ in die Schule geliefert - im Deutschunterricht lernen die Jugendlichen, wie man einen Zeitungsartikel schreibt.

Von Maximilian Mühlens

Halle (Saale). Deutschlehrerin Birgit Decker nimmt an diesem Mittwochmorgen nicht - wie gewohnt - hinter dem Pult Platz, sondern setzt sich zu ihren Schülern. Vor ihren Schülern sitzt nun ein MZ-Redakteur, der von seiner täglichen Arbeit berichtet. Die weit verbreitete Meinung, dass junge Menschen sich nicht für die Zeitung und Nachrichten interessieren, widerlegen die Schüler der 8c. Sie löchern den MZ-Redakteur mit den verschiedensten Fragen. Die Jugendlichen wollen wissen, wie die Redaktion ihre Themen findet und wie lange die Redakteure brauchen, um einen Artikel zu schreiben. Aber es geht auch um Gehaltsfragen und ob man als Journalist nicht Angst habe, wenn man von Demonstrationen berichte.

Damit griffen die Schüler vor allem die jüngsten Demonstrationen in Chemnitz und Köthen auf, bei denen es Übergriffe auf Medienvertreter gegeben hat. Die Schüler sind sich einig, dass der Beruf des Journalisten spannend und abwechslungsreich sei, dennoch möchte keiner der Schüler später im Journalismus arbeiten. „Das viele Reisen wäre nichts für mich“, sagt eine Schülerin. Eine andere sorgt sich, dass man seine Familie kaum sehen könnte.

In der Doppelstunde Deutsch geht es aber auch darum, was sich die jungen Leute von einer Zeitung wünschen. Dabei lässt sich ein ganz klarer Trend ablesen: Die Jugendlichen konsumieren Nachrichten fast ausschließlich über das Internet. Von Facebook, Snapchat, Instagram oder YouTube. Vor allem das Videoportal YouTube ist bei den Heranwachsenden sehr beliebt.

„Ich schaue eigentlich nur noch bei YouTube Videos, Fernsehen schaue ich fast gar nicht mehr“, erzählt ein Junge. Die Schüler wünschen sich, dass auch Zeitungen auf ihren Online-Portalen viel mehr Videos präsentieren. Die Interessensgebiete sind dabei innerhalb der 8c breitgestreut: Von Promi-Neuigkeiten über Technik-Themen bis hin zu lokalen Schwerpunkten, wie dem Zoo, ist alles dabei.