Türe öffne dich?

Türe öffne dich?: Warum die Havag die automatische Türöffnung wieder abgeschafft hat

Halle (Saale) - Seit Beginn der Corona-Pandemie ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Das alltägliche Leben hat sich verändert. Doch die Havag wollte vor kurzem wieder ein Stück Normalität einführen, in dem sie eine Regel zum Infektionsschutz lockerte: Die Türen der Straßenbahnen öffnen nun nicht mehr an jeder Haltestelle automatisch, sondern nur nach Knopfdruck eines Fahrgastes. Die Reaktion einiger Hallenser auf diese Maßnahme fiel deutlich aus. Und zwar negativ. Mehr als 200 Unterschriften sind bereits für eine Petition zusammengekommen, mit der die Wiedereinführung des knopflosen Öffnens gefordert ...

Von Jonas Nayda 20.07.2020, 11:15

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Das alltägliche Leben hat sich verändert. Doch die Havag wollte vor kurzem wieder ein Stück Normalität einführen, in dem sie eine Regel zum Infektionsschutz lockerte: Die Türen der Straßenbahnen öffnen nun nicht mehr an jeder Haltestelle automatisch, sondern nur nach Knopfdruck eines Fahrgastes. Die Reaktion einiger Hallenser auf diese Maßnahme fiel deutlich aus. Und zwar negativ. Mehr als 200 Unterschriften sind bereits für eine Petition zusammengekommen, mit der die Wiedereinführung des knopflosen Öffnens gefordert wird.

Ärger über Abschaffung der automatischen Türöffnung 

Die Abschaffung der Maßnahme habe das Risiko für Neuinfektionen erhöht und damit das Allgemeinwohl der Bürger gefährdet, schreibt Jan Staffen, der Hallenser, der die Petition im Internet gestartet hat. Die Corona-Pandemie sei noch nicht vorbei und die Türöffner seien eine potenzielle Infektionsquelle.

Die meisten der mehr als 80 Kommentare, die auf der Internetseite der Petition zu finden sind, klingen sehr ähnlich. „Ich finde es sinnfrei, in diesen Zeiten ein so einfaches, profanes Mittel zur Begrenzung wieder zurückzunehmen. Das ist eine minimale technische Einstellung“, schreibt ein anonymer Hallenser. Eine anderer schreibt, dass vor allem der Luftaustausch nötig sei, der passiert, wenn alle Türen öffnen.

Automatische Türöffnung kostet mehr Zeit an Haltestellen

Die Havag hält weiterhin an ihrer Entscheidung fest. Fahrgäste sollen die Türen mit einem Knopfdruck öffnen, wie sie es vor der Corona-Pandemie auch getan haben. Hintergrund seien die geringen Infektionszahlen in der Region, heißt es auf MZ-Nachfrage aus der Havag-Pressestelle.

„Ein Öffnen aller Türen an jeder Haltestelle kostet in Verbindung mit steigenden Fahrgastzahlen mehr Zeit, als wenn Fahrgäste den Taster nur nach Bedarf nutzen“, sagt Corinne Richert von der Stadtwerkekommunikation.

Havag will Entscheidung zur Türöffnung je nach Lage abwägen

Nachdem im Frühjahr nur wenige Hallenser mit der Straßenbahn gefahren waren, stieg die Zahl der Fahrgäste zuletzt wieder an. Man müsse deshalb abwägen zwischen dem Wunsch nach automatischer Türöffnung und dem Wunsch nach Pünktlichkeit, sagt Richert. „Wir beobachten natürlich ständig die Veränderungen der Wünsche der Kundinnen und Kunden und treffen unter Abwägung aller Aspekte eine bedarfsgerechte und der Situation angemessene Entscheidung.“

Sollte sich die Infektionslage in Halle verschlimmern, könne die Havag selbstverständlich umgehend reagieren. Die Situation werde laut Richert täglich neu eingeschätzt. Außerdem würden alle Linienfahrzeuge weiterhin täglich gründlich gereinigt und desinfiziert, insbesondere die Haltestangen, Taster und Griffe. Auch die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen bleibt nach wie vor bestehen.

››Zur Online-Petition: tinyurl.com/y34v8mok (mz)