Strahlung im Paulusviertel

Strahlung im Paulusviertel: Kampf gegen den „Funkturm Pauluskirche“

Halle (Saale) - Eine Bürgerinitiative kämpft unter anderem gegen den „Funkturm Pauluskirche“. Doch findet sie nur langsam mehr Gehör. Jetzt gelang ein Etappensieg.

Von Detlef Färber 08.05.2017, 14:00

Er wirkt wie der berühmte Rufer in der Wüste - in vielen Wüsten. Doch nicht ganz so wie der einsame Mahner und Warner, denn rund hundert Zuhörer, meist Gleichgesinnte, folgten gerade in Halle den Ausführungen von Jörn Gutbier, dem Chef  des deutschlandweit agierenden Verbraucherschutzvereins „Diagnose Funk“ - und zwar im Saal des Stadthauses!

Dass es überhaupt dazu kam, lag wohl vor allem an der langen und hartnäckigen Überzeugungstätigkeit von Margit Jäschke. Denn die international erfolgreiche hallesche Schmuckkünstlerin ist seit über drei Jahren unterwegs für die hallesche Bürgerinitiative „Strahlkraft“, die sich gebildet hatte, um gegen eine ungewöhnliche Konzentration von Sendeanlagen vorzugehen, die den Turm der Pauluskirche auch noch in eine Art Funkturm  verwandelt haben.

Funk-Diagnose-Aktivist in Halle

Die Initiative will mit  ihrem Anliegen auch über ihr Viertel hinaus ausstrahlen - bisher aber erst mit mäßiger Strahlung.

Doch am Donnerstag gab es einen Etappensieg, als es gelang, den Vortrag des Funk-Diagnose-Aktivisten Gutbier in Halles guter Stube zu veranstalten - und mit einer Art Podiumsdiskussion zu verbinden: Dabei waren auch Michael Hegner als Vertreter des Umweltfachbereichs der Stadtverwaltung und Torsten Urland von der in Sachen Mobilfunk schier allmächtig scheinenden Bundesnetzagentur - quasi als Gegenseite. Und auch dabei waren sogar ein halbes Dutzend Stadträte aus allen Parteien mit Ausnahme der SPD.

Forum im Stadthaus: Paulusgemeinde war nicht anwesend

Nicht vertreten war dagegen die Paulusgemeinde, was zu galligen Kommentaren führte. Allerdings stellte der Anti-Strahlenaktivist Gutbier dann ausgerechnet dem mit Sendeanlagen vollgestopften Kirchturm auf dem Hasenberg ein vergleichsweise weniger bedenkliches Zeugnis aus: Er sei „durch seine Höhe schon mal sehr viel besser“ geeignet als viele andere Standorte in Halle.

Freilich hatte Gutbier zuvor seine Hörer durch alarmierende Messungen beeindruckt - und mit einer Fülle von Szenarien, die ein - wie er meinte - inzwischen eher unterdrücktes Thema verdeutlichen sollten. Enorme gesundheitliche Risiken bewirkten - aus seiner Sicht - eine Fülle von Geräten sowie die „unnötig vielen Funknetze der Anbieter“ und nicht zuletzt auch das zunehmende Problem „Internet der Dinge“. 

Strahlenschutz-Aktivist: „Mach mal Pause, geh offline!

Gutbiers Appelle zielen nicht zurück in vordigitale Idyllen, vielmehr wirbt er für einen sparsamst möglichen Umgang vor allem mit digitalen Medien - übrigens nicht nur aus Strahlungsgründen: „Mach mal Pause, geh offline!“ lautet ein Slogan des „Diagnose Funk“-Vereins. Es folgen dringende Ratschläge wie: „In Kitas niemals WLAN!“

Scharf kritisiert wurde auch, dass just in Deutschland - anders als etwa in Rumänien und Griechenland - die Messung der Strahlenbelastung  durch Mobilfunk & Co. so wenig flächendeckend betrieben werde. In dieser Sache erfüllte sich Jörn Gutbiers Satz „Man kann durchaus etwas tun!“ dann aber gleich an Ort und Stelle: „Eine automatische Messstation für Halle wäre kein Problem. Nur den Strom  müsste dann jemand bezahlen“, erklärte der Mann der Netzagentur. „Mach ich!“, antwortete ein Zuhörer aus dem Saal - und verhandelte im Anschluss gleich die Details. (mz)