„Händlern steht das Wasser bis zum Hals“

Steht der Weihnachtsmarkt in Halle auf der Kippe?

Warum die Pläne der Stadtverwaltung beim Verband der Marktkaufleute auf heftige Kritik stoßen.

Von Jonas Nayda
Im vergangenen Jahr gab es coronabedingt keinen Weihnachtsmarkt.
Im vergangenen Jahr gab es coronabedingt keinen Weihnachtsmarkt. (Foto: Kison)

Halle (Saale)/MZ - Auch wenn es noch knapp drei Monate hin sind, bis der hallesche Weihnachtsmarkt eröffnet werden soll, brodelt es schon bei einigen Markthändlern. Doch es ist keine Kartoffelsuppe oder Punsch, die sich da erhitzen, sondern die Gemüter der Gewerbetreibenden, die sich um ihr Geschäft sorgen. Der Weihnachtsmarkt könnte in diesem Jahr völlig anders aussehen, als er es bisher immer getan hat.

Nach MZ-Informationen sieht der Plan der Stadtverwaltung vor, einen Großteil der Verkaufsstände auf der Fläche zwischen Tiefgarage und Leipziger Turm am Hansering aufzustellen. Auf dem Marktplatz sollen hauptsächlich Glühwein- und Würstchenbuden stehen. Damit sind die vom Marktplatz verbannten Händler jedoch überhaupt nicht einverstanden. Viele überlegen deshalb, ihre Teilnahme an dem Markt in diesem Jahr gänzlich zurückzuziehen, heißt es.

„Den Händlern steht das Wasser bis zum Hals“

„Den Händlern steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Dieter Wunder vom Verband der Marktkaufleute. Er selbst bietet seit vielen Jahren unter anderem Plauener Spitze auf dem Weihnachtsmarkt an und kann sich nicht vorstellen, auf der Kiesfläche vor der Tiefgarage am Hansering zu stehen. Dort gebe es keinen Starkstrom und keine Wasseranschlüsse. Außerdem sei der Platz unattraktiv und für viele Kunden schwer zu erreichen. „Wir brauchen den Weihnachtsmarkt, aber so geht es nicht“, sagt er.

Wunder hat mit vielen seiner Verbandskollegen gesprochen, die es seiner Aussage nach ähnlich sehen wie er. Wunder befürchtet, dass der hallesche Weihnachtsmarkt und damit der Handel in der Altstadt nachhaltigen Schaden nehmen werden wenn der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz nur noch aus Glühwein- und Bratwurstbuden besteht und alle weihnachtlichen Händler und Handwerker an den Rand gedrängt werden. „Das Gewerbe stirbt langsam aus“, sagt Wunder. Vor einigen Jahren seien noch über 50 Stände mit verschiedensten Produkten in Halle gewesen, inzwischen seien es nur noch knapp 30.

Stadtverwaltung hält sich bedeckt

Die Stadtverwaltung hält sich bedeckt und antwortet auf die Frage nach Standorten allgemein, dass der Weihnachtsmarkt „auf mehreren Straßenzügen und Plätzen der Innenstadt“ stattfinden solle. Zur Trennung einzelner Sortimente gab es keinen Kommentar. Man wolle die Planungen Ende Oktober vorstellen.

Wunder sagt, er könne die Schwierigkeiten durch Corona verstehen, aber er hofft, dass die Verwaltung das Konzept überdenkt. Bis zum 10. September soll feststehen, welche Händler zugelassen werden. Der Markt soll am 23. November eröffnen.