Musiker Ulli Schwinge aus Halle

Musiker Ulli Schwinge aus Halle: Der Nachfolger von Udo Jürgens

Sie lagen auf dem berühmten Klavier, die beiden Lieder: Als Notenskizzen, als Melodie-Entwürfe, an denen ein gewisser Udo Jürgens gearbeitet hatte. Gearbeitet, bis zuletzt, bis ihn der Tod vor eineinhalb Jahren so plötzlich und unerwartet aus diesem seinem unermüdlich kreativen Leben riss. Doch nun sind sie fertig, diese beiden Lieder, denn Wunder gibt es bekanntlich immer wieder - in Udo Jürgens’ einstiger Branche. Wenngleich der Meister nie selbst über sie gesungen, sondern allenfalls mal welche vollbracht ...

Von Detlef Färber 14.08.2016, 10:00

Sie lagen auf dem berühmten Klavier, die beiden Lieder: Als Notenskizzen, als Melodie-Entwürfe, an denen ein gewisser Udo Jürgens gearbeitet hatte. Gearbeitet, bis zuletzt, bis ihn der Tod vor eineinhalb Jahren so plötzlich und unerwartet aus diesem seinem unermüdlich kreativen Leben riss. Doch nun sind sie fertig, diese beiden Lieder, denn Wunder gibt es bekanntlich immer wieder - in Udo Jürgens’ einstiger Branche. Wenngleich der Meister nie selbst über sie gesungen, sondern allenfalls mal welche vollbracht hat.

Songs von Udo Jürgens postum vollendet

Das musikalische Wunder von dem hier die Rede sein soll, hat freilich ein anderer vollbracht, ein Hallenser, der Ulli Schwinge heißt. „Ich hatte die Ehre, zwei Lieder, die Udo angefangen hatte, vollenden zu dürfen“, sagt er. Und nun sind sie fertig - und bereit, von dem nicht nur durch diesen Umstand zu einer Art Nachfolger von Udo Jürgens avancierten Sänger seinem Publikum präsentiert zu werden: Gleichsam auch als Udo-Jürgens-Wunder-Premiere, denn eins der Lieder heißt „Nur wer an Wunder glaubt“ - und ist wohl auch inspiriert von dem berühmten Satz des israelischen Staats-Mitbegründers David Ben Gurion: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

Geglückt ist diese postume Vollendung übrigens in der Zusammenarbeit des jüngsten aller Udo-Jürgens-Texter, nämlich Rainer Thielmann, mit Ulli Schwinge. Thielmann hat neben Jürgens-Songs wie „Alles ist so easy“ oder „Oktoberwind“ auch schon etliche Schwinge-Lieder betextet. Und auch die nächste CD, die Schwinge sich zur 40-Jahrfeier seiner Bühnen-Erstbesteigung gönnen und also im November herausbringen will, ist eine Koproduktion mit diesem in Bayern am Chiemsee lebenden Dichter, der auch für Nicole, die „Münchener Freiheit“ und viele andere mehr gearbeitet hat oder weiterhin arbeitet.

Zusammenarbeit mit Andrea Ummenberger

Freilich ist Ulli Schwinge - Halles noch immer bei weitem erfolgreichster Pop-Sänger, der mittlerweile im Umland der Händelstadt lebt und komponiert - auch noch in etlichen anderen Projekten zu erleben. „Ich bin ja nicht nur ein Singzahn, sondern spiele auch Klavier“, sagt er - und tut es im Zusammenspiel mit der aus Linz stammenden halleschen Schauspielerin und Sängerin Andrea Ummenberger, die er unter anderem gerade bei ihrem neuen, sehr erfolgreich gestarteten Hoftheater-stück „Ein Mann, und dann ...?“ musikalisch begleitet. Oder im Duett mit der Sängerin Yasmine van Burg, der Tochter des langjährigen ZDF-Showmasters Lu van Burg.

Mit Yasmine van Burg tourt Schwinge mit dem Programm „Song-Poeten“ durch Deutschland - womit auch gleich gesagt ist, dass der Mann mit seiner dauernden Klassifizierung als Schlagersänger nicht allzu viel anfangen kann - und will. Er sieht sich eher als Chansonnier (nicht als Liedermacher!). Doch Chansonnier, meint er, das dürfe man hier in Deutschland ja nicht sein. „Wie hier“ - und darüber kann sich der Sänger geradezu in Rage reden - „ja überhaupt fast keine deutschen Lieder mehr im Rundfunk gespielt werden, weil irgendeine Software den Musikredakteuren die Auswahl der Lieder abgenommen“ habe. Angeblich sei das weitgehende „Aus“ für deutsche Texte „auf Hörerwünsche hin“ erfolgt - so Schwinge kopfschüttelnd. Doch, so sagt er, da müsse man ja nur mal gucken, „wie viele Leute sich bei unseren Auftritten vor den Bühnen drängen“.

Genau dazu gibt es demnächst beim halleschen „Cultoursommer“ wieder Gelegenheit. Dann wird Schwinge - übrigens am Nachmittag - auch den anderen von ihm vollendeten Udo-Jürgens-Fragment-Song „Über Nacht“ singen.

Für das Konzert am Donnerstag, den 18. August, 15 Uhr, im Hoftheater des Neuen Theaters in der Großen Ulrichstraße gibt es noch Karten. (mz)