Grüne Pläne

Im Video: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erhält bei Auftritt in Halle viel Beifall

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wird auf ihrer Tour auf der halleschen Ziegelwiese von Hunderten vor allem jungen Menschen empfangen.

Von Katja Pausch
Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle
Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale)/MZ - Buntes Gewimmel an diesem Mittwochvormittag auf der Ziegelwiese: Aus der Ferne sieht es aus, als würden die Hallenser ein kleines Volksfest auf ihrer grünen Insel feiern. Die leere Bühne am Rand der Menschenmenge verrät: Noch ist der erwartete Gast, dessentwegen sich die nach Angaben der halleschen Polizei etwa 400 bis 500 vor allem jungen Leute auf Halles Peißnitzinsel eingefunden haben, nicht am Zielort eingetroffen. Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, sitzt noch im grünen Tour-Bus, der wenig später am Bootsverleih an der Peißnitzbrücke gesichtet wird.

Von den Zuhörern, die sich um die rundum einsehbare Bühne versammelt haben, bekommt Baerbocks Ankunft kaum jemand mit - auch nicht die zahlreich versammelte Presse, die aus allen Landesteilen auf die Peißnitz gekommen ist. Plötzlich sitzt die Kanzlerkandidatin einfach auf einem der Klappstühle, zwischen Sachsen-Anhalts Grünen-Spitzenkandidatin Steffi Lemke und Halles Direktkandidatin Inés Brock, Platz 3 der Landesliste. Beide haben in jeweils fünf Minuten Redezeit für sich und ihre Partei um Wählerstimmen geworben.

Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle
Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle
(Foto: Silvio Kison)

„Die nächsten zweieinhalb Wochen werden spannend“

Nun aber gehört die Bühne der Kanzler-Kandidatin, die die Hallenser auf deren „wunderschönen Ziegelwiese“ begrüßt und sofort loslegt. „Die nächsten zweieinhalb Wochen werden spannend, wir stehen vor einem Richtungswechsel“, sagt Annalena Baerbock, die ihre Zuhörer vor die Wahl stellt, „ob wir alle uns weiter so durchwurschteln oder den Aufbruch wagen“ wollen. „Zukunft passiert nicht einfach. Wir machen sie“, ruft sie und erhält den ersten Beifall, aber auch erste Zwischenrufe eines langhaarigen Zuhörers in der ersten Reihe, der fast jeden Satz Baerbocks lautstark gegenkommentiert. 17 Jahre „weiter so“ gehe nicht, fährt die Rednerin, die frei spricht, unbeirrt fort. Es müsse jetzt gehandelt werden. Das Wort Klimakrise habe bisher für die meisten „so abstrakt“ geklungen. Doch allerspätestens nach der aktuellen Hochwasserkatastrophe sei klar, dass das Klima „die Aufgabe unserer Generation“ sei. „Was wir nun in dieser Häufigkeit und Intensität erleben, sind keine Jahrhundert-Hochwasser mehr“, so Annalena Baerbock, die gerade noch einmal die Opfer der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen besucht hat.

Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle
Annalena Baerbock auf der Ziegelwiese in Halle
(Foto: Katja Pausch)

Nicht mehr hören könne sie das Argument, dass doch beim Klimaschutz Arbeitsplätze in Gefahr seien. „Natürlich müssen Arbeitsplätze erhalten werden, und das werden sie auch“, so Baerbock. Die Wirtschaft könne klimaneutral und vor allem hier in Deutschland produzieren, man müsse ihr nur die Möglichkeit dazu geben. Auf den erneuten Zwischenruf des lautstarken Rufers mit den langen Haaren, den Baerbock nun bittet, seine Fragen und Kommentare wie alle anderen auch auf einem bereitgestellten Zettel zu notieren, geht die Rednerin dann doch ein - nicht zum ersten Mal übrigens: „Woher der Strom dafür kommen soll? Natürlich aus der Steckdose, aber dank Windkraft und Sonnenenergie klimaneutral produziert“, pariert sie die aggressiven Einwürfe souverän.

Viele nutzen die Nähe, um ein Selfie mit der Kanzlerkandidatin zu schießen.
Viele nutzen die Nähe, um ein Selfie mit der Kanzlerkandidatin zu schießen.
(Foto: Katja Pausch)

Dank Thea und Max, die Stifte und Zettel für die anschließende Fragerunde verteilen, bekommen auch andere Zuhörer die Gelegenheit, der grünen Kanzler-Kandidatin Fragen zu stellen - ob nun zu Mindestlohn für Mitarbeiter in Behindertenwerkstätten, zur Ukraine oder zu Therapieplätzen für Jugendliche. Viele zücken am Ende der Veranstaltung ihr Handy und lassen sich mit der Kanzler-Kandidatin fotografieren, bevor es für Annalena Baerbock zurück in den Bus geht: Frankfurt/Oder wartet auf sie.