Impfungen im Uniklinikum Halle

Impfungen im Uniklinikum Halle: Was der Ärztliche Direktor über Spätfolgen sagt

Halle (Saale) - Im Universitätsklinikum haben erste Beschäftigte eine Impfung mit dem Moderna-Vakzin erhalten. Was der Ärztliche Direktor zur Angst über Spätfolgen sagt.

Von Dirk Skrzypczak
Tonja Weber, Oberärztin in der Notaufnahme des Klinikums, lässt sich von Klinik-Chef Thomas Moesta mit dem Moderna-Wirkstoff impfen.

Professor Thomas Moesta reibt das Fläschen mit dem Impfstoff in seinen Händen. „Wenn das Vakzin zu kalt ist, dann tut es beim Impfen weh“, sagt der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums in Halle. Nach der Lagerung bei minus 20 Grad Celsius sollte der Impfstoff bei Raumtemperatur verabreicht werden.

Am Dienstagnachmittag bekommen die ersten zehn Angestellten des Klinikums den Moderna-Impfstoff gespritzt. Der Klinikvorstand hat dafür alle Stationen im klinikeigenen Impfzentrum besetzt. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir hinter den Impfungen stehen“, sagt Moesta. Am liebsten hätte er sich mit den anderen Klinikvorständen der halleschen Krankenhäuser selbst immunisieren und das Foto öffentlichkeitswirksam „auf der Titelseite der MZ“ abdrucken lassen. Doch der Professor ist noch nicht an der Reihe. Und so pikst der Chef jetzt eben selbst.

Zweite Charge ist für die erforderliche zweite Immunisierung erforderlich

Von den 5.400 Beschäftigten des Klinikums und der medizinischen Fakultäten hat Moesta etwa 1.400 Ärzte und Pflegefachkräfte für die prioritäre erste Impfung an das Land gemeldet, Mitarbeiter, die in sensiblen Bereichen arbeiten. 221 von ihnen haben in der ersten Welle den Wirkstoff von Biontech injiziert bekommen. Nun sollen weitere 300 Angestellte bis Ende dieser Woche mit dem Vakzin von Moderna geimpft werden. 600 Portionen hat das Klinikum erhalten.

Die zweite Charge ist für die erforderliche zweite Immunisierung erforderlich, die in vier Wochen folgen soll. Insofern ähnelt der Wirkstoff dem von Biontech. „Aus meiner Sicht besteht zwischen beiden Impfstoffen, die bislang bei uns zugelassen sind, kein Unterschied“, sagt Moesta.

„Nur so können wir Herr der Lage werden und Corona überwinden“

Zu den zehn Personen, die am Dienstag ihre erste Impfdosis erhalten, gehört Michael Meixner aus der Pflegerischen Bereichsleitung. Er arbeitet auf den beiden Covid-19-Intensivstationen im Klinikum, auf denen jetzt insgesamt 18 Patienten um ihr Leben kämpfen. „Ich finde es richtig, dass man sich impfen lässt. Nur so können wir Herr der Lage werden und Corona überwinden“, sagt der 39-Jährige. Er verhehlt aber nicht, dass er ein mulmiges Gefühl in sich trage. Mögliche Spätfolgen des Impfstoffs seien nicht bekannt. „Wie wird es mir in zehn Jahren gehen? Darüber mache ich mir Gedanken“, sagt der 39-Jährige.

Moesta hat dafür Verständnis. „Vor Wochen war die Impfbereitschaft noch niedrig, weil es noch keine Impfungen gab. Die Lage ändert sich. Und ich verstehe es, wenn auch unser Personal Zeit braucht, um Informationen über den Wirkstoff zu sammeln“, sagt der Ärztliche Direktor. „Sich allerdings nicht impfen zu lassen, wäre unsolidarisch. Wir haben nicht die Zeit, dass wir uns hinsetzen und abwarten können, wie andere den Impfstoff vertragen.“

„Die Befürchtungen über mögliche Spätfolgen teile ich nicht.“

Die Vakzine, so genannte mRNA-Impfstoffe, bezeichnet er als Wunder. „Die Befürchtungen über mögliche Spätfolgen teile ich nicht.“ So geht es auch Malte Schulz-Ehlbeck, der als Arzt in der Notaufnahme arbeitet. „Die große Verunsicherung in der Öffentlichkeit rührt daher, dass in der breiten Masse die Aufklärung fehlt. Ich habe jedenfalls vor dem Impfstoff keine Angst.“

Dennoch liegt die Impfbereitschaft unter dem Klinikpersonal nicht bei 100 Prozent. Eine Impfpflicht für Mitarbeiter in Kliniken oder in Pflegeheimen einzuführen, wie es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) daher zur Diskussion stellt, lehnt Moesta ab. „Allenfalls müsste es die Impfpflicht für Maskenverweigerer geben.“ Wenn, dann müsse man in der Gesellschaft eine Debatte über eine Impfpflicht für alle Menschen führen, nicht über einzelne Berufsgruppen. Und auch nicht für jene, „die an vorderster Front gegen Corona kämpfen“. Als Klinik nehme man - gerade bei den Impfungen - die eigene Vorbildfunktion und Verantwortung aber sehr ernst. (mz)

Krankenpflegerin Dagmar Wieland Dagmar hält eine Ampulla mit dem Moderna-Wirkstoff. Zehn Impfungen sind aus dem Fläschen möglich.