HEP klagt auf Räumung

HEP klagt auf Räumung: Der Globus-Markt ist unerwünscht

Halle (Saale) - Der Streit des Halleschen Einkaufsparks mit seinem größten Mieter wird nun vor dem Landgericht verhandelt. Weshalb das Center auf Räumung klagt.

Von Julia Rau 28.09.2017, 11:33

Was eigentlich ein formeller Termin werden sollte, gipfelte am Mittwoch am Landgericht in Halle in einem bissigen Schlagabtausch unter Anwälten. In der einen Ecke, als Beklagter: der SB-Globusmarkt. Auf der Klägerseite: der Hallesche Einkaufspark (Hep), der Ladenfläche an Globus vermietet. Beide Parteien liegen seit Monaten im Clinch und haben den Streit mittlerweile bis zum Landgericht getragen.

Hintergrund ist die Kündigung des Mietvertrages vonseiten des Einkaufsparks. Der Vertrag wurde eigentlich bis 2020 geschlossen, Globus soll aber schon bis Ende 2017 aus dem Einkaufspark in Bruckdorf ausziehen. Der SB-Markt wollte das Hep zwar sowieso verlassen, aber nicht so schnell, wie nun verlangt.

Globus hat gegen fristlose Kündigung Widerspruch eingelegt

Vor Monaten kündigte Globus-Chef René Klauer an, dass der Globus aus dem Hep in Bruckdorf näher an die Innenstadt umziehen wolle. Als Standort fasste der Konzern das Areal des einstigen Hela-Baumarkts in der Dieselstraße ins Auge. Dort sollte ab 2018 für 35 Millionen Euro ein größerer Markt gebaut werden.

Gegen die fristlose Kündigung hat Globus also Widerspruch eingelegt. Daraufhin folgte nun die Räumungsklage des Hep, die am Mittwoch verhandelt wurde. Hep-Anwalt Stefan Alexander Doernberg teilte dabei kräftig aus und haute der Gegenseite sprichwörtlich einen ganzen Ordner an Vorwürfen um die Ohren. Abgesehen von etlichen Schriftformfehlern in den Verträgen gebe es Verstöße gegen die Mietvereinbarung. So soll der SB-Markt derzeit etwa 2.500 Quadratmeter mehr als genehmigt als Verkaufsfläche nutzen.

Rechtsanwälte beider Parteien strebten eingangs sogar einen Vergleich an

Über die Genehmigungen eines Kühlhauses, eines Getränkeaußenlagers und der Damenumkleide gerieten die Anwälte in hitzige Diskussion. Während die eine Seite laut „Quatsch“ rief, erhob die andere Lügenvorwürfe. Dabei wirkte anfangs alles so zahm. Die Rechtsanwälte beider Parteien strebten eingangs sogar einen Vergleich an.

Doernberg schlug vor, die Räumungsfrist bis 31. Dezember 2019 auszudehnen. Keinesfalls wolle man aber riskieren, dass Globus nach Vertragsende Mitte 2020 seine Möglichkeit zur Verlängerung des Mietverhältnisses um fünf Jahre wahrnimmt. Das Hep-Management befürchtet, dass in dieser Zeit nur noch ein Notbetrieb im Globus gefahren werden würde, der parallel zum neuen Standort läuft und nur den Zweck hätte, die Ladenfläche für mögliche Konkurrenten zu blockieren. „Das war nie unsere Absicht, das haben wir noch nie gemacht und wir werden es auch nie machen“, hielt Globus-Anwalt Stefan Fink dagegen. „Da müssten wir ja zwei Mieten zahlen“, so Fink.

HEP: Zwei interessierte Nachmieter sollen in Startlöchern stehen

Zwei interessierte Nachmieter, die die 15.000 Quadratmeter Mietfläche übernehmen würden, stehen schon in den Startlöchern, wie Hep-Manager Holger Wandrey erneut betonte. Die sollen nicht bis 2020 oder gar 2025 warten müssen. „Wir wollen Planungssicherheit“, so Wandrey. Die will auch die Gegenseite, denn sie ist darauf angewiesen, einen Standort erhalten zu können, während der Neubau anderswo in Halle läuft.

Das Landes-Bauministerium hat die Globus-Pläne kürzlich aber abgelehnt. Sie würden dem Regionalen Entwicklungsplan zuwider laufen. Bald steht Globus deshalb womöglich ohne sicheren Standort da, ein Neubau würde mehrere Monate dauern. 260 Mitarbeiter wären betroffen.

Ob es Standortalternativen zur Dieselstraße gibt oder ob ein Aufschub bis Ende 2019 reichen würde, um nahtlos den Standortwechsel über die Bühne zu bringen, beantwortete Globus-Chef Klauer bis Redaktionsschluss nicht. Für den heutigen Donnerstag ist eine Mitarbeiterversammlung anberaumt worden. (mz)