Bauarbeiten in Rekordzeit

Havag-Baustelle in Halle (Saale): Bald sollen wieder Bahnen am Gimritzer Damm rollen

Halle (Saale) - In Rekordzeit wird das längste Teilstück der Ausbaustrecke am Weinberg fertig. Mitte Oktober sollen am Gimritzer Damm schon die Bahnen fahren.

Von Detlef Färber 03.10.2018, 07:00

Die Bagger tanzen Tango. Dicht nebeneinander stehen, nein, agieren sie - mit hohem Tempo: Der Hallenser sagt in solchen Fällen, sie „machen Ballett“ - die Bagger also. Aktuell ist Kies mit den Groß-Schaufeln von A nach B zu bringen, denn das neue Gleisbett jenseits der Saale auf dem Gimritzer Damm nimmt längst Gestalt an. Muss es auch, denn der Zeitplan ist eng getaktet, wie man in Verkehrsbetrieben zu sagen pflegt. Und Mitte Oktober sollen und werden hier wieder Bahnen verkehren.

Seit fünf Jahren wird an Halles Schienennetz Stück für Stück gebaut

Am Montag hat die Hallesche Verkehrs AG (Havag) über den Stand des Bauprojekts informiert - genauer gesagt, über den Stand eines Teilstücks der zweiten von insgesamt drei Stufen einer für Halle, ja, man muss schon sagen beispiellosen Infrastrukturmaßnahme, für die die Havag die unter Federführung hat.

Die Rede ist vom Stadtbahnprogramm, wobei dieser Name den Umfang dessen, was hier geschieht, nur sehr unzureichend beschreibt. Schließlich werden bei diesem von der Europäischen Union zum großen Teil geförderten Projekt die gesamten Hauptstraßen entlang des innerstädtischen Schienennetzes grundhaft ausgebaut - und zwar seit dem Jahr 2013.

2020 geht es an der nächsten Havag-Baustelle in Halle weiter

Wichtige Teilstücke der ersten beiden Stufen - etwa die Bereiche rings ums Steintor, an der Große Uli, der Torstraße und am Rannischen Platz - sind schon fertig, auf anderen Strecken wie der Großen Steinstraße und der Merseburger Straße ist das Baugeschehen noch in vollem Gange.

Das dritte Teilprojekt soll - mit Giebichenstein, Bernburger Straße, Damaschkestraße und Freiimfelder Straße unter anderem - laut Havag-Beschreibung im Jahr 2020 begonnen werden.

Mitte Oktober sollen die Straßenbahnen auf dem Gimritzer Damm wieder rollen

Auf der Westseite der Saale, wo parallel zu anderen Stadtbahn-Baustellen gebaut wird, geht es nun aber dieser Tage mit einer der längsten Teiletappen von knapp zwei Kilometern - nach einem Zwischenspurt ohne gleichen - direkt auf die Zielgerade. Mitte Oktober, so teilt der für den Maßnahmeträger Havag hier verantwortliche Prokurist des Unternehmens, Gerd Blumenau, mit, werden hier wieder die Straßenbahnen rollen: Übrigens pünktlich zum Semesterbeginn der vielen Studenten, die am Weinberg, im Naturwissenschaftlichen Campus und dem Bereich Medizin am Klinikum ihre Vorlesungen, Seminare und Praktika absolvieren. Wissenschaftsstandort Halle? Am Nahverkehr soll’s offenbar nicht scheitern.

Bauarbeiten gingen die vergangenen Monate zügig voran

Begonnen wurde hier übrigens erst am Ende des letzten Sommersemesters, was zu einer Maßnahme-Frist führte, die selbst für die - siehe die Bauzeit am Steintor-Platz - an sehr zügiges Arbeiten gewöhnten Firmen beim Stadtbahnprogramm vor eine ungewöhnliche Herausforderung gestellt hat. Wo anderswo - nicht zuletzt auf einem gewissen Berliner Flughafen - der Bauverzug demnächst vielleicht in Jahrzehnten gemessen werden muss, da wird auf Halles Straßenbaustellen nun schon wiederholt quasi preußisch-pünktlich Vollzug und Fertigstellung gemeldet. „Was Jahre dauern könnte, bauen wir in Wochen“, resümiert Gerd Blumenau dann auch - und ist mit sich und seinen Leuten wohl nicht ganz unzufrieden.

Autofahrer müssen sich dennoch weiter auf Umleitungen einstellen

Freilich wird es ab dem 15. Oktober auch immer noch Umleitungen im Zuge weiterführender Arbeiten für den Autoverkehr geben - mit dann neu definierten Richtungen und Umleitungsstrecken.

Busse des Schienenersatzverkehrs werden dann allerdings nicht mehr das Verkehrsaufkommen in den Seitenstraßen erhöhen, denn die Bahn rollt ja dann wieder - und hoffentlich stets so, wie es die Havag in der Zielbeschreibung ihres Stadtbahnprogramms selbst formuliert: Mit einem „höheren Maß an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ - also genau so, wie es die Bauleute hier augenblicklich vormachen. (mz)