Festakt in der Händelhalle

Handwerkskammer Halle ehrt seine Altmeister - doch ein Bäcker hat wenig Zuversicht für sein Metier

Handwerkskammer ehrt Altmeister und wirbt um Nachwuchs im Handwerk. Der hallesche Bäcker Karl-Wilhelm Kolb hat wenig Zuversicht, was sein Metier betrifft.

Von Annette Herold-Stolze 13.10.2021, 11:30 • Aktualisiert: 13.10.2021, 11:38
Jahrzehntelange  Meistererfahrung: Bäcker Karl-Wilhelm Kolb aus Halle (links) und Schlosser Frank Hoppe aus Bad Lauchstädt
Jahrzehntelange Meistererfahrung: Bäcker Karl-Wilhelm Kolb aus Halle (links) und Schlosser Frank Hoppe aus Bad Lauchstädt (Foto: Annette Herold-Stolze)

Halle (Saale)/MZ - Genau genommen hatte er kein Mitspracherecht. Karl-Wilhelm Kolbs Vater traf die Entscheidung, dass sein Sohn einmal in seine beruflichen Fußstapfen treten, also den Familienbetrieb übernehmen sollte. Allerdings muss der Hallenser, der am Dienstag seinen 83. Geburtstag feiern konnte, bald auf den Geschmack gekommen sein. An die Lehre in einer anderen halleschen Bäckerei als der väterlichen schloss er noch eine Konditor-Ausbildung in der Konditorei Fritze in der Großen Steinstraße an - und ließ noch einen Meisterkurs folgen. 60 Jahre ist das nun her, und dafür ist Karl-Wilhelm Kolb nun gewürdigt worden. Die Handwerkskammer ehrte am Dienstag bei einem Festakt in der Händelhalle alle Handwerker aus dem Kammerbezirk, die vor 65, 60 oder 50 Jahren ihren Meisterbrief erhielten.

Karl-Wilhelm Kolb gehört zur zweiten, der Lauchstädter Schlossermeister Frank Hoppe zu der dritten Kategorie. Auch er hat den väterlichen Betrieb übernommen; anders als die hallesche Bäckerei ist dieser allerdings nicht mehr im Familienbesitz. Die Übergabe, bei Hoppes der Verkauf an ein Querfurter Unternehmen, sei ein aufwendiger Prozess gewesen, erinnert sich der Handwerksmeister. Aber daran, dass Dinge oft nicht einfach so laufen, war er in seinem Berufsleben und auch im Wissen um die Geschichte des in Weißenfels als Schmiede gegründeten Unternehmens längst gewöhnt.

„Es war ein ständiges Lernen.“

So hatte sich sein Vater, der gelernte Schmied, umstellen müssen, als Bauern in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften genötigt worden sind und keine Pferde für den Ackerbau mehr hielten. Hufbeschlag wurde kaum noch gebraucht - und Hoppe senior machte den Betrieb zur Bauschlosserei. Die Ursprünge sollten dem Sohn nach der Wende von Nutzen sein: etwa bei der Herrichtung des einstigen Umspannwerks am Hallmarkt vor zehn Jahren, in dem nun unter anderem Edeka ansässig ist. Beim Umbau waren Schmiede- und Bauschlosserfähigkeiten gefragt. „Wir haben alles einbringen können, was wir können“, blickt Hoppe auf sein Berufsleben zurück. „Es war ein ständiges Lernen.“

Wandlungsbereitschaft und Flexibilität seien ein großes Plus des Handwerks, sagt der Vizepräsident der Kammer, Michael Gipsner, der am Dienstag die Würdigung der Altmeister vornahm. „Handwerker sind Leistungsträger. Sie sollten mit Stolz auf ihren Berufsstand blicken und in die neue Zeit tragen.“ Wer sich für einen Handwerksberuf entscheide, habe „glänzende Karriereaussichten“. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien voll, die Bezahlung gut, argumentiert Gipsner für eine Ausbildung im Handwerk. „Wir wollen am Ball bleiben und um Nachwuchs werben“, kündigt er an.

„Man sollte gute Ware herstellen, die man selber gern isst.“

Bäcker Kolb ist sich nicht sicher, wie es mit der Bäckerei einmal weitergeht. Auch wenn es Anlass zur Hoffnung zu geben scheint: Inzwischen führt sein Sohn Holger den Betrieb, es gibt einen anstelligen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, und eine der Enkelinnen scheint ihm nicht uninteressiert. „Es ist ein schöner Beruf“, sagt der Handwerksmeister. Bleibt aber der Umstand, dass ein Bäcker sehr zeitig aus den Federn muss. Aber wer weitgehend ohne Chemie - und tiefgefrorene Teiglinge kämen nun einmal nicht ohne aus - arbeiten wolle, müsse früh anfangen.

Brötchen würden in der Familienbäckerei nach alter Art zubereitet. „Wie wir es gelernt haben: Mehl, Wasser Hefe und Salz und das war es dann“, gibt Karl-Wilhelm Kolb die Zutatenliste wieder. „Die Kundschaft will es haben, wie wir es früher hergestellt haben“, sagt der Bäcker, und er nennt noch ein Erfolgsgeheimnis. „Man sollte gute Ware herstellen, die man selber gern isst.“ Sein persönlicher Favorit aus der Backstube? Karl-Wilhelm Kolb legt sich nicht fest. „Ich esse alles. Herzhaft und süß.“

Geehrte Handwerksmeister aus Halle und nördlichem Saalekreis

Seit 65 Jahren Meister: Schuhmacher Erhard Albrecht (Halle)

Seit 60 Jahren Meister: Zentralheizungsbauer Helmut Danzer (Wettin), Schornsteinfeger Peter Fincke (Halle), Maschinenbauer Klaus Jacobs (Halle), Kfz-Meister Hans-Joachim Kaiser (Halle), Bäcker Karl-Wilhelm Kolb (Halle), Schmied Walter Richtscheid (Kösseln), Schuhmacher Wilfried Schöne (Teutschenthal)

Seit 50 Jahren Meister: Sattler Günter Jung (Halle), Kfz-Meister Wilfried Klimm (Halle), Orthopädieschuhmacher Wilfried Schöne (Teutschenthal), Tischler Werner Wollmann (Halle)