18. Antiquariatstag

Halles Stadtarchiv gibt Einblicke in Geschichte der Saalestadt

Halles Gedächtnis öffnet zum 18. Antiquariatstag seine Türen. Reger Austausch und Zuwachs für die Sammlung erhofft.

Von Annette Herold-Stolze
Im Lesesaal wird der Antiquariatstag stattfinden. Stadtarchivar Ralf Jacob und seine Mitarbeiter haben während des Lockdowns besonders festgestellt, dass vielen Hallensern das Gedächtnis der Stadt am Herzen liegt.
Im Lesesaal wird der Antiquariatstag stattfinden. Stadtarchivar Ralf Jacob und seine Mitarbeiter haben während des Lockdowns besonders festgestellt, dass vielen Hallensern das Gedächtnis der Stadt am Herzen liegt. Annette Herold-Stolze

Halle (Saale)/MZ - Kataloge? Wozu Kataloge aufbewahren? So sehr Halles Stadtarchivar Ralf Jacob einleuchtet, wenn Privatleute nicht Unmengen Papier horten wollen - als Experte hätte er gern noch so manches Stück im Stadtarchiv, das Einblicke in hallesche Geschichte bietet. So wie die Kataloge der Manufaktur von Heinrich Baensch, in der ab 1858 Lettiner Porzellan hergestellt wurde. Derzeit befänden sich vielleicht zwei oder drei Ausgaben im Bestand, berichtet der Stadtarchivar, gegeben habe es weit mehr.

Stadtarchiv erhält neue alte Stücke im Zusammenhang mit dem Antiquariatstag

Wenn es richtig gut läuft, bringt am Sonnabend, 31. Juli, ein Besucher des 18. Antiquariatstages ein solches Exemplar oder ein anderes interessantes historisches Stück mit ins Stadtarchiv. Die eigenen Bestände zu erweitern, sei für das Haus nicht Hauptgrund für dessen Ausrichtung, aber ein willkommener Nebeneffekt, macht Jacob deutlich. Und die Erfahrung zeige, dass seine Hoffnung nicht unbegründet ist. Immer wieder seien neue alte Stücke im Zusammenhang mit dem Antiquariatstag in die Rathausstraße 1 gelangt.

Vor allem aber freut sich der Archivar am Sonnabend auf einen regen Austausch. Aus dem eigenen Bestand wird das Haus wieder Dubletten und Werke, deren Mitherausgeber es ist, zum Verkauf anbieten. Zudem werden sechs Sammler erwartet, die Literatur zur Stadtgeschichte, bibliophile Werke und Postkarten mitbringen. Neben dem Verkauf gehe es auch immer um das Interesse an fachlichen Informationen, sagt Ralf Jacob. Da entwickelten sich im Lesesaal erfahrungsgemäß viele gute Gespräche.

„Es gibt eine Sehnsucht auch nach unseren öffentlichen Veranstaltungen“

Vor Corona seien an diesen Tagen immer 120 bis 200 Besucher gekommen - wie viele es dieses Mal werden, lasse sich schwer abschätzen. Anzumelden braucht man sich nicht, aber auf Abstand soll schon geachtet werden im Lesesaal. Nur jeder zweite Platz darf genutzt werden. Die sonst an diesen Tagen durchaus auch veranstalteten Lesungen oder Archivführungen wird es zum Schutz vor der Pandemie nicht geben.

Dass Hallenser und Gäste der Stadt auch wieder dem Archiv einen Besuch abstatten und ins Gespräch kommen wollen, haben die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten durch Nachfragen deutlich gespürt. „Es gibt eine Sehnsucht auch nach unseren öffentlichen Veranstaltungen“, sagt Ralf Jacob.

Komplett für die Öffentlichkeit geschlossen ist das Archiv schon eine ganze Weile nicht mehr. Der Lesesaal steht nach Anmeldung Besuchern offen, die Archivunterlagen durchsehen wollen. Im Lockdown standen Unterlagen zwar auch der Öffentlichkeit zur Verfügung, allerdings so gut wie immer nur elektronisch, von den Mitarbeitern per E-Mail versandt.

Halle hatte enormen Austausch mit anderen Städten in Deutschland

Um seine Bestände einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, setzt das Archiv deren Digitalisierung fort. Allerdings sei das ein langer Weg, vor allem ein kostspieliger, dämpft Ralf Jacob allzu große Hoffnungen. Über sechs Kilometer laufende Akten verfügt das Archiv. „Davon sind erst wenige Prozent völlig durchdigitalisiert.“ Gerade werden Archivakten, aneinandergestellt 40 Meter lang, elektronisch aufgearbeitet, für 90.000 Euro, finanziert von der Stadt und aus Fördermitteln.

Das bleibe in diesem Jahr auch das einzige Projekt dieser Art, sagt der Stadtarchivar. Die fraglichen Akten stammten aus dem Zentralbüro, Halles Kernverwaltung von 1900 bis 1945. Herauslesen lasse sich unter anderem, dass die Stadt Halle damals einen enormen Austausch mit anderen Städten wie Krefeld, Köln und Hamburg pflegte. „Was dort funktionierte, war für Halle eine gute Anregung“, berichtet Ralf Jacob. In den nächsten Wochen sollen die Digitalisierung abgeschlossen werden und die Akten online verfügbar sein.