Klinikampel steht bald auf Rot

Halles Krankenhäuser stehen kurz vor Kollaps - Bürgermeister Geier wendet sich mit Botschaft an Bürger

Bürgermeister Egbert Geier wendet sich mit Videobotschaft an Hallenser, sich impfen zu lassen.

Von Katja Pausch 13.11.2021, 10:25
In Halles Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu: Medizinisch vertretbare Eingriffe müssen zugunsten von Corona-Patienten verschoben werden.
In Halles Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu: Medizinisch vertretbare Eingriffe müssen zugunsten von Corona-Patienten verschoben werden. Foto: Silvio Kison

Halle/MZ - Die Lage an Halles Krankenhäusern hat sich dramatisch verschlechtert. So dramatisch, dass Bürgermeister Egbert Geier (SPD) am Freitagabend eine emotionale Videobotschaft an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gesandt hat. „Angesichts der äußerst angespannten Corona-Situation auch in unserer Stadt wende ich mich heute direkt an Sie“, beginnt er - und kommt sofort zum Punkt: „Bitte lassen Sie sich impfen! Bitte nehmen Sie auch unbedingt die Möglichkeit der Auffrischungsimpfung wahr“. Die Lage sei äußerst angespannt, die Dynamik der vierten Welle müsse unbedingt gebrochen werden. „Es kommt auf uns alle eine gewaltige Aufgabe und Herausforderung zu“, so Geier.

In den Kliniken ist diese Herausforderung längst da, seit Monaten schon. Doch jetzt spitzt sich die Lage weiter zu. 62 Patienten werden aktuell im Krankenhaus behandelt, zwei mehr als am Vortag. Und 21 liegen auf der Intensivstation - fünf mehr als am Vortag. Laut Stadt zeigt die Klinik-Ampel derzeit Gelb. Heißt laut Definition der fünf halleschen Kliniken: „Die Krankenhäuser sind aufgrund von Covid-19-Behandlungen und bedingt durch pandemiebedingte Personalausfälle gezwungen, auch dringliche Behandlungen von Nicht-Covid-19-Patienten erheblich einzuschränken“.

In den ersten Kliniken, so im Bergmannstrost und im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, müssen bereits medizinisch vertretbare Eingriffe verschoben werden, um Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorzuhalten. „Wir müssen Personal und intensivmedizinische Betreuungsplätze für Corona-Patienten freihalten“, so Christian Malordy, Sprecher der Kliniken Bergmannstrost, auf MZ-Nachfrage. Wie viele Eingriffe derzeit zurückgestellt würden, könne er aktuell nicht sagen. Zudem sei wie in anderen Kliniken auch die Personalsituation äußerst angespannt. Auch weil die aktuelle Corona-Welle auf die Grippe-Welle treffe, die zudem beide nicht vor dem Klinikpersonal Halt machten. „Ärzte, Pfleger und Therapeuten stehen seit langem unter Dauerbelastung“, so Malordy. Die vierte Welle treffe zudem auf ein volles Unfallkrankenhaus. „Bei der dritten Corona-Welle waren wir vorbereitet, auf diese hier nicht“, so der Sprecher.

Egbert Geier
Egbert Geier
Foto: Silvio Kison

Laut Hendrik Liedtke, Ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, stehe auch seine Klinik vor massiven Einschränkungen. Man müsse Stationen schließen, um Personal und Betten für Corona-Patienten bereithalten zu können. Und es werde noch schlimmer kommen: „Wir erwarten einen starken Anstieg in den nächsten 14 Tagen“, so der Mediziner, der fürchtet, dass die Klinik-Ampel bald auf Rot springt.

Während das Uniklinikum am Freitag keine Aussagen zur aktuellen Situation macht, kann zumindest das Diakonie-Krankenhaus leichte Entwarnung geben. „Aber auch nur deshalb, weil wir kein Hotspot in der Behandlung von Corona-Patienten sind“, relativiert Sprecher Udo Israel. „Noch müssen wir keine Operationen verschieben“, so Israel, der betont: „Noch nicht.“ Laut Stadtverwaltung stehen in Vorbereitung weiter steigender Infektionszahlen die fünf Kliniken in einem permanenten Austausch, auch mit Krankenhäusern aus anderen Landkreisen. „Es gibt mehrere Video-Konferenzen pro Woche.

Ziel ist es, die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus zu vereinheitlichen (so bei Besucherregelungen) sowie die Belastungen durch Covid-19-Behandlungen entsprechend der Größe der Kliniken aufzuteilen“, so die Stadt. So wurde in puncto Besucherregelung in der Klinik-Konferenz am Mittwoch ein einheitliches Vorgehen vereinbart. Demnach gilt ab Montag die 1:1:1-Regelung mit FFP2-Maskenpflicht. Das bedeutet, dass ein Besucher pro Patient für eine Stunde pro Tag zugelassen ist. Besucher ohne Maske erhalten auch bei Vorlage eines Maskenbefreiungstestats keinen Zutritt. Für Personen, die weder geimpft noch genesen sind, ist die Vorlage eines tagesaktuellen Antigen-Tests verpflichtend. Indessen appelliert Geier dringend an Ungeimpfte, sich impfen zu lassen. „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, so Geier: Die übergroße Mehrheit der auf den Intensivstationen liegenden Patienten seien Ungeimpfte.