„Der Rote Turm war mein erstes Bauwerk“

Hallenser bastelt die schönsten Ecken der Saalestadt im Mini-Format

Cuttermesser, Pappe, Kleber – mehr braucht Stephan Gorn nicht, um in mühevoller Kleinarbeit Halles Stadtecken auferstehen zu lassen. Welche Modelle es schon gibt und welche noch folgen.

Von Katja Pausch
Stephan Gorn baut Halle im Mini-Format nach. Sein neuestes Modell: die Burg Giebichenstein mit Kröllwitzbrücke, Bergschenke und Saale. Fotos: Silvio Kison

Halle (Saale) - Riebeckplatz, Opernhaus oder Hauptbahnhof – im Wohnzimmer unterm Dach hat Stephan Gorn Halles Stadtgeschichte kompakt und übersichtlich im Schrank verstaut. Nicht etwa in schriftlichen Abhandlungen und auch nicht in einem dicken Buch über die spannende Historie der Saalestadt, sondern vielmehr zum Anfassen. Obwohl - berühren sollte man die Modelle, die Gorn von einigen der schönsten und prominentesten Plätze der Stadt gebaut hat, dann lieber doch nicht. Oder zumindest mit allergrößter Vorsicht. Denn Halle in Mini-Format besteht ausschließlich aus Pappe.

Burg Giebichenstein im detaillierten Mini-Format mit Pappe, Papier und Modellbau-Utensilien

Das neueste Modell aus Gorns geschickten Händen zeigt die Burg Giebichenstein. Detailgetreu bis in Kleinste hat der zweifache Vater sein Modell gebaut– wie alle anderen auch im Maßstab 1 : 250. Und auch das ist typisch für Gorns Mini-Welt: Der 34-Jährige baut stets nicht nur einzelne Gebäude, sondern ein ganzes Areal und damit jeweils ein schönes Stück Halle.

Den Giebichenstein hat der geschickte Bastler mitsamt der unterhalb der Burg fließenden Saale, der Giebichensteinbrücke - natürlich mit Kuh und Pferd - sowie der gegenüber der Burg liegenden Bergschenke auf einer Grundfläche von einem Meter mal 60 Zentimeter angeordnet. Damit hat Gorn ein Stück Halle aus dem Jahre 1929 quasi in Spielzeuggröße geschaffen.

Wie das Original: Burgruine und die typischen Fledermausgauben der Unterburg
(Foto:Kison)

Hallenser bastelt Ecken der Saalestadt in Mini-Format: „Der Rote Turm war mein erstes Bauwerk“

Während Gebäude, Felsen und sogar die winzige historische Straßenbahn aus jener Zeit, die die Brücke in Richtung Kröllwitz überquert, aus Pappe und Papier gestaltet sind, besteht die Saale aus einem Stück Plexiglas. „Für Bäume und Grünanlagen greife ich auch schon mal auf Dinge aus dem Modellbahnbau zurück“, so Gorn, ebenso für die Straßenbeleuchtung, die sogar funktioniert und die Burg im Dunkeln in ein geheimnisvolles Licht taucht.

Doch Hauptarbeitsmaterialien sind für Gorn Pappe und Papier. „Mir reichen die Rückseite vom Zeichenblock und ein Cutter“, so der Hallenser, dessen Freundeskreis fleißig Pappen sammelt, um den kreativen Bastler mit neuem „Stoff“ zu versorgen. „Der Rote Turm war mein erstes Bauwerk“, erinnert sich Gorn, damals, vor rund zehn Jahren, noch Mitglied bei den Ammendorfer Heimatfreunden.

Blick auf die Bergschenke im Mini-Format
(Foto: Kison)

Hallenser gestaltet Stadt-Modell bis ins kleinste Detail

Bis heute ist der gelernte Tischler, der inzwischen als Musiker ebenso wie als fachkundiger Verkäufer in der Musikalienhandlung Polyhymnia in Halle kein Unbekannter ist, an hallescher Stadtgeschichte interessiert. Für seine Modelle sucht Gorn stets historische Stadtansichten auf Postkarten oder in Büchern, vergrößert sie und berechnet sämtliche Maße, damit zum Beispiel Fenstergrößen, Dach- und Simshöhe im Verhältnis zueinander stimmen.

An seinem Modell des alten Riebeckplatzes wird Gorns Liebe zur Historie besonders deutlich: Bis ins kleinste Detail hat der Hallenser die Häuser am Platze aus der Zeit etwa um 1910 gestaltet. Zu sehen sind die Hotels „Goldene Kugel“ und der „Preußenhof“, Hotel „Stadt Dresden“ und Parkhotel, Apollo-Theater, „Weltkugel“, das „Continental“ und Café Wilhelm. Und während wie beim Riebeckplatz, der in dieser Form gar nicht mehr existiert, Vergleiche mit dem echten Vorbild nicht mehr möglich sind, bietet die neueste Kreation des halleschen Papp-Häuslebauers das Glück des Wiederentdeckens.

Alles da: Kuh und Pferd und auch eine historische Straßenbahn - alles aus Papier.
(Foto: Kison)

Als nächstes ist übrigens das Areal um Urania 70, Currymann-Imbiss und Schwanengebäude dran

Denn am Giebichenstein hat sich seit 1929 kaum etwas verändert. Und doch ist es jedes Mal wie eine Zeitreise, wenn man vor Gorns liebevoll gestalteten Stadtbildern in 3-D steht. Wie viele Arbeitsstunden Gorn dafür aufgebracht hat, kann er nicht beziffern. „Immer, wenn ich etwas Zeit habe, setze ich mich ran“, sagt er.

Als nächstes ist übrigens das Areal um Urania 70, Currymann-Imbiss und Schwanengebäude dran – das Viertel, in dem Gorn zu Hause ist. Sein Wunsch: „Wenn alle Modelle mal zusammen ausgestellt werden könnten. Möglich ist es – sie sind eigens dafür in gleicher Größe konzipiert. (mz)