Bessere Bedingungen für Patienten

Halle (Saale): Awo baut neue Psychiatrie in Halle-Neustadt

Halle (Saale) - Das Fachkrankenhaus in Halle-Neustadt wird deutlich erweitert und umgebaut. Weshalb das so dringend notwendig ist.

Von Claudia Crodel 27.10.2017, 07:00

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt zu. Aufgrund der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung wird vor allem der Bedarf an sogenannten gerontopsychiatrischen Therapien immer größer. Das ist durch verschiedene Demenzerkrankungen bedingt. In Halle will man dieser Entwicklung jetzt in besonderer Weise Rechnung tragen.

Das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in der Zscherbener Straße in Neustadt, eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt Sachsen-Anhalt (Awo), bekommt einen Ersatz- und Erweiterungsneubau. Zudem werden Teile des alten Gebäudes umgebaut und modernisiert. Andere Teile des Altbaus werden abgerissen. So entsteht eine völlig neue Klinik.

Psychiatrie-Neubau in Halle (Saale): Das alte Gebäude war in die Jahre gekommen

Zwar begann die Errichtung des Neubauteils bereits im Frühjahr. Dieser Tage jedoch wurde die symbolische Grundsteinlegung vollzogen. Dafür wurde bei einer kleinen Feierstunde auf der Baustelle eine Kupferkapsel mit verschiedenen zeitgeschichtlichen Dokumenten, unter anderem zur Klinik und zum Standort, und ein paar Münzen in einen Pfeiler eingemauert.

Doch warum wurde der Neubau notwendig? Das psychiatrische Fachkrankenhaus in der Zscherbener Straße gibt es seit 1992. Es wurde damals in dem 1972 ursprünglich als Kinderkrankenhaus eingerichteten Bau eröffnet. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen.

Psychiatrie-Neubau in Halle (Saale) soll durch neue Einrichtung Patienten mehr Geborgenheit und Rückzugsräume bieten

Doch nicht nur das: „Unser wichtigstes Therapiemittel ist das gesprochene Wort, nicht nur durch das medizinische Personal, sondern auch der Patienten untereinander“, sagt Dr. Dirk Leube, Chefarzt des Psychiatrischen Fachkrankenhauses. Die Bedeutung der Räume als Therapieräume habe in letzter Zeit immer mehr dazugewonnen. Sie müssten Sicherheit und Geborgenheit bieten, aber auch die Möglichkeit des Rückzugs. Das sei für die Patienten mit langen Therapiezeiten sehr wichtig. „Es ist eine Wertschätzung für die psychiatrisch kranken Patienten“, betont Leube.

Ruhiger Innenhof für Patienten: So soll der Psychiatrie-Neubau in Halle (Saale) aussehen

Es entsteht eine Art Rundbau, der den relativ kleinen zur Verfügung stehenden innerstädtischen Raum in Neustadt maximal ausnutzen soll. Zugleich wird dadurch ein schöner ruhiger Innenhof geschaffen. Der Ersatzneubau wird über drei Geschosse mit jeweils einer Station für jeweils 20 Patienten pro Geschoss errichtet. Es werden Ein- und Zwei-Bett-Zimmer mit direktem Zugang zur Sanitärzelle gebaut.

Die Patientenzimmer und Funktionsräume gehen nicht wie üblich links und rechts vom Flur ab, sondern nur auf einer Seite. Die andere Seite ist eine Glasfront mit Blick auf den Innenhof.

Psychiatrie-Neubau in Halle-Neustadt: Cafeterie kann auch von Awohnern aus dem Stadtviertel genutzt werden

Mit einem erweiterten Foyer erhält der Neubau eine Verbindung zum Altbau, der in Teilbereichen saniert beziehungsweise umgebaut wird. Unter anderem wird dort eine Cafeteria eingerichtet, die auch von Anwohnern aus dem Stadtviertel genutzt werden kann. Die Awo investiert 14,4 Millionen Euro in den Neubau der Klinik. „Zwölf Millionen kommen vom Land, den Rest müssen wir selbst aufbringen“, so Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des Awo-Landesverbandes.

Viele Räumlichkeiten werden in besonderer Weise auf die Bedürfnisse älterer Menschen mit kognitiven Störungen und Demenz ausgerichtet. So wird die Möglichkeit geschaffen, Bewegungsunruhe auf einem Rundweg auf dem Gang der Station abzubauen. Es entsteht ein komfortabler Sitzbereich und auch der Aufenthalt im Freien in einer geschützten Atmosphäre im Innenhof wird gewährleistet. Therapieräume auf den Stationen optimieren zusätzlich die therapeutischen Angebote für weniger mobile Patienten, denen es schwerfällt, die Station dafür zu verlassen.

Das Projekt soll 2019, zum 100. Geburtstag der Arbeiterwohlfahrt, abgeschlossen sein. (mz)