Halle

Halle: Kind stranguliert sich

Halle (Saale)/MZ. - "Frohsinn" - der Name der Tagesstätte in Halle steht für ein unbeschwertes und behütetes Kinderleben. Doch das Lachen in der Einrichtung nahe des Thüringer Bahnhofs ist verhallt: Ein zweieinhalb Jahre altes Mädchen hatte sich am späten Freitagnachmittag mit einer selbst gebastelten Kastanienkette stranguliert. Am Dienstagnachmittag die erschütternde Nachricht: "Das Kind ist verstorben", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle mit. Die Behörde hat inzwischen Ermittlungen zu dem Unglück ...

Von JAN MÖBIUS 11.10.2011, 11:57

"Frohsinn" - der Name der Tagesstätte in Halle steht für ein unbeschwertes und behütetes Kinderleben. Doch das Lachen in der Einrichtung nahe des Thüringer Bahnhofs ist verhallt: Ein zweieinhalb Jahre altes Mädchen hatte sich am späten Freitagnachmittag mit einer selbst gebastelten Kastanienkette stranguliert. Am Dienstagnachmittag die erschütternde Nachricht: "Das Kind ist verstorben", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle mit. Die Behörde hat inzwischen Ermittlungen zu dem Unglück aufgenommen.

Wie Oberstaatsanwalt Andreas Schieweck sagte, habe die Kleine die Kette um den Hals gelegt und so lange daran gedreht, bis sie keine Luft mehr bekommen hat und von Erzieherinnen reglos auf einer Schaukel aufgefunden wurde. Das Mädchen habe reanimiert und anschließend in eine Dresdner Klinik gebracht werden müssen. Aus Sicht der Rettungskräfte konnte ihr dort die beste Behandlung zuteil werden - und zwar durch ein spezielles Verfahren, bei dem die Körpertemperatur der Patienten heruntergekühlt wird.

"Als das Kind gefunden wurde, war es nicht mehr ansprechbar. Die Kastanienkette war so fest um den Hals des Mädchens gedreht, dass sie mit einer Schere durchgeschnitten werden musste", sagte Schieweck. Einige Mädchen und Jungen mussten die dramatischen Minuten miterleben, als Sanitäter und Ärzte zwischen Klettergerüst und Schaukel um das Leben der Zweieinhalbjährigen rangen. Zuvor hatte bereits eine Erzieherin das Mädchen wiederbelebt, wenige Minuten später übernahm ein Vater, der Arzt ist und sein Kind abholen wollte, die Reanimation. Und offenbar ist auch der Vater der Zweijährigen Zeuge der schrecklichen Augenblicke geworden. "Der Unfall hat sich ereignet, kurz bevor er seine Tochter abholen wollte", so Schieweck. Um den Vater und um andere geschockte Anwesende kümmerte sich ein Notfallseelsorger, der durch die Leitstelle zum Unglücksort beordert worden war.

Am Dienstag herrschte rund um die Kindertagesstätte betretene Stille. Die Spielgeräte waren verwaist. Kinder, Eltern und Erzieherinnen sind geschockt. Kita-Leiterin Sylvia Scheibenhof wollte sich wie auch Eltern der Einrichtung nicht zu der Tragödie äußern. Klaus Roth, Chef der Jugendwerkstatt "Frohe Zukunft", die Träger der Tagesstätte ist, lehnte ebenfalls Auskünfte ab. "Der Vorfall ist nicht von öffentlichem Interesse", meinte er. Man habe mit den Eltern aus emotionalen Gründen Stillschweigen vereinbart.

Wie es am Dienstag aus der halleschen Staatsanwaltschaft hieß, haben die Dresdner Kollegen nun Ermittlungen zur Todesursache des Mädchens aufgenommen und eine Obduktion angeordnet. Erst wenn diese erfolgt sei, könne der Leichnam für eine Überführung nach Halle freigegeben werden.

Wie es am Freitag zu dem Unglück kommen konnte, ist laut Schieweck unklar. Zunächst hatte es geheißen, dass das Kind mit der Kette an der Schaukel hängen geblieben sei. "Das stellt sich nach unseren Erkenntnissen nun aber anders dar." Fünf Kinder hätten unter Aufsicht zweier Erzieherinnen mit Kastanien Igel und Ketten gebastelt. Ob die Zweieinhalbjährige dabei möglicherweise zeitweise unbeobachtet war, soll nun geklärt werden.