Galaktische Faszination

Galaktische Faszination: Astronomien und Hallenser beobachten partielle Mondfinsternis

Halle (Saale) - 21.35 Uhr geht am Dienstagabend ein Raunen über den Grünen Hügel in Heide Süd. Teleskope, Kameras und Ferngläser richten sich zum Horizont nach Osten. Zwischen den Wolkenfetzen, die vom trüben Tag noch übrig sind, schiebt sich der Mond hervor. Groß, gelbrot, ...

Von Dirk Skrzypczak 18.07.2019, 10:00

21.35 Uhr geht am Dienstagabend ein Raunen über den Grünen Hügel in Heide Süd. Teleskope, Kameras und Ferngläser richten sich zum Horizont nach Osten. Zwischen den Wolkenfetzen, die vom trüben Tag noch übrig sind, schiebt sich der Mond hervor. Groß, gelbrot, mächtig. 

Faszination Mondfinsternis: „Andere machen Urlaub am Strand, ich reise der Finsternis hinterher"

„Unser Auge spielt uns einen Streich. Dass der Mond so riesig ist, wenn er am Horizont steht, ist eine optische Täuschung. Wir können die Entfernung nicht erfassen“, sagt Dirk Schlesier, Leiter von Halles Raumflugplanetarium. Dann stellt er das mobile Teleskop, Star des „Moonlight Watching“, auf den Erdtrabanten ein. Das Spektakel kann beginnen. Während sich die Sonne im Westen mit einem farbenprächtigen Untergang verabschiedet, wird es voll auf dem Plateau. Marc Weihrauch ist schon eine Weile da. Der 41-Jährige gilt in Halles Astronomie-Szene als Experte in Sachen Himmelsphänomene. Vor zwei Wochen war er in Chile bei der totalen Sonnenfinsternis. „Andere machen Urlaub am Strand, ich reise der Finsternis hinterher“, sagt der Büroangestellte.

Dass am Tag genau 50 Jahre nach dem Start der berühmten Apollo-11-Mission über Halle eine partielle Mondfinsternis zu sehen ist, ist für die Sternengucker wie ein s Omen. „Chile und das heutige Ereignis gehören zusammen. Es ist immer so, dass eine Sonnenfinsternis entweder zwei Wochen vorher oder nachher von einer Mondfinsternis begleitet wird“, sagt Weihrauch. Dann blickt er wieder hinauf zum Mond, der Stück für Stück in den Kernschatten der Erde rückt. Etwa 62 Prozent des Himmelskörpers werden kurz vor Mitternacht letztlich verdeckt sein.

Günther Herzberg ist mit seiner Frau und dem Enkel auf den Hügel gestiegen. Am 20. Juli 1969, als der erste Mensch den Mond betrat, hatte der heute 70-Jährige zu Hause gebannt vor dem Fernseher gesessen. „In der DDR wurde die Mondlandung ja nicht übertragen. Wir haben ein verzerrtes West-Bild gehabt und waren trotzdem begeistert“, sagt Herzberg. Das seien Erinnerungen, die man nie vergisst.

Astronomien und Hallenser beobachten die partielle Mondfinsternis

Unterdessen ist der Himmel so klar, dass auch Planeten in den Fokus rücken: Jupiter und Saturn. Die 400-fache Vergrößerung des „Moonlight“-Teleskops liefert spektakuläre Einblicke. Am Jupiter sind vier Monde zu sehen, und bei Saturn sind die Ringe deutlich erkennbar. „Seit März haben wir das Teleskop und sind mit ihm seitdem in der Stadt unterwegs. Mehr als 1000 Menschen haben schon durchgeschaut. Und alle sind fasziniert gewesen“, sagt Schlesier, 38 Jahre alt, der sich wie sein jüngerer Bruder René schon als Kind für Naturwissenschaften interessierte.

Und für das Weltall mit seinen unendlichen Weiten. Kurz nach 23 Uhr steigt auf dem Grünen Hügel noch einmal die Spannung. Der Mond hängt mittlerweile wie eine mauretanische Sichel über Halle. Und dann zieht sie langsam vorbei, die Internationale Raumstation ISS. Mehrere Minuten dauert ihr Überflug im Nachthimmel. Es ist die galaktische Krönung eines besonderen irdischen Abends. (mz)