Einmaliges Angebot in Sachsen-Anhalt

Erste Schule in Halle lehrt jüdische Religion

In Halle startet ein Modellprojekt - und soll Vorbild für das ganze Land sein.

Von Denny Kleindienst 13.10.2021, 10:10 • Aktualisiert: 13.10.2021, 10:25
Jüdischer Religionsunterricht
Jüdischer Religionsunterricht (Foto: Denny Kleindienst)

Halle (Saale)/MZ - Man müsste schon Hebräisch beherrschen, um den Schriftzug an der Tafel entziffern zu können. Deshalb steht die Übersetzung noch einmal direkt darunter: „Willkommen Klasse 1 und 2!“ Im Klassenraum im oberen Stockwerk der Johannesschule in der südlichen Innenstadt von Halle findet an diesem Dienstag die erste Stunde Jüdischer Religionsunterricht statt. Es ist ein in ganz Sachsen-Anhalt einmaliges Angebot.

Die großen Erwartungen, die damit verbunden sind, wie auch die Strahlkraft, die man sich davon erhofft, zeigt sich schon daran, dass zum Start des Modellprojekts Ministerpräsident Reiner Haseloff und die neue Bildungsministerin Eva Feußner (beide CDU) in die Grundschule gekommen sind. Beide bedanken sich beim ebenfalls anwesenden ehemaligen Bildungsminister Marco Tullner, der das Projekt vor rund drei Jahren initiiert hat. Tullner selbst sagt: „Das ist schon etwas Historisches.“

14 Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse angemeldet

Insgesamt haben sich 14 Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse für den Unterricht angemeldet. Sie kommen von verschiedenen halleschen Schulen, die wenigsten sind selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde. Laut Eva Feußner ist es gerade das Ziel, auch konfessionslose Kinder für den Unterricht zu gewinnen. So steht der jüdische Religionsunterricht allen Kindern offen. Und er ist ein versetzungsrelevantes Fach.

Jüdischer Religionsunterricht
Jüdischer Religionsunterricht
(Foto: Denny Kleindienst)

Zu den Schwierigkeiten zählte der Bildungsministerin zufolge, eine Lehrkraft zu finden. Gefunden wurde schließlich Katia Novominski. Die studierte Lehrerin lebt in Berlin und ist Geschäftsführerin beim Bund traditioneller Juden in Deutschland (BtJ). Beim Lehrstoff hat man sich indes an Nordrhein-Westfalen orientiert, wo es bereits jüdischen Religionsunterricht gibt. Das Landesschulamt arbeitet aber auch mit dem jüdischen Landesverband in Sachsen-Anhalt zusammen. Die Grundschule in Halle macht mit dem Modellprojekt nun den Anfang in Sachsen-Anhalt, soll aber nicht die einzige Schule bleiben. „Wir werden sehen, wie es sich entwickelt“, so Feußner.

Haseloff betont, dass „jüdisches Leben fest zu Sachsen-Anhalt gehört“

Reiner Haseloff betont, dass „jüdisches Leben fest zu Sachsen-Anhalt gehört“. Das Land wolle jüdisches Leben weiter fördern. Zu den Schülern im Klassenzimmer sagt Haseloff, es gebe unterschiedliche Gedankenrichtungen. „Man muss gut miteinander umgehen. Wir müssen aber auch voneinander wissen.“ Aus Sicht von Halles Bürgermeister Egbert Geier ist der jüdische Religionsunterricht eine weitere Facette im Bemühen, „die jüdische Geschichte und Gegenwart auch in Halle noch sicht- und erlebbarer zu machen“. Damit würden Toleranz, Empathie und Verständnis gefördert. Für Geier allesamt „unabdingbare Bausteine für ein offenes, respektvolles Miteinander“. Er freue sich daher sehr, dass das Projekt an einer Schule in Halle startet. „Ich hoffe, dass wir zukünftig an weiteren Schulen in Halle und in Sachsen-Anhalt jüdischen Religionsunterricht anbieten können.“

Und Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Halle, erklärte zum Start schlicht: „Ich bin absolut glücklich.“