Eloquenter Visionär

Der Mann, der Halles Neustadt baute: Heiner Hinrichs im Alter von 84 Jahren gestorben

Von Andreas Montag 24.11.2021, 12:19 • Aktualisiert: 24.11.2021, 12:27
Heiner Hinrichs, „der Macher“, bei der Arbeit.
Heiner Hinrichs, „der Macher“, bei der Arbeit. Foto: Uwe Mann

Halle (Saale)/MZ - Ein eloquenter Visionär mit großem Fachwissen, dazu umfassend gebildet - so beschreibt der Dokumentarfilmer Uwe Mann den „Haudegen“ von Halle-Neustadt. Diesen Beinamen hat man Heiner Hinrichs seinerzeit bewundernd angeheftet.

„Aber er verfügte zugleich über eine hohe Sozialkompetenz, er konnte sich den Menschen verständlich machen und sie begeistern“, sagt Uwe Mann, der Hinrichs in dem Film „Im Dreieck“ (2014) porträtiert hat. Nun ist der weit über Halle hinaus bekannte „Baulöwe“ 84-jährig in einem Pflegeheim gestorben, wie der Filmemacher berichtet.

Ein guter Erzähler sei Hinrichs gewesen, „er konnte gut kochen und feiern - ein Mensch, den man gern in seiner Nähe hat“. Dabei sei er in seinen späteren Jahren auch verbittert gewesen, weil man seine Lebensleistung plötzlich nicht mehr als einen von der Fachwelt angesehenen, markanten Teil der Ost-Moderne begreifen wollte, sondern klein redete. Inzwischen hat der Wind sich etwas gedreht, „HaNeu“ gilt wieder etwas.

Hinrichs, geboren in Hamburg und kriegshalber nach Sachsen-Anhalt verschlagen, war gelernter Maurer. Nach dem Besuch der Arbeiter- und Bauernfakultät in Halle und einem Baustudium in Weimar begann er mit 27 Jahren in Halle-Neustadt zu arbeiten. 1965, zur Grundsteinlegung. Richard Paulick, der Planer, holte Hinrichs in sein Team.

Der junge Mann hatte das hallesche Interhotel und dessen „Schwester“ am Leipziger Hauptbahnhof in Rekordzeit errichtet. Das machte ihn im Osten zum Star. Auch das Panoramamuseum in Bad Frankenhausen geht auf seine Kappe, ebenso der dafür verwendete Spottbegriff „Elefantenklo“. So hat es Hinrichs, der zeitweilig mit zwei Frauen und lange Zeit in einer kleinen Wohnung in Halle-Neustadt lebte, jedenfalls Uwe Mann erzählt. Im Frühjahr will der Regisseur seinen Film über Hinrichs noch einmal in Halle zeigen.

Eine spannende Persönlichkeit, ohne Zweifel. Er habe klare Worte geschätzt, sagt Mann, ahnungslose Vorgesetzte weniger. So kam es wohl auch zu seinem Rausschmiss aus der SED. Weiter bauen ließen ihn die Genossen allerdings schon.