Brand in der "Goldenen Rose" in Halle

Brand in der "Goldenen Rose" in Halle: Staatsschutz ermittelt nach Brand im Flüchtlingstreff

Halle (Saale) - Die Polizei in Halle ermittelt nach dem Feuer in dem Kulturtreff „Goldene Rose“ in der Rannischen Straße wegen Brandstiftung. Dies bestätigte die Sprecherin der Polizeidirektion Süd, Ulrike Diener. „Wir bilden gerade eine Ermittlungsgruppe“, sagte sie auf MZ-Anfrage. Daran sollen auch Experten des polizeilichen Staatsschutzes beteiligt werden. Einen rechtsradikalen Hintergrund schließt die Polizei nicht ...

Von Jan-Ole Prasse

Die Polizei in Halle ermittelt nach dem Feuer in dem Kulturtreff „Goldene Rose“ in der Rannischen Straße wegen Brandstiftung. Dies bestätigte die Sprecherin der Polizeidirektion Süd, Ulrike Diener. „Wir bilden gerade eine Ermittlungsgruppe“, sagte sie auf MZ-Anfrage. Daran sollen auch Experten des polizeilichen Staatsschutzes beteiligt werden. Einen rechtsradikalen Hintergrund schließt die Polizei nicht aus.

Aktiv in der Flüchtlingsarbeit

Schließlich ist die „Goldene Rose“ in der Flüchtlingsarbeit sehr aktiv. Seit zwei Wochen veranstaltet der Künstlertreff einmal in der Woche einen Flüchtlingsstammtisch - immer montags ab 19 Uhr. „Die Veranstaltung wird sehr gut angenommen. Wir haben zwischen 150 und 200 Teilnehmer“, sagte Stephan Schirmmeister, der Leiter der „Goldenen Rose“. Die Veranstaltung fand auch am Abend vor dem Brand statt. Um 23 Uhr habe eine Kollegin von ihm das Haus zugeschlossen. „Dass sich bis 4 Uhr eine Zigarette plötzlich entzündet hat, ist total unwahrscheinlich. Die Spuren, die die Polizei gefunden hat, deuten ganz klar auf Brandstiftung hin“, sagte Schirmmeister.

Die Polizei selbst hält sich mit Informationen zurück. „Es waren am Vormittag Brandmittel-Suchhunde und die Kriminaltechnik vor Ort“, sagte Sprecherin Diener lediglich. Zu möglichen gesicherten Beweismitteln wie Brandbeschleuniger wollte sie sich mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Klar ist, dass sich das Feuer von einer Couch und anderen Möbeln in dem Gastraum im Erdgeschoss ausbreitete und auf die Fenster übergriff. Die Feuerwehr konnte den Brand aber löschen, bevor auch die anderen Räume in Mitleidenschaft gezogen wurden. Verletzt wurde niemand.

Fenster und Türen komplett verbrannt

In dem Raum im Erdgeschoss zur Rannischen Straße sind die Fenster und Türen komplett verbrannt. Auch von der Inneneinrichtung ließ das Feuer nichts übrig. Schirmmeister geht von einem Schaden im fünfstelligen Bereich aus. Die genaue Höhe werde ein Gutachter feststellen.

„Wir hatten aber noch Glück im Unglück“, sagte Schirmmeister. Die weiteren Räume der Gaststätte seien kaum betroffen - außer von ein wenig Löschwasser und Rauch. Schirmmeister geht davon aus, dass der Betrieb ohne Einschränkungen weitergehen könne und die Schäden zügig repariert werden.

Das älteste Gasthaus der Stadt Halle wurde erstmals 1479 urkundlich erwähnt. Der heutige Bau stammt aus der Spätrenaissance des 16. Jahrhunderts. Besonders kennzeichnend sind die Wandmalereien sowie die Bohlenstube des Gebäudes.

Nicht nur die Hallenser kehrten in die Gaststube ein. Unter anderem soll auch Wolfgang Amadeus Mozart 1789 eine amüsante Nacht in der „Goldenen Rose“ verbracht haben. 200 Jahre später speiste hier der damalige US-Außenminister James Baker zur Wendezeit mit seinem deutschen Kollegen Hans-Dietrich Genscher, der dem Amerikaner seine Heimatstadt zeigte.

Seit 1994 fristete das Gebäude ein eher trostloses Dasein. Wie viele Häuser in den neuen Bundesländern stand auch die „Goldene Rose“ lange Zeit leer.

2010 übernahm der Verein „Haushalten Halle“ das Gebäude, um es durch seine Nutzung vor weiterem Verfall zu bewahren.

Die „Goldene Rose“ ist seit fünf Jahren wieder Gaststätte, Veranstaltungszentrum und Künstlerhaus. Am 15. September 2010 hatte Schirmmeister mit dem Verein „Haushalten Halle“ das seit 1994 leerstehende Haus eröffnet. „Wir sind der Dreh- und Angelpunkt der freien Künstlerszene in Halle“, so Schirmmeister. In der Gaststätte im Erdgeschoss finden neben dem Flüchtlingstreff auch viele Tanz- und Konzertveranstaltungen statt. In den oberen Etagen gibt es Ateliers, unter anderem für Studenten und Absolventen der Burg.

Die Polizei sucht nach Zeugen. Sie können sich bei der Polizeidirektion Süd melden unter: 0345/224 12 91.