Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“

Brachwitz blüht mit Engagement auf

Warum sich Jan Richter für die Verschönerung des Ortes einsetzt und wie er die Bürger zusammenbringt. Er ist für die Auszeichnung nominiert

Von Claudia Crodel 29.04.2022, 13:50
Jan Richter will gemeinsam mit Vereinen den Spielplatz in Brachwitz erweitern. Er ist der Motor im Ort.
Jan Richter will gemeinsam mit Vereinen den Spielplatz in Brachwitz erweitern. Er ist der Motor im Ort. Foto: Zöller

Wettin-Löbejün - Wie kann man das Leben im Dorf schöner gestalten? Was vermissen die Leute im Ort? Was kann man selber tun, wie können die Vereine mitwirken, um den Ort und die Dorfgemeinschaft voranzubringen? In Brachwitz, Gemeinde Wettin-Löbejün, wird das konkret angepackt. Einer der Mitinitiatoren der Aktion ist Jan Richter, Vorsitzender des Brachwitzer Alpenvereins, und vielfältig engagiert für den Ort - auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Ortsbürgermeister 2019.

Unter der Regie des 49-Jährigen sei das Dorf für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren attraktiver und lebenswerter gestaltet worden, etwa mit den Kinder- und Familiensportfesten, Umzügen zum Martinstag oder dem Weihnachtssingen, heißt es in dem Nominierungsvorschlag von Brachwitzer Bürgern. Jan Richter ist damit für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert.

Verein „Brachwitzer Alpen“ besteht seit zwölf Jahren

Jüngst waren rund 100 Leute zu einer Versammlung in die Domäne Brachwitz gekommen. „Dass es so viele Menschen hier im Ort gibt, die sich interessieren und etwas bewegen wollen, hat mich beeindruckt“, sagt Jan Richter. Der Verein, den es seit zwölf Jahren gibt, hatte schon zu seiner Gründung die Bürger gefragt, was sie sich im Ort wünschen. „Damals wünschte man sich einen Spielplatz, ein Vereinsheim und Verbesserungen an den Sportplätzen“, blickt Richter zurück.

In den Jahren danach sei die Entwicklung im Dorf – so wie in vielen anderen Orten in strukturschwachen Regionen auch – „eher negativ verlaufen, was die Infrastruktur betrifft“. Der Bäcker machte zu und der Konsum, weil keine Nachfolger gefunden werden konnten, auch die Volksbank schloss ihre Filiale im Ort. Und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei nicht die beste. Über all die Jahre hätten sich aber die Vereine bemüht, das Dorfleben aufrecht zu erhalten, der Karnevals- und der Alpenverein ebenso wie der der freiwilligen Feuerwehr.

Hochschule Harz befragt Bewohner des Ortes

„Wir wollten aber erst einmal wissen, welche Bedarfe überhaupt bestehen und haben uns für eine Machbarkeitsstudie entschieden“, erläutert Jan Richter. Der Brachwitzer Alpenverein hat in der Hochschule Harz einen Partner gefunden. Über das landesgeförderte Projekt „Nachbar“ (Nahversorgungsstudie Brachwitz) hat eine Befragung mit großer Beteiligung stattgefunden. Oben auf der Wunschliste standen die Verbesserung des ÖPNV und der ärztlichen Versorgung.

Die Studenten der Hochschule Harz hatten schnell erkannt, an Ideen fehlt es nicht. In Workshops wurde deshalb verdeutlicht, dass es wichtig ist, sich selbst zu beteiligen. „Man sieht das ja auch in anderen Orten wie Mösthinsdorf oder Ostrau: Die Vereine müssen zusammenarbeiten“, sagt Richter.

Schon in den nächsten Wochen soll Brachwitz weiter aufblühen: die Spielplatzerweiterung und die Verschönerung des Vereinsteil in der Domäne stehen an. Auch eine Erlebnis-Exkursion für Kinder durch die Brachwitzer Alpen, Vorleseabende, gemeinsames Musizieren oder sportliche Betätigung auf einem Trimm-dich-Pfad werden angeboten. Und zum Jubiläum 100 Jahre Feuerwehr in Brachwitz gibt es in diesem Jahr ein großes Fest. Brachwitz blüht auf - auch dank des Engagements von Jan Richter.